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In Havanna ist erneut ein Wohngebäude eingestürzt. Bei dem Unfall in der Altstadt kamen eine 64-jährige Frau und ihr 38-jähriger Sohn ums Leben. Der Einsturz reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein und verweist auf die anhaltend schwierige Wohnsituation in der kubanischen Hauptstadt, wo jährlich zahlreiche Gebäude zumindest teilweise kollabieren.
Abbildung: Einige Anwohner wurden durch den Lärm geweckt und versuchten noch vor Eintreffen der Feuerwehr, Trümmer zu beseitigen. Lazaro Manuel Alonso/facebook
In der Altstadt von Havanna ist in der Nacht zum Sonntag erneut ein Wohngebäude teilweise eingestürzt. Bei dem Unfall in der Straße Compostela im Havannas Altstadt kamen eine 64-jährige Frau und ihr 38-jähriger Sohn ums Leben. Der Einsturz ereignete sich gegen 2:15 Uhr und fiel ausgerechnet auf den 506. Jahrestag der Gründung der kubanischen Hauptstadt. Die Behörden bestätigten am Sonntagmittag den Vorfall und sprachen von einem „kritischen baulichen Zustand“, der seit Jahren bekannt gewesen sei.
Nach Angaben von Anwohnern gab es keinerlei Vorzeichen, bevor der zweite Stock des dreigeschossigen Hauses plötzlich nachgab. Der laute Aufprall habe zahlreiche Menschen im Viertel geweckt. Erste Helfer aus der Nachbarschaft begannen noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr damit, Trümmerteile beiseitezuschaffen. Rettungskräfte, Polizei und medizinisches Personal waren bis in die Morgenstunden im Einsatz. Das Gebäude, ein Wohnhaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, war laut einer vorhandenen technischen Bewertung bereits seit Längerem als „reparaturbedürftig“ eingestuft worden und benötigte „sofortige Maßnahmen“. Mehrere Familien lebten weiterhin in dem Haus, darunter eine Mutter mit vier Kindern und ältere Bewohner ohne alternative Unterkunftsmöglichkeiten. Gängige Berichte über marode Baustrukturen, Feuchtigkeit und sichtbare Risse bestätigten das Bild eines lange vernachlässigten Gebäudes. Der aktuelle Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein. Ende September war ein Anwohner in der nahegelegenen Straße Sol bei einem Teileinsturz ums Leben gekommen. Im Juli hatte es mehrere Todesopfer bei zwei Gebäudekollapsen in Havanna gegeben. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass in der Hauptstadt jährlich rund 1.000 Wohnhäuser teilweise oder vollständig einstürzen – ein Hinweis auf das Ausmaß der strukturellen Probleme. Die bauliche Situation in Havanna gilt seit Jahren als eines der drängendsten sozialen Probleme des Landes. Eine offizielle Erhebung aus dem Jahr 2021 nennt 185.348 Wohngebäude mit erheblichem Sanierungsbedarf, davon fast 84.000 mit reparaturbedürftigen, weitere 46.000 mit grundsanierungsbedürftigen Strukturen. Nach Regierungsangaben leben mehr als 43.000 Menschen in staatlichen Notunterkünften, weil ihre früheren Wohnungen unbewohnbar geworden sind. Der landesweite Wohnungsdefizit wird auf rund 800.000 Einheiten geschätzt. Ursachen für den baulichen Verfall sind vielfältig: jahrzehntelange Unterfinanzierung, Materialknappheit, Wartungsstaus, Auswirkungen der feuchten Meeresluft und die Überbelegung vieler Gebäude. Hinzu kommt eine chronisch angespannte Versorgungslage im Bausektor, die Reparaturen nicht nur teuer, sondern oft schlicht unmöglich macht. Private Initiativen scheitern häufig an fehlenden Ressourcen oder an administrativen Hürden. Während staatliche Stellen sichtbare Fortschritte bei der Sanierung touristisch relevanter Gebiete betonen, zeigt sich in vielen Wohnvierteln ein gegenteiliges Bild. Dort verschärft sich der Verfall weiter, und Bewohner müssen mit teilweise akuten Risiken leben. Die Unterkünfte, die Betroffenen nach Einstürzen zur Verfügung stehen, gelten oft als überfüllt und wenig geeignet für längere Aufenthalte.
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Text: Leon Latozke
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