Neues aus Kuba
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Die NGO Prisoners Defenders erhebt schwere Vorwürfe gegen Habanos S.A.: Der weltweite Monopolist für kubanische Zigarren soll Gefangene unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigen. Laut PD werden Inhaftierte teilweise zur Arbeit gezwungen, verbunden mit Haftvergünstigungen.
05.10.2025 08:55 Uhr
Die international tätige NGO Prisoners Defenders (PD) hat schwere Vorwürfe gegen Tabakfirma Habanos S.A. erhoben. Laut einem Bericht der Organisation beschäftigt das Unternehmen Gefangene auf Kuba zur Herstellung von Zigarren für den Export – und zwar unter Bedingungen, die PD als „Zwangsarbeit“ einstuft. Habanos, das weltweite Monopol für kubanische Zigarren innehat, habe diese Praxis in einer Stellungnahme an das Fachportal Halfwheel bestätigt, nachdem ausländische Anteilseigner eine Erklärung zu den Vorwürfen verlangt hatten.
Habanos S.A. ist ein 1994 gegründetes kubanisches Unternehmen, das die Herstellung, Promotion, Distribution und den Export von Premium-Zigarren und anderen Tabakprodukten für Kuba weltweit kontrolliert. Das Eigentum ist zu gleichen Teilen zwischen dem staatlichen kubanischen Unternehmen Cubatabaco und dem privatwirtschaftlich geführten, in Spanien ansässigen Tabakriesen Altadis aufgeteilt. Konkret erklärte Habanos S.A., dass das Arbeitsprogramm Teil eines Trainingsplans für Gefangene sei. Die Beteiligung an der Zigarreproduktion sei freiwillig, die Inhaftierten erhielten angeblich „Anreize und Haftvergünstigungen“. Die staatliche Tabacuba, die Produktion und Handel der kubanischen Tabake kontrolliert, lieferte die Informationen, auf die sich Habanos bezog. PD widerspricht dieser Darstellung entschieden. Die NGO argumentiert, dass es illegal sei, Arbeit an Haftvergünstigungen zu koppeln, und bezeichnet das System als ausbeuterisch. In ihrem Bericht von September 2025 schätzt die Organisation, dass über 60.000 Gefangene auf Kuba als Zwangsarbeiter für die Produktion von Kohle, Tabak und Zuckerrohr eingesetzt werden, die vor allem nach Europa exportiert werden. Das Programm betreffe demnach auch politisch Inhaftierte. Die Vorwürfe stützen sich auf umfangreiche Recherchen: 53 ehemalige Häftlinge wurden standardisiert befragt, zusätzlich wurden rund 60 weitere Interviews sowie externe Dokumente geprüft. Die Aussagen der Ex-Häftlinge legen nahe, dass die Teilnahme an der Zigarrenproduktion Einfluss auf Besuchsrechte und Telefonate hat. Verweigern Insassen die Arbeit, droht ihnen laut PD eine Verschärfung der Haftbedingungen, bis hin zu Unterbringung in Hochsicherheitsgefängnissen. Die Enthüllungen werfen ein kritisches Licht auf die international erfolgreiche Marke Habanos, deren Produkte vor allem auf europäischen Märkten als Luxusartikel gehandelt werden. Menschenrechtsorganisationen fordern inzwischen ein sofortiges Ende der Zwangsarbeit in den kubanischen Gefängnissen sowie eine transparente Überprüfung der Lieferketten. Die kubanische Regierung reagiert bislang zurückhaltend auf die Vorwürfe. Offizielle Stellen betonen, dass Arbeit in Gefängnissen Teil eines „beruflichen Ausbildungsprogramms“ sei, während NGOs wie PD dies als moderne Form von Zwangsarbeit klassifizieren. Die Debatte um die Produktion kubanischer Zigarren im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Bedeutung und Menschenrechten dürfte damit weiter anhalten.
Quelle: PD (PDF: https://t1p.de/7e2s6)
Autor: Leon Latozke
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