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13.08.2026 08:00 Uhr
Offiziell wurde Fidel Castro am 13. August 1926 geboren. Doch viel spricht dafür, dass das erst ein Jahr später geschah und er wegen der kubanischen Revolutions-Numerologie am Geburtsdatum mit der 26 festhielt.
„In diesem Haus kam ich am 13. August 1926 um zwei Uhr morgens zur Welt" — so schildert es Fidel Castro seinem autorisierten Biografen Ignacio Ramonet. Der Nachsatz fällt in den meisten Zitierungen unter den Tisch: „según cuentan", wie man erzählt.
An diesem Datum hält Kuba fest, seit es ein revolutionäres Kuba gibt. Auch Castros nach Miami geflohene Schwester Juanita, die vom Bruder sonst wenig Gutes berichtet, hat 1926 nie bestritten. Andere Biografen berufen sich dagegen auf Aussagen der beiden älteren Geschwister Angelita und Ramón und nennen 1927. Die Unsicherheit hat einen banalen Grund. Fidel kam als uneheliches Kind der Hausangestellten Lina Ruz zur Welt; sein Vater Ángel Castro war zu diesem Zeitpunkt noch mit María Luisa Argota verheiratet. Kinder aus solchen Verhältnissen wurden im ländlichen Osten Kubas oft erst Jahre später beim Standesamt angemeldet — Fidel wurde auch erst mit acht Jahren getauft. Wo ein Geburtsdatum nachträglich beurkundet wird, ist es beweglich. Wie beweglich, zeigte die brasilianische Journalistin Claudia Furiati. Bei den Recherchen zu ihrer über neun Jahre entstandenen Biografie „Fidel Castro: la historia me absolverá" erhielt sie Zugang zum Fidel-Castro-Archiv des kubanischen Staatsrats und stieß dort auf gleich drei Geburtsurkunden, ausgestellt 1938, 1941 und 1943. Von Bedeutung ist das Dokument von 1941: Es weist 1926 als Geburtsjahr aus — ein Jahr früher als die Urkunde von 1938. Der Zeitpunkt passt zur Biografie. Mit dem korrigierten Alter konnte Fidel 1942 die ersehnte Oberschule in Havanna besuchen, das Jesuiteninternat Colegio de Belén. Für die Urkunde dürfte sein Vater am zuständigen Kreisgericht eine erhebliche Summe hinterlegt haben. Später, als Staatschef, hätte Castro die Sache ohne jedes Risiko richtigstellen können. Ein um ein Jahr verjüngter Schuljunge aus der Provinz Oriente hätte niemandem geschadet, im Gegenteil: Die Anekdote hätte gut in die Erzählung vom aufstiegswilligen Landkind gepasst. Castro schwieg. Eine mögliche Erklärung liegt in der Zahl selbst. Das Doppelte von 13, Castros Geburtstag, ergibt 26 — sein Geburtsjahr. Das Doppelte davon 52, das Jahr, in dem sich Fulgencio Batista an die Macht putschte. Am 26. Juli 1953 startete Castro mit dem Sturm auf die Moncada-Kaserne seinen ersten, erfolglosen Versuch, den Diktator zu stürzen. Der Tag gab der Bewegung des 26. Juli (Movimiento 26 de Julio, M-26-7) ihren Namen, als deren Anführer Fidel Batista sechs Jahre später vertrieb. Dass der Angriff auf die Moncada ausgerechnet im hundertsten Geburtsjahr José Martís (1853–1895) stattfand, machte die Zahlenkette endgültig zum Bestandteil des revolutionären Selbstbildes. Belegen lässt sich diese Deutung nicht — Castro selbst hat sie nie ausgesprochen. Nachweisbar ist nur, wie systematisch die Revolution mit Jubiläumsdaten arbeitet. Noch die Verfassung von 1976 verankerte das in ihrer Präambel: „Wir, die kubanischen Bürger, die Erben und Fortführer [...] der Generation der Hundertjahrfeier des Geburtstags von Martí, die [...] uns zum revolutionären Volkssieg vom Januar geführt hat [...]". Die Verfassung von 2019 hat die Formel übernommen und stellt Fidel dort ausdrücklich neben Martí, Marx, Engels und Lenin. Bleibt Castros Nachsatz gegenüber Ramonet. „Según cuentan" ist im Spanischen eine Alltagsfloskel — niemand erinnert die eigene Geburt. Aus dem Mund eines Mannes, in dessen Archiv drei verschiedene Geburtsurkunden lagen, klingt sie dennoch anders. Autor: Leon Latozke
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