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25.08.2026 08:00 Uhr
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Kubas Präsident bestätigt, dass die Annäherung an die USA nicht vorankommt. Einen bevorstehenden Zusammenbruch der Insel weist er zurück – beschriebt die Lage aber selbst als „äußerst komplex“.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Díaz-Canel 2018 Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Es ist ein Eingeständnis, das der kubanische Staatschef bislang vermieden hatte: Der Dialog mit den Vereinigten Staaten kommt nicht voran. In einem bei youTube verffentlichten Interview mit der brasilianischen Tageszeitung Folha de S.Paulo erklärte Miguel Díaz-Canel, es habe zwar Kontakte zur US-Regierung gegeben, doch bisher sei kein Fortschritt erzielt worden. Eine verbindliche Agenda für weitere Gespräche existiere nicht. Gesprächsbereitschaft allein reiche unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht aus: „Unter Unterdrückung kann es keinen Dialog geben“, so der Präsident.
Als Beleg für den Druck aus Washington verwies Díaz-Canel auf Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio, wonach die USA sämtliche Auswege abschneiden wollten, die Kuba noch finden könne. Zugleich beklagte er, dass Informationen über CIA-Operationen auf der Insel gezielt an die Presse durchgestochen würden. Der Regierung von Donald Trump warf er erneut vor, mit Niedertracht zu agieren und die Nation unterwerfen zu wollen. Wirtschaftsleistung um mehr als 15 Prozent geschrumpft
Hintergrund des Interviews ist eine Versorgungslage auf der Karibikiinsel, die sich seit Jahresbeginn dramatisch verschärft hat. Schätzungen zufolge ist die kubanische Wirtschaft zwischen 2020 und 2025 um mehr als 15 Prozent geschrumpft. Seit Januar greift ein von den USA verhängter Öl-Blockade-Mechanismus, seit Mai kommen Sekundärsanktionen gegen Schlüsselbranchen hinzu. Zu den Dauer-Stromausfällen ist inzwischen der weitgehende Stillstand des öffentlichen Nahverkehrs getreten; Krankenhäuser arbeiten nur noch im Minimalbetrieb, und auf den informellen Märkten sind vor allem die Preise für Lebensmittel und Medikamente explodiert.
Internationale Fachleute haben zuletzt vor einem „stillen Gaza“ in der Karibik gewarnt und die Weltgemeinschaft zu raschem Handeln aufgerufen. Bemerkenswert ist, wie Díaz-Canel darauf reagierte: Er nannte diese Einschätzung der Lage zutreffend – und wies im selben Atemzug zurück, dass das Land am Rande des Zusammenbruchs stehe. Kuba befinde sich in einer komplexen Situation, die aber von der Kreativität und dem historischen Widerstandswillen der Bevölkerung geprägt sei. Die Situation selbst beschrieb er als „äußerst komplex“ und von Leid gezeichnet. Reformen ja, Kapitalismus nein
Deutlich wurde der Präsident bei der Frage nach dem Reformpaket, das das Parlament im Juni im Eilverfahren beschlossen hatte: 176 Maßnahmen zur Liberalisierung und Dezentralisierung der Wirtschaft, von denen inzwischen 76,1 Prozent rechtlich unterlegt sind. Von kapitalistischen Reformen will Díaz-Canel dennoch nichts wissen; eine „kapitalistische Restauration“ werde es nicht geben. Man befinde sich weiterhin in einem Prozess sozialistischen Aufbaus. Die Maßnahmen seien das Ergebnis einer Debatte, die seit mehr als zehn Jahren geführt werde.
Diese Formel ist innenpolitisch aufschlussreich. Fachleute sehen in dem Paket eine erhebliche Aufwertung des Privatsektors als Krisenpuffer – offiziell hat die Regierung das bislang nicht so eingeordnet. Die Wortwahl richtet sich weniger an Havannas Verhandlungspartner als an die eigene Partei: Wer Bankenöffnung, Devisenmarkt und Subventionsabbau als Fortsetzung des sozialistischen Projekts rahmt, muss den ideologischen Bruch nicht eingestehen. Ebenso wenig zufällig ist die Wahl des Mediums. Ein Interview in einer großen brasilianischen Zeitung erreicht ein lateinamerikanisches Publikum, dessen Regierungen Havanna als Vermittler oder wenigstens als Fürsprecher gegenüber Washington gebrauchen könnte. Die Botschaft ist entsprechend zweigeteilt: Verhandlungsbereit sei Kuba – blockiert werde von der anderen Seite. Autor: Leon Latozke
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