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29.08.2026 09:00 Uhr
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Eimer, Tanklastwagen, leere Leitungen: In sechs Bezirken Havannas fiel das Wasser aus. Der Präsident verspricht schnelle Lösungen, die Pumpen aber laufen nur, wenn der Strom es zulässt.
Abbildung: Sechs Bezirke trocken - Havarie im Wassernetz von Havanna. Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hat die Wasserversorgung der Hauptstadt zur Chefsache erklärt. Am Donnerstag (27.) besuchte er gemeinsam mit Mitgliedern des Ministerrats die Wassergewinnungsanlage Paso Seco, eine der strategischen Quellen für Havanna. Die Präsidialverwaltung meldete anschließend über soziale Netzwerke, Díaz-Canel habe verlangt, das Versorgungsproblem in kürzestmöglicher Zeit zu lösen — auch unter den Bedingungen anhaltender Stromausfälle. Es handele sich um eines der kritischsten Themen einer Stadt mit fast zwei Millionen Einwohnern.
In Paso Seco konzentrieren sich die Arbeiten derzeit auf die Instandsetzung und Wartung von Pumpenmotoren. Das ist ausdrücklich ein Provisorium: Mittelfristig sollen die Pumppunkte mit Solarpaneelen betrieben werden. Wenn der Strom fehlt, stehen die Pumpen
Havannas Wassernetz hängt am Stromnetz, und das liefert in der Hauptstadt inzwischen an manchen Tagen weniger als vier Stunden. Der Schaden entsteht dabei weniger im Stillstand als im Wiederanlauf: Läuft eine Leitung leer, zieht sie Luft; kommt der Strom zurück, treffen die Druckstöße auf Rohre, die seit Jahrzehnten ohne nennenswerte Investition liegen. Jeder Neustart produziert so die nächste Havarie. Wo mit niedrigem Druck nachgepumpt wird, reicht die Kraft ohnehin nicht bis in die oberen Stockwerke — die Dachtanks, aus denen die Haushalte letzt endlich versorgt werden, bleiben leer, auch wenn unten Wasser ankommt.
Sechs Stadtbezirke ohne Versorgung
Wie fragil das System ist, zeigte sich am 20. August. Der staatliche Versorger Aguas de La Habana meldete eine „komplexe Havarie in der hydraulischen Infrastruktur": ein Bruch in einer Leitung von 78 Zoll Durchmesser sowie drei große Lecks an der Anlage Cuenca Sur. Die Hauptzuleitung zum sogenannten Sistema Central musste im Notbetrieb abgestellt werden. Betroffen waren sechs Stadtbezirke — Plaza de la Revolución, Diez de Octubre, Cerro, Centro Habana, Habana Vieja und Teile von Boyeros —, also rund die Hälfte der Hauptstadt. Nahezu zeitgleich meldete das Unternehmen weitere Brüche an einer 800-Millimeter-Leitung am Tank von Alamar und an einer 36-Zoll-Leitung der Anlage Ariguanabo. Die Brigaden arbeiten an den kritischsten Punkten — Manresa, Espina de Pescado und den Brunnen 9 und 12. Einen Termin für die vollständige Wiederherstellung hat Aguas de La Habana bis heute nicht genannt.
Es ist nicht der erste Ausfall dieser Leitung, und die Reparaturgeschichte erklärt, warum es nicht der letzte sein dürfte. Im September 2025 tauschte das Unternehmen 250 Meter des 78-Zoll-Strangs aus — beim Wiederanfahren brach ein weiterer, flussaufwärts gelegener Abschnitt, der ebenfalls stark geschwächt war. Absehbar sei das gewesen, räumte Aguas de La Habana ein; eine gründliche Inspektion des Brunnenfelds hätte jedoch die Abschaltung des gesamten Systems erfordert und damit noch mehr Menschen getroffen. Man habe sich deshalb entschieden, weiterzureparieren. Im Dezember 2025 fiel dieselbe Leitung erneut aus. Das ist die eigentliche Mechanik der Krise: Instandsetzung ist nur im laufenden Betrieb möglich, und der laufende Betrieb produziert den nächsten Bruch. 2,7 Millionen Betroffene — und die offizielle Lesart
Bereits im Mai hatte der Präsident des Nationalen Instituts für Wasserressourcen (INRH), Antonio Rodríguez, im Staatsfernsehen erklärt, rund 2,7 Millionen Kubanerinnen und Kubaner litten unter verschärften Versorgungsproblemen. Als Ursache nannte er die „energetische Blockade" und jüngste Dekrete der US-Regierung: Der fehlende Zugang zu Finanzierungen und der Rückzug von Lieferanten hätten den Wassersektor besonders hart getroffen. Der Sektor müsse deshalb den Umbau der Energiematrix beschleunigen; angestrebt wird, 52 Prozent der landesweit 3.300 Pumpstationen mit erneuerbaren Energien zu betreiben.
Die staatliche Erklärung greift einen realen Faktor auf: US-Sanktionen erschweren Kredite, Ersatzteilkäufe und Lieferantenbeziehungen nachweislich. Sie erklärt aber nicht den Zustand eines Leitungsnetzes, dessen Verfall lange vor den jüngsten Dekreten begann und das seit Jahrzehnten unterfinanziert instand gehalten wird. Wie sehr das den Alltag prägt, zeigt eine 2026 von Cubadata für DIARIO DE CUBA durchgeführte Umfrage unter 1.807 Personen: 18 Prozent der Befragten fehlt täglich Wasser, 28,6 Prozent mehrmals pro Woche; nur 9,3 Prozent gaben an, keine Versorgungsprobleme zu haben.
Auch die angekündigte Solarlösung ist zweischneidig. Technisch entkoppelt sie die Pumpen vom kollabierenden Stromnetz — finanziell setzt sie genau jene Devisen voraus, deren Fehlen die Regierung als Kern des Problems benennt. Der Besuch in Paso Seco war insofern vor allem eines: die Bestätigung, dass Havanna sein Wasser derzeit mit reparierten Motoren und Tanklastwagen organisiert.
Quellen: EFE, Infobae, 14ymedio, Diario de Cuba, Martí Noticias, Cuba Noticias 360, Granma, Cibercuba, Aguas de La Habana
Autor: Leon Latozke
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