Neues aus Kuba
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Ausgelöst durch den Ausfall einer zentralen Übertragungsleitung erlebt Kuba erneut einen massiven Stromausfall, der mehrere westliche Provinzen aber auch die Hauptstadt lahmlegte. Während die Behörden schrittweise Teile des Netzes wiederherstellen, bleibt die Versorgungslage prekär. Millionen Menschen müssen weiterhin mit langen, täglichen Stromunterbrechungen rechnen.
04.12.2025 07:45 Uhr
Abbildung: Symbolbild von Denny Rodriguez auf Unsplash
Ein erneuter großflächiger Stromausfall hat am Mittwoch große Teile Westkubas lahmgelegt und die chronische Energiekrise des Landes erneut offengelegt. Gegen 5 Uhr morgens fiel eine zentrale Übertragungsleitung zwischen dem größten Kraftwerk der Insel in Matanzas und Havanna aus. Nach Angaben des Energieministeriums führte die Störung zu einer Kaskade technischer Ausfälle: Überlastungen zwangen Kraftwerksblöcke in Mariel, Santa Cruz, Cienfuegos und Felton automatisiert vom Netz, ganze Provinzen von Pinar del Río bis Mayabeque versanken in Dunkelheit.
In Havanna herrschte vor Sonnenaufgang nahezu völlige Finsternis. Nur Krankenhäuser und wenige Hotels liefen mit Notstromaggregaten. Ampeln blieben aus, Mobilfunkverbindungen brachen stellenweise zusammen, Straßen lagen verkehrstechnisch brach. Schüler wurden aus Schulen heimgeschickt, kleine Geschäfte schlossen – oder arbeiteten mit Generatoren weiter. Erst im Verlauf des Nachmittags gelang es den Behörden, rund die Hälfte der Hauptstadt wieder ans Netz anzuschließen. Laut staatlichem Versorger UNE waren zu diesem Zeitpunkt 24 Umspannwerke und 144 Verteilungskreise wiederhergestellt, 435.625 Kunden erhielten wieder Strom. Während die vier betroffenen westlichen Provinzen innerhalb weniger Stunden zumindest notdürftig wieder ans Netz angebunden wurden, blieb die Lage instabil. Am Nachmittag fiel das Kraftwerk Felton erneut aus, wodurch sich das Defizit in den abendlichen Spitzenlastzeiten weiter verschärfen dürfte. Der Block werde 24 bis 36 Stunden außer Betrieb bleiben, hieß es. Schon in den Tagen zuvor war die Lage kritisch gewesen: Am Montag erreichte das Erzeugungsdefizit 2.105 Megawatt – ein Negativrekord. Die Ursachen der Krise sind seit Jahren bekannt: Kubas alternde, überwiegend ölbefeuerte Kraftwerke sind marode, wartungsbedürftig und durch jahrelange Unterinvestition geschwächt. Wiederholte Ausfälle prägen das Bild – landesweite Blackouts im September, Teilausfälle im Oktober, regionale Unterbrechungen nach Hurrikan Melissa. Die Stromerzeugung aus Solaranlagen, die die Regierung als strategische Ergänzung ausgebaut hat, bleibt weit hinter den Anforderungen zurück: 33 Solarparks lieferten zuletzt maximal 448 Megawatt – zu wenig, um die Ausfälle der thermischen Kraftwerke zu kompensieren. Verstärkt wird die Krise durch eine massive Brennstoffknappheit. Rohöl- und Kraftstoffimporte sind in den ersten zehn Monaten des Jahres um mehr als ein Drittel zurückgegangen, da die wichtigsten Partnerländer – allen voran Venezuela und Mexiko – ihre Lieferungen deutlich reduzierten. Auch Russland liefert weniger. Die Regierung verweist zusätzlich auf die Auswirkungen verschärfter US-Sanktionen, die den Ankauf von Treibstoffen erschweren und Reedereien abschrecken. Die wirtschaftliche Gesamtlage bleibt angespannt; viele Kubaner berichten von anhaltenden Versorgungsproblemen, auch bei Wasser und Lebensmitteln, die durch die Stromausfälle verschärft werden. Selbst Havanna, das lange vor den schlimmsten Auswirkungen geschützt war, erlebt inzwischen regelmäßige Abschaltungen von zehn Stunden oder mehr. Landesweit sind Stromunterbrechungen von über 20 Stunden keine Seltenheit. Die UNE meldete in dieser Woche 102 verteilte Generatoranlagen außer Betrieb – meist wegen fehlenden Treibstoffs – und weitere Ausfälle aufgrund mangelnder Schmierstoffe. Die Behörden versprechen eine schrittweise Stabilisierung, doch Energieexperten sehen wenig kurzfristige Entlastung. Die Reparaturen an Übertragungsleitungen und Kraftwerksblöcken laufen, aber das strukturelle Problem bleibt bestehen: Die verfügbare Erzeugungsleistung deckt derzeit nur rund ein Drittel der Nachfrage. Trotz punktueller Fortschritte bleibt das kubanische Stromnetz damit in einem Zustand permanenter Überlastung – und Millionen Menschen müssen sich auf weitere Tage und Nächte im Dunkeln einstellen.
Quelle: REUTERS (https://t1p.de/kortc)
Autor: Leon Latozke
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