Neues aus Kuba
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Havanna bekräftigt, dass es „der Drohung“ der USA nicht nachgeben werde und das Land verteidigen werde. Außenminister Bruno Rodríguez betonte Kubas Anspruch auf Souveränität und verweist auf die enge Solidarität mit Caracas. Gleichzeitig ordnen die Vereinigten Staaten ihre Militärpräsenz in der Karibik neu – ein Signal, das auf der Insel aufmerksam registriert wird.
10.01.2026 06:30 Uhr
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Die kubanische Regierung versicherte am Freitag (9.), dass man das Land verteidigen werde nachdem Washington nach den Militärangriffen in Venezuela Erklärungen zur Insel abgegeben hatte. Außenminister Bruno Rodríguez erklärte, Kuba werde sich weder politisch noch wirtschaftlich unter Druck setzen lassen. „Wir werden das Land nicht verkaufen und nicht vor Drohungen und Erpressung der Vereinigten Staaten kapitulieren“, sagte Rodríguez am Rande eines Gedenkakts in Caracas für die Opfer der US-Angriffe.
Nach kubanischen Angaben verloren bei dem Angriff 32 kubanische Militär- und Geheimdienstangehörige ihr Leben. Venezolanische Behörden berichten von rund 100 Toten, darunter auch Zivilisten. Für Havanna bestätigen die Ereignisse die aus kubanischer Sicht langjährige Einmischungspolitik der Vereinigten Staaten. Rodríguez betonte das „unveräußerliche Recht“ Kubas, seinen politischen Kurs selbst zu bestimmen. Präsident Miguel Díaz-Canel unterstrich bei einer Kundgebung in Havanna die Solidarität mit Venezuela und bezeichnete beide Länder als Teil eines antiimperialistischen Projekts in Lateinamerika. Die politische Nähe zu Caracas hat auch wirtschaftliche Bedeutung. Venezuela lieferte über Jahre hinweg vergünstigtes Erdöl, während Kuba Fachkräfte wie Ärzte, Lehrer, Militärberater sowie Sicherheits- und Geheimdienstpersonal entsandte. Die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro und die unklare politische Zukunft Venezuelas werfen Fragen nach der Energieversorgung Kubas auf, das bereits unter chronischem Treibstoffmangel leidet. Der Besuch von Außenminister Rodríguez in Caracas, der erste hochrangige Kontakt zu Delcy Rodríguez, der nach Maduros Festnahme eingesetzten Übergangspräsidentin, diente nicht nur der politischen Unterstützung, sondern auch der Absicherung zentraler wirtschaftlicher Interessen. Parallel zur diplomatischen Krise hat die US-Militärführung ihre Präsenz in der Karibik neu organisiert. Zwei amphibische Landungsschiffe, die USS Iwo Jima und die USS San Antonio, wurden nördlich von Kuba verlegt. Offiziell dient dies der Reduzierung des Truppenkontingents nach Abschluss der Operation in Venezuela sowie der Bekämpfung des Drogenhandels. Havanna wertet die Maßnahme als strategische Machtdemonstration. Die Zahl der US-Soldaten in der Region beträgt nun etwa 12.000. US-Präsident Donald Trump erklärte in einem Interview mit dem konservativen Kommentator Hugh Hewitt, Washington habe nahezu alle verfügbaren Druckmittel gegen Kuba ausgeschöpft. Eine Seeblockade schloss er aus, betonte jedoch, dass nur eine militärische Intervention über die derzeitigen Maßnahmen hinausgehen würde: "Ich glaube nicht, dass man viel mehr Druck ausüben kann, außer man marschiert ein und legt den Ort in Schutt und Asche." Er bezeichnete Kuba als „am seidenen Faden hängend“ und verwies auf die Zerstörung der lebenswichtigen Beziehungen zwischen Havanna und Caracas. Die wirtschaftliche Allianz, die unter Fidel Castro und Hugo Chávez entstand, hatte das kubanische Gesundheitssystem und andere staatliche Dienste über Jahre hinweg mit Energie versorgt. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 wurden die Sanktionen gegen Kuba deutlich verschärft. Das Land wurde erneut auf die Liste der Staaten gesetzt, die angeblich Terrorismus unterstützen, frühere Lockerungen unter Präsident Joe Biden rückgängig gemacht und neue Sanktionen verhängt. Damit wird ein ohnehin unter chronischem Treibstoffmangel leidendes Land zusätzlich belastet. Trotz des erhöhten Drucks betont die kubanische Führung ihre Standhaftigkeit. Das medizinische Personal in Venezuela bleibt einsatzbereit, während Rücktransporte nach Beendigung der Mission und Freigabe des Luftraums wieder aufgenommen werden. Havanna signalisiert, seinen politischen Kurs unabhängig verteidigen und zentrale wirtschaftliche Interessen sichern zu wollen. Die Entwicklungen verdeutlichen, dass Kuba in einer Phase regionaler und internationaler Unsicherheit agiert. Die Kombination aus US-Druck, wirtschaftlichen Herausforderungen und strategischer Abhängigkeit von Venezuela macht die kommenden Monate für die Insel politisch und ökonomisch besonders kritisch. Eine kurzfristige Entspannung der Beziehungen zu Washington ist derzeit nicht absehbar.
Dieser Artikel wurde zuerst auf Mundus Novus 24 veröffentlicht
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