Neues aus Kuba
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Die Ölversorgung Kubas steht nach einem Bericht der Financial Times kurz vor dem Kollaps. Nach Berechnungen des Analyseunternehmens Kpler reichen demnach die vorhandenen Reserven nur noch für wenige Wochen.
29.01.2026 16:30 Uhr
Abbildung: Öllieferungen nach Kuba in Tausend Barrel pro Tag. Quelle: Financial Times/Kpler
Wie die Financial Times berichtet, steht Kuba vor einer akuten Energiekrise. Nach Berechnungen von Kpler, führender Anbieter von Echtzeit-Daten und Analysetools für Rohstoffmärkte, Schifffahrt und Seehandel, verfügt die Insel bei aktuellem Verbrauch und eigener Förderung nur noch über Ölreserven für etwa 15 bis 20 Tage. Auslöser ist ein nahezu vollständiger Einbruch der Ölimporte: Lieferungen aus Venezuela wurden von den USA blockiert, während Mexiko als letzter verbliebener Lieferant offenbar mindestens eine geplante Lieferung ausgesetzt hat.
Schon jetzt leidet Kuba unter täglichen Stromausfällen und langen Schlangen an Tankstellen. Sollte es in den kommenden Wochen keine neuen Lieferungen geben, drohen laut Experten scharfe Rationierungen. Zwar waren die Vorräte in der Vergangenheit zeitweise ebenfalls niedrig, doch die politische Lage verschärft die Situation zusätzlich. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die Ölzufuhr für die Karibikinsel vollständig abzuschneiden, und erklärte zuletzt, das Regime stehe „kurz vor dem Scheitern“. Nach Angaben von Kpler erhielt Kuba in diesem Jahr bislang lediglich eine einzige Lieferung aus Mexiko am 9. Januar mit 84.900 Barrel Rohöl. Umgerechnet entspricht dies etwas mehr als 3.000 Barrel pro Tag – ein drastischer Rückgang im Vergleich zu durchschnittlich 37.000 Barrel pro Tag aus allen Quellen im Jahr 2025. Rechnet man diese Lieferung zu geschätzten Lagerbeständen von rund 460.000 Barrel zu Jahresbeginn hinzu, reiche das Öl nur für wenige Wochen, so Kpler-Analystin Victoria Grabenwöger. Die politische Eskalation folgte kurz darauf: Am 11. Januar, zwei Tage nach der mexikanischen Lieferung und eine Woche nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Truppen, kündigte Trump an, es werde „kein Öl mehr“ nach Havanna gelangen. Mexiko war im vergangenen Jahr Kubas größter Öllieferant, steht jedoch unter starkem Druck aus Washington. Präsidentin Claudia Sheinbaum wollte Berichte über einen Lieferstopp nicht eindeutig bestätigen. Sie sprach von einer „souveränen Entscheidung“, betonte aber später, Exporte erfolgten entweder über Verträge mit dem staatlichen Konzern Pemex oder als humanitäre Hilfe. Analysten gehen davon aus, dass Kuba das mexikanische Öl zu stark vergünstigten Konditionen oder sogar kostenlos erhielt. Der Wegfall Venezuelas wiegt besonders schwer: Das südamerikanische Land hatte Kuba jahrelang zuverlässig beliefert. „Wenn nun nur noch Mexiko bleibt und dieses unter US-Druck nicht liefern kann, hat Kuba ein massives Problem“, zitiert die Financial Times den mexikanischen Energieberater Gonzalo Monroy. Zusätzlich fehlt es Kuba an Schweröl, das für die Stromerzeugung unverzichtbar ist. Venezuela war hier zuletzt der einzige Lieferant, doch die letzte Lieferung traf im November ein. Seitdem gab es keinen Nachschub. Zwar exportierte Venezuela im Dezember noch durchschnittlich rund 46.500 Barrel pro Tag nach Kuba, seit der Festnahme Maduros am 3. Januar seien es jedoch null, so die Kpler-Daten. Lieferungen aus Russland und Algerien, die in der Vergangenheit ebenfalls Öl lieferten, waren zuletzt nur sporadisch: Russlands letzte Lieferung datiert vom Oktober, Algeriens vom Februar 2025. Die wirtschaftlichen Folgen könnten gravierend sein. Kubas ohnehin angeschlagene Wirtschaft leidet unter sinkenden Tourismuseinnahmen und rückläufiger Zuckerproduktion. Ohne gesicherte Ölversorgung drohe ein Kollaps, warnt Nicholas Watson von der Beraterfirma Teneo. Die Krise sei für das Regime potenziell existenziell. Mexikos Präsidentin Sheinbaum befindet sich dabei in einer heiklen Lage. Ein wichtiges Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada steht in diesem Jahr zur Neuverhandlung an, zugleich droht Trump offen mit militärischem Vorgehen gegen mexikanische Drogenkartelle. Analysten vermuten, dass die Sorge vor einer Beschlagnahmung mexikanischer Öllieferungen im Falle einer vollständigen US-Blockade zu Zurückhaltung bei den Exporten nach Kuba geführt hat. Während Trump erneut prognostizierte, Kuba werde „ziemlich bald scheitern“, zeigt sich Havanna demonstrativ standhaft. Anhänger der Regierung gingen zu Kundgebungen auf die Straße, Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte, die Härte der Zeit und die Brutalität der Drohungen würden Kuba nicht aufhalten. Ob diese Haltung angesichts schwindender Energiereserven durchzuhalten ist, bleibt offen.
Der Artikel wurde zuerst bei Mundus Novus 24 veröffentlicht.
Autor: Leon Latozke
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