Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
![]()
Havanna kämpft gegen eine wachsende Müllkrise. Abfälle türmen sich auf Straßen und Gehwegen, ziehen Fliegen und Ratten an und gefährden die Gesundheit der Bevölkerung.
19.02.2026 08:50 Uhr
Bildquelle: Kuba im Ausnahmezustand: Treibstoffmangel stoppt Müllabfuhr von DIE ZEIT . Bild von YouTube, Rechte beim Uploadenden.
Die Straßen der kubanischen Hauptstadt sind zunehmend von Müllbergen übersät. Kartons, Plastiktüten, Flaschen und andere Abfälle häufen sich an Straßenecken, während die Bevölkerung nach verwertbaren Resten sucht und Verkehrsteilnehmer die Hindernisse umkurven müssen. Nach Angaben der Anwohner blieb die Müllabfuhr in zahlreichen Vierteln länger als zehn Tage aus. Der augenscheinliche Verfall der städtischen Hygiene ist eng mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage und den politischen Spannungen mit den USA verbunden.
Grund für die akute Verschlechterung ist vor allem der drastische Rückgang der Ölversorgung. Venezuela, traditionell der Hauptlieferant, stellte Mitte Dezember 2025 seine Lieferungen praktisch ein. Auch Mexiko stoppte unter US-Druck seine Lieferungen. Der US-Embargo seit 1960 wurde in den letzten Monaten verschärft: Sanktionen gegen Schiffe und Drohungen gegenüber Öl-Lieferanten sollen den Druck auf Kuba erhöhen. Die Folgen für die Bevölkerung sind sichtbar: Eingeschränkte Müllabfuhr, eingeschränkte Mobilität öffentlicher Fahrzeuge und zunehmende hygienische Risiken. UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte „große Besorgnis“ und betonte die Notwendigkeit humanitärer Unterstützung. Die Stadtverwaltung von Havanna kämpft seit Jahren mit strukturellen Problemen. Die Zahl der funktionierenden Müllfahrzeuge liegt bei lediglich 44 von 106, die technische Einsatzbereitschaft beträgt zwischen 37 und 44 Prozent. Hinzu kommen ineffiziente Fahrtrouten, verspätete Betankung, Personalengpässe und ein veraltetes Equipment. Besonders betroffen ist Centro Habana, wo Müllberge oft tagelang unbeachtet bleiben. Die Versorgung der Müllfahrzeuge mit Treibstoff bleibt ein limitierender Faktor: Ein Lkw schafft derzeit im Schnitt nur 3,1 Fahrten pro Tag statt der vorgesehenen fünf. Um die Krise zu bewältigen, hat die Regierung eine umfassende Strategie für die Abfallwirtschaft vorgelegt. Sie umfasst 49 Maßnahmen zur kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Verbesserung, darunter die Reorganisation der Routenplanung, Wiederherstellung von Fahrzeugen, Sicherstellung der Finanzierung und Stärkung der kommunalen Dienste. Der Import von rund 15.000 neuen Containern soll die Versorgungslücke schließen. Auch die Beteiligung nichtstaatlicher Akteure wird gefördert, um die Abfälle von Unternehmen systematisch zu sammeln und zu recyceln. Recycling wird als Schlüssel zur Minderung der Müllberge betrachtet. Rund 35.000 nichtstaatliche Akteure haben bereits Verträge mit der Empresa de Recuperación de Materias Primas, der zentralen Abfallaufbereitungsstelle, abgeschlossen. Programme wie „Reciclo mi barrio“ motivieren die Bevölkerung, wiederverwertbare Materialien zu trennen und einzusammeln. Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Umsetzung eine Herausforderung: Fehlende Kontrolle, mangelnde Disziplin, unzureichende Löhne und eine noch nicht voll entwickelte Recyclingkultur hemmen die Effizienz.
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |