Neues aus Kuba
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22.06.2026 07:00 Uhr
Der Euro hat im kubanischen Schwarzmarkt erstmals die 800-CUP-Marke überschritten, der Dollar notiert bei 695 CUP - trotz neuer Reformversprechen der Regierung.
Am vergangenen Sonntag (21.) notierte der Euro auf Kubas informellen Markt erstmals bei 800 kubanischen Pesos (CUP), der US-Dollar bei 695 CUP. Die frei konvertierbare Währung MLC lag bei 510 CUP. Diese Werte sind keine bloßen Statistiken – sie spiegeln den Alltag von Millionen Kubanern wider, die für Grundversorgung und Importwaren auf Devisen angewiesen sind.
Die Kursentwicklung im Juni 2026 ist bemerkenswert in ihrer Geschwindigkeit. Der Dollar startete am 1. Juni bei 585 CUP und legte in drei Wochen um mehr als 18 Prozent zu – ein Anstieg von 110 Pesos. Noch deutlicher trifft es den Euro: Von 645 CUP zu Monatsbeginn auf 800 CUP am 21. Juni bedeutet einen Zuwachs von 155 Pesos oder über 23 Prozent. Reformankündigung verpufft Besonders aufschlussreich ist die Reaktion des Marktes auf die größte wirtschaftspolitische Ankündigung seit Jahren: Am 19. Juni präsentierte Ministerpräsident Manuel Marrero Cruz vor der Nationalversammlung ein Paket mit 176 Wirtschaftsmaßnahmen – darunter private Banken, private Wechselstuben und Devisenauktionen. Das ambitionierteste Reformprogramm seit der Sonderperiode der 1990er-Jahre hätte eigentlich Vertrauen signalisieren sollen. Stattdessen antwortete der informelle Markt mit weiteren Kursanstiegen. Das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Ankündigungen ist offenbar aufgebraucht. Schere zwischen Staat und Wirklichkeit Die Diskrepanz zwischen offiziellen und informellen Kursen ist gravierend. Die staatliche Wechselstuben CADECA geben den Dollar mit 565 CUP an, den Euro mit 647 CUP, können in der Regel aber nicht liefern. Wer Dollar kaufen will, muss auf dem Schwarzmarkt über 120 Pesos mehr bezahlen, als staatlich festgelegt. Selbst Staatspräsident Miguel Díaz-Canel räumte vor der Nationalversammlung ein, dass „es Hindernisse gibt, die weder von außen noch vom Embargo kommen" – eine ungewöhnlich offene Eingeständnis struktureller Eigenverantwortung. Experten analysieren die Lage nüchtern: Das Haushaltsdefizit übersteigt 12 Prozent des BIP, und in absehbarer Zeit sind keine nennenswerten Devisenzuflüsse zu erwarten. Solange der Bedarf nach Fremdwährungen ungedeckt bleibt, wird die Nachfrage den Kurs weiter treiben – ungeachtet aller Reformversprechen. Sechs Jahre, 95 Prozent verloren Ein historischer Vergleich verdeutlicht das Ausmaß des Währungsverfalls: 2020 war der Dollar noch für etwa 42 CUP zu haben. Heute kostet er 695 CUP. In sechs Jahren hat der kubanische Peso mehr als 95 Prozent seines Wertes eingebüßt. Auch der Euro hat allein seit Oktober 2025 – als 500 CUP noch als historischer Rekord galten – um weitere 300 Pesos zugelegt.
Quelle: elTOQUE (https://t1p.de/deuk5)
Autor: Leon Latozke
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