Neues aus Kuba
Großbrand in Kubas größter Langustenfabrik: Schwerer Schlag für Fischerei und Exportwirtschaft12/10/2025
Ein Großbrand hat Kubas wichtigste Langustenfabrik in La Coloma in der Provinz Pinar del Río schwer beschädigt. Die „Empresa Pesquera Industrial La Coloma“, die fast die Hälfte der kubanischen Langusten exportiert, stand stundenlang in Flammen.
12.10.2025 08:00 Uhr
Abbildung: Rafael Fernández, Cubadebate
Ein Großbrand hat in der Nacht zum Samstag erhebliche Zerstörungen in der „Empresa Pesquera Industrial La Coloma“ in der westkubanischen Provinz Pinar del Río angerichtet. Die Anlage gilt als wichtigste Fischerei- und Exportfabrik des Landes und verarbeitet fast die Hälfte der in Kuba gefangenen Langusten. Der Brand, der kurz nach Mitternacht ausbrach, konnte erst nach rund sechs Stunden unter Kontrolle gebracht werden. Menschen kamen nicht zu Schaden, doch die wirtschaftlichen Verluste gelten als beträchtlich.
Nach Angaben des örtlichen Radiosenders Radio Guamá breitete sich das Feuer rasch aus, da sich in der betroffenen Halle leicht entzündliche Materialien befanden. Feuerwehr und Zivilschutzkräfte kämpften stundenlang gegen die Flammen, während aus Teilen der zerstörten Anlage noch Rauch aufstieg. Wie der Leiter des Feuerwehrkorps von Pinar del Río, José Enrique Iglesias Hernández, erklärte, handelte es sich um einen Brand „mittlerer Größenordnung“, der jedoch das industrielle Kerngebiet der Fabrik schwer getroffen habe. Die genaue Schadenssumme wird noch ermittelt. Zentrum der kubanischen Fischindustrie La Coloma ist die mit Abstand bedeutendste Anlage der kubanischen Fischwirtschaft. Nach offiziellen Angaben verarbeitet sie rund 45 Prozent der nationalen Langustenfänge und etwa 80 Prozent des Bonitos, eines Thunfischverwandten. Ihre Produkte sind vor allem für den Export nach Asien und Europa bestimmt und tragen jährlich Millionenbeträge zur Devisenbeschaffung des Landes bei. Im Moment des Brandes war die Produktion nicht im Betrieb. Dennoch befanden sich nach Angaben von Unternehmensdirektor Yordan Nogueira Tapia rund 1300 Kilogramm Langusten in der Anlage, die auf ihre Verpackung warteten. Nogueira betonte gegenüber der Presse, dass keine Gefahr durch Ammoniak bestehe, ein in den Kühlanlagen eingesetztes Gas, das bei einem Austritt die öffentliche Gesundheit gefährden könnte. Die Flammen zerstörten laut dem Bericht der Parteizeitung Granma zentrale Teile der hochmodernen Produktionslinie, darunter Maschinen „neuester Generation“, die den hohen Exportstandards entsprechen sollten. Besonders betroffen sei der Bereich des Vor-Kochens, wo die Qualität der Ware festgelegt wird. Dort befanden sich mehrere automatische Verpackungsmaschinen und Hitze-Tunnel, die als einzigartig im Land galten. Schwerer Schlag für Wirtschaft und Region Die stellvertretende Ministerin der Lebensmittelindustrie, Miladys Naranjo Blanco, bezeichnete den Brand als „sehr schweren Schlag“ für die kubanische Wirtschaft. La Coloma sei nicht nur die wichtigste Exportfabrik des Landes, sondern auch die zentrale Einkommensquelle für die Bevölkerung des gleichnamigen Küstenortes. Dutzende Familien hängen direkt oder indirekt von der Fischverarbeitung ab. Um die Auswirkungen auf die Exportkette zu begrenzen, sollen laut Naranjo Blanco die Betriebe in Batabanó (Provinz Mayabeque) und auf der Isla de la Juventud vorübergehend Teile der Verarbeitung übernehmen. Diese beiden Fabriken hätten bereits in früheren Krisen, etwa nach Hurrikanschäden, Produktionsaufgaben von La Coloma übernommen. Ursache des Feuers unklar Die Behörden haben Ermittlungen zur Brandursache eingeleitet. Hinweise auf Sabotage oder Fahrlässigkeit liegen bislang nicht vor. Ein Teil des Areals steht weiterhin unter Beobachtung, da sich noch Glutnester in den Trümmern befinden. Nach ersten Einschätzungen dürfte die Wiederinbetriebnahme der Anlage mehrere Monate dauern. Der Schaden trifft Kuba in einer angespannten wirtschaftlichen Lage: Die Fischereiindustrie gehört zu den wenigen Exportzweigen, die regelmäßig Devisen einbringen. Ein längerer Produktionsausfall in La Coloma könnte daher nicht nur regionale, sondern auch landesweite Folgen haben. Während die Aufräumarbeiten beginnen, ist die Bevölkerung des Ortes noch immer von den Ereignissen erschüttert. „Das ist sehr traurig“, sagte ein Arbeiter gegenüber Granma. „Wir haben hier unser ganzes Leben verbracht – und jetzt ist alles verbrannt.“
Quelle: Granma (https://t1p.de/ixv8v)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed