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28.09.2026 10:00 Uhr
Mehr als 270 Millionen Dollar in sieben Jahren: Geleakte Dokumente der kubanischen Botschaft in Washington zeigen, wie viel Geld Pässe, Beglaubigungen und Touristenkarten dem Staat einbringen.
Abbildung: Die kubanische Botschaft in der 16th Street in Washington, D.C.: Allein diese Vertretung nahm zwischen 2019 und 2025 mehr als 270 Millionen Dollar mit Konsulardienstleistungen ein (Bildquelle: APK, Embassy of Cuba in Washington, D.C. - 2, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY 4.0
Die kubanische Botschaft in Washington hat zwischen 2019 und 2025 mit Reisepässen, Beglaubigungen und Touristenkarten mehr als 270 Millionen US-Dollar eingenommen. Das geht aus geleakten internen Dokumenten der Vertretung hervor, die das unabhängige Portal elTOQUE ausgewertet hat. Die Unterlagen zeigen außerdem, dass das Außenministerium in Havanna (MINREX) der Mission verbindliche Einnahmeziele vorgab. Die Veröffentlichung fällt in die Woche, in der ein neuer Konsulartarif in Kraft tritt: Ab dem 1. Oktober wird der kubanische Pass im Ausland erneut teurer.
4.713 Dateien aus drei Postfächern Die elTOQUE-Recherche stützt sich auf 4.713 Dateien aus den dienstlichen E-Mail-Konten des Botschafters, des Konsuls und eines Verwaltungsmitarbeiters. Die Dokumente seien Ende 2025 in Zusammenarbeit mit der Investigativeinheit Systema eines von der US-Regierung finanzierten Auslandssenders beschafft und vor der Veröffentlichung verifiziert worden, heißt es. Unabhängig überprüfen lassen sich die Unterlagen nicht. Die Botschaft ließ Anfragen zu den Ergebnissen unbeantwortet. Bei der Summe von 270 Millionen Dollar handelt es sich nicht um eine geprüfte Bilanz. Sie wurde aus lückenhaften Excel- und Word-Tabellen rekonstruiert, die teils nur Teilzeiträume abdecken. Die tatsächlichen Einnahmen dürften deshalb eher höher liegen. Planvorgaben wie für einen Staatsbetrieb Für 2019 lag das Einnahmeziel der Botschaft bei knapp 96 Millionen Dollar. Bis Ende Juli war nach den Tabellen rund zwei Drittel davon erreicht. In diesen sieben Monaten stellte das Konsulat 64.480 Pässe zu je 350 Dollar aus, verlängerte 86.104 Pässe zu je 160 Dollar und verkaufte 486.965 Touristenkarten zu je 50 Dollar. Allein diese drei Posten ergeben rechnerisch rund 60,7 Millionen Dollar. Ein erheblicher Teil des Geldes floss über Reiseagenturen in Südflorida, die Touristenkarten gebündelt erwarben. In den Postfächern fanden sich mehr als 90 an das Konsulat adressierte Schecks. Am häufigsten tauchen Cuba Travel Services (43 Schecks) und Cubamax (36) auf. Die Fluggesellschaft JetBlue überwies siebenmal Beträge zwischen 250.000 und 850.000 Dollar. Der größte Einzelscheck über 2,5 Millionen Dollar stammt vom Februar 2019 und lautet auf OnCuba Travel und Fuego Enterprises. Die Reederei Royal Caribbean zahlte 1,27 Millionen Dollar. Seit Juli 2025 ersetzt ein elektronisches Visum die klassische Touristenkarte. Pandemie, Erholung, Reform Die Corona-Pandemie drückte die Einnahmen 2020 auf rund 38,7 Millionen Dollar. Im Folgejahr kamen bis Ende Juli 27,1 Millionen zusammen, 63 Prozent des Jahresplans. Außenminister Bruno Rodríguez habe dem Konsularpersonal damals zur Übererfüllung des Plans gratuliert, geht aus den Unterlagen hervor. Die Nachfrage hatte sich allerdings verschoben: Touristenkarten wurden bis Juli 2021 nur 845 verkauft, 99,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Pässe, Verlängerungen und Beglaubigungen nahmen dagegen zu. 2022 lagen die Einnahmen bis September bei 52,2 Millionen Dollar, gut 121 Prozent des Jahresziels. Im selben Zeitraum 2023 waren es 44,9 Millionen, knapp drei Viertel der Vorgabe. Die Migrationsreform vom Juli 2023 kostete den Staat dann eine wichtige Einnahmequelle. Havanna senkte den Passpreis im Ausland, verlängerte die Gültigkeit für über 16-Jährige von sechs auf zehn Jahre und schaffte die Pflichtverlängerung alle zwei Jahre ab. Das Einnahmeziel für Washington sank auf 36 Millionen Dollar für 2024 und 30 Millionen für 2025. Bis zum 10. September 2025 waren knapp 21,6 Millionen verbucht. Ein interner Bericht verzeichnet Rückgänge bei fast allen Dienstleistungen. Als Kontext nennt die Recherche die zweite Amtszeit von Donald Trump, weniger Reisen von Exilkubanern und den Einbruch der Migration über die US-Südgrenze. Ein knapp gehaltener Apparat Den Einnahmen steht ein schmales Budget gegenüber. Für 2025 standen der Botschaft demnach 2.442.423 Dollar zur Verfügung. Davon waren höchstens 468.025 Dollar für Gehälter vorgesehen und gut eine Million für die Mieten der Dienstwohnungen. Anfang 2025 arbeiteten rund 50 Personen in der Vertretung. Im Januar wurden 41.654 Dollar an Gehältern ausgezahlt, im Schnitt etwa 833 Dollar pro Kopf. Für April waren Stellenkürzungen geplant. Das Einnahmeziel von 30 Millionen Dollar entsprach damit mehr als dem Zwölffachen des gesamten Botschaftsbudgets. Ein Nettogewinn lässt sich daraus nicht ableiten. Kosten für Passherstellung, Verwaltung in Havanna und andere Posten sind unbekannt. Auch wohin das Geld floss, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Zu den niedrigen Gehältern hatte sich 2023 bereits der frühere kubanische UN-Diplomat Joel Suárez geäußert. Er habe 200 bis 300 Dollar im Monat verdient. Die knappe Bezahlung diene aus seiner Sicht auch dazu, die Bewegungsfreiheit der Diplomaten einzuschränken. Vergleich mit der Dominikanischen Republik Um die Größenordnung einzuordnen, zieht die Recherche die Dominikanische Republik heran. Das Land hat eine vergleichbare Bevölkerung und eine ähnlich große Diaspora in den USA: 2,4 Millionen Dominikaner gegenüber 2,9 Millionen Kubanern, jeweils einschließlich Nachkommen. Die dominikanischen Konsulate in New York, Florida und San Juan nahmen 2018 bis 2020 zusammen rund 18,2 Millionen Dollar ein. Für Kuba ergeben allein die Teildaten von 2019 und das Gesamtjahr 2020 mindestens 103 Millionen Dollar. Neuer Tarif ab 1. Oktober, auch in Deutschland Mit der Resolution 37/2026 hebt Havanna nun die Konsulargebühren weltweit an. Der Pass für über 16-Jährige kostet ab 1. Oktober 200 statt 180 Dollar, in der Eurozone 200 Euro. Für Minderjährige steigt der Preis von 140 auf 160. Deutlich stärker verteuern sich Personenstandsurkunden wie Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden oder Führungszeugnisse. Wer in Euro zahlt, muss künftig 140 statt 100 Euro aufbringen, ein Plus von 40 Prozent. Beglaubigte Studiennachweise kosten 320 statt 250 Euro, jeweils vor weiteren Legalisierungen. Das Außenministerium begründet die Erhöhung mit einem komplexen internationalen makroökonomischen Umfeld und anhaltender weltweiter Inflation. Die neuen Preise würden Qualität, Sicherheit und Effizienz der Dienstleistungen verbessern, erklärte das Ministerium. Innerhalb Kubas bleibt der Pass bei 2.500 Pesos. Teuer war der kubanische Pass im internationalen Vergleich allerdings schon zuvor. Die Dokumente betreffen nur eine einzige Vertretung. Wie viel das weltweite Netz kubanischer Konsulate insgesamt einbringt und wofür der Staat das Geld verwendet, bleibt offen. Autor: Leon Latozke
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