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Die USA haben erneut 232 kubanische Migranten abgeschoben und damit die Serie bilateraler Rückführungsflüge fortgesetzt. Havanna betont sein Bekenntnis zu einer „geordneten Migration“, während die Zahl der Ausreisen aus Kuba infolge der anhaltenden Wirtschaftskrise weiter steigt.
08.11.2025 05:36 Uhr
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Zum wiederholten Mal seit der Wiederaufnahme bilateraler Rückführungsflüge hat Kuba eine große Gruppe abgeschobener Staatsbürger aus den Vereinigten Staaten empfangen. Wie das Innenministerium in Havanna mitteilte, landete am Donnerstag ein Flug mit 232 kubanischen Migranten, die von den US-Behörden ausgewiesen wurden. Es handelte sich um 189 Männer, 42 Frauen und ein Kind. Drei der Rückkehrer wurden laut kubanischen Angaben unmittelbar den Ermittlungsbehörden überstellt, da sie vor ihrer Ausreise im Verdacht standen, Straftaten begangen zu haben.
Die kubanische Regierung erklärte, sie halte an ihrem „Bekenntnis zu einer regulären, sicheren und geordneten Migration“ fest. Gleichzeitig warnte sie erneut vor den Risiken illegaler Ausreisen über das Meer, die in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben. Nach offiziellen Angaben wurden in diesem Jahr bislang 38 Rückführungsaktionen aus verschiedenen Ländern der Region durchgeführt, insgesamt mit 1.376 Rückkehrern. Die jüngste Rückführung aus den USA war bereits die zehnte per Flugzeug in diesem Jahr. Die bilateralen Abkommen zwischen Havanna und Washington sehen vor, dass alle auf dem Seeweg in den Vereinigten Staaten aufgegriffenen Kubaner zurückgeführt werden. Diese Vereinbarungen stammen noch aus früheren Jahrzehnten, wurden jedoch während der Corona-Pandemie und der politischen Spannungen zwischen beiden Ländern zeitweise ausgesetzt. Erst im April 2023 hatten die USA die Abschiebeflüge wieder aufgenommen, nachdem die Zahl der kubanischen Migranten an der Südgrenze sprunghaft angestiegen war. Vorrangig betroffen sind Personen, die von der US-Einwanderungsbehörde als „inadmissible“ eingestuft werden, also keinen Anspruch auf Aufenthalt oder Asyl haben. Laut Daten der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP kamen im Fiskaljahr 2024 insgesamt 217.615 Kubaner über unterschiedliche Routen in die Vereinigten Staaten. Damit hat sich die Zahl der kubanischen Migranten in den letzten vier Jahren auf mehr als 860.000 summiert – eine Größenordnung, die einem erheblichen Teil der Erwerbsbevölkerung der Insel entspricht. Beobachter sprechen von der größten Auswanderungswelle seit der Revolution von 1959. Ursache der anhaltenden Migrationsbewegung ist die schwere wirtschaftliche Krise auf der Insel, die seit Jahren anhält. Weite Teile der Bevölkerung leiden unter Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff. Dazu kommen eine galoppierende Inflation, wiederkehrende Stromausfälle und eine zunehmende Dollarisierung, die die soziale Ungleichheit verschärft. Für viele Kubaner bleibt die Flucht ins Ausland der einzige Weg, der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit zu entkommen. Während Havanna die Rückführungen als Beweis für die Wirksamkeit der bilateralen Abkommen darstellt, betonen Menschenrechtsorganisationen, dass Rückkehrer auf Kuba häufig unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden stehen. Internationale Beobachter fordern daher, dass die USA bei Abschiebungen humanitäre Standards wahren und individuelle Schutzbedürfnisse stärker berücksichtigen. Trotz der offiziellen Rhetorik einer „geordneten Migration“ verdeutlicht die Rückkehr der 232 Abgeschobenen das tiefe Dilemma beider Staaten: Kuba kämpft mit der Abwanderung eines großen Teils seiner arbeitsfähigen Bevölkerung – und die USA mit dem politischen und administrativen Druck, der durch den ungebremsten Zustrom kubanischer Migranten an ihren Grenzen entsteht.
Quelle: EFE (https://t1p.de/ybu0c)
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Text: Leon Latozke
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