Neues aus Kuba
Hohe Gewinne und Corona-Gelder: So verdient der kubanische Staat am Tabakgeschäft in der Schweiz mit12/4/2026 Die kubanische Regierung profitiert in erheblichem Maße vom Schweizer Zigarrenhandel. Finanzberichte belegen Gewinne von über 50 Millionen Franken in fünf Jahren für die staatlich mitbeteiligte Intertabak AG. Sogar Schweizer Corona-Hilfen gelangten so indirekt nach Havanna. Abbildung: Symbolbild Cigars at Guantanamo von Seth Leigh, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons In der verschwiegenen Welt der Luxuszigarren hat ein investigativer Bericht der NZZ am Sonntag erstmals detaillierte Finanzeinblicke in ein lukratives Geschäft geliefert, von dem das von einer tiefen Krise geschüttelte kubanische Regime maßgeblich profitiert. Wie die Zeitung in ihrer Ausgabe vom 12. April unter Berufung auf exklusive Dokumente berichtet, fließen aus dem Import kubanischer Zigarren in die Schweiz jährlich Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe nach Kuba – und ein erheblicher Teil dieses Geldes landet direkt in den Kassen des Einparteienstaates. Besonders brisant: Sogar Schweizer Corona-Steuergelder für Kurzarbeiterentschädigungen haben auf diesem Weg mindestens indirekt ihren Weg nach Havanna gefunden. Laut dem Bericht ist der gesamte Import kubanischer Zigarren in die Schweiz durch die Firma Intertabak AG mit Sitz in Pratteln im Kanton Baselland monopolisiert. Diese Firma, ein Joint Venture zwischen dem kubanischen Staatskonzern Habanos (50 Prozent) und den Schweizer Familienunternehmen Villiger und Lévy (je 25 Prozent), erzielte im Jahr 2024 einen Gewinn nach Steuern von über 20 Millionen Franken – bei nur 21 Mitarbeitenden. Über einen Fünfjahreszeitraum summierten sich die Gewinne demnach auf mehr als 50 Millionen Franken. Diese Zahlen stammen aus den Geschäftsberichten der kubanischen Exportorganisation Altabana, die die Gewinne pro Land ausweist. „Die Schweiz ist neben Asien einer der wichtigsten Absatzmärkte für kubanische Zigarren weltweit – und damit eine zentrale Einnahmequelle für Havanna“, fasst die NZZ am Sonntag die Bedeutung zusammen. Die Kooperation, die auf eine Initiative des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro zurückgehe, der die begehrten Deviseneinnahmen stärker kontrollieren wollte, besteht seit den späten 1980er Jahren. Der binationale Verwaltungsrat halte seine Sitzungen mal in Pratteln, mal in einem Hotel in Madrid ab, so der Bericht. Ein bemerkenswertes Detail findet sich im Geschäftsbericht für 2020: Damals erhielt Intertabak rund 30.000 Franken an staatlichen Corona-Entschädigungen für Kurzarbeit, wie die Firma bestätigt habe. Damit habe der kubanische Staat mindestens indirekt von Schweizer Steuergeld profitiert. Auf die Anfrage der Redaktion, ob das Schweizer Geschäftsgebaren direkt das kubanische Regime unterstütze – vor dem Hintergrund von willkürlichen Festnahmen und „gravierenden Defiziten bei Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit“, wie die EU feststelle –, antwortete Intertabak schriftlich: „Intertabak ist ein Unternehmen mit legaler Geschäftstätigkeit im Tabakhandel und hält sämtliche anwendbaren gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben ein. Unsere Tätigkeit ist ausschliesslich operativer Natur.“ Man habe „keinen Einblick“, wie die Erträge auf kubanischer Seite weitergeleitet würden. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Handelszweigs für Kuba sei angesichts des landesweiten Zusammenbruchs kaum zu überschätzen, zitiert die NZZ am Sonntag den Hamburger Politologen und Kuba-Experten Bert Hoffmann. „Der Tourismus, der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, ist in den vergangenen Monaten praktisch zusammengebrochen, seit die USA fast alle Öllieferungen an die Insel blockieren“, sagte Hoffmann. „Dies hat die schon zuvor schwierige Verslage dramatisch verschärft, so dass ein normaler Alltag auf Kuba kaum noch möglich ist.“ Vor diesem Hintergrund seien die Devisen aus dem Zigarrenexport nicht nur für den „Regimeerhalt“ wichtig. „Es geht auch um Strom in den Krankenhäusern, den Schulbetrieb oder Diesel für die Pumpen, die die Menschen mit Trinkwasser versorgen“, so Hoffmann. Die Verflechtungen reichen, wie der Bericht weiter ausführt, über die Schweiz hinaus. Über die in Süddeutschland gegründete Firma 5th Avenue Products Trading, ein weiteres Joint Venture zwischen dem kubanischen Staat und der Familie Villiger, werden Zigarren nach Deutschland, Österreich und Polen vertrieben. Auch dieses Unternehmen erziele hohe Gewinne, 2024 über 14 Millionen Euro. Gleichzeitig mehren sich laut der Untersuchung die Risiken für Unternehmen, die im Kuba-Geschäft tätig sind. Zwar sei Intertabak nicht direkt von US-Sanktionen betroffen, schreibe die Firma, man leide aber unter „indirekten Auswirkungen des US-Embargos im Zahlungsumfeld“, weil Banken Transaktionen verweigerten. Ein deutliches Warnsignal sei der überraschende Rücktritt der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Schweiz als Revisionsstelle der Intertabak AG Ende 2025 – nach über zwanzig Jahren und „mit sofortiger Wirkung“. Ob PwC das Geschäft mit kubanischer Beteiligung zu heikel geworden sei, dazu äußere sich das Unternehmen nicht. Intertabak spricht von einem „globalen Entscheid auf Ebene der PwC-Gruppe“ und verneint einen Zusammenhang mit der eigenen Tätigkeit. Hinzu kommen erhebliche Reputationsrisiken, auf die die NZZ am Sonntag hinweist. So war zeitweilig der asiatische Unternehmer Chen Zhi, der kürzlich wegen mutmaßlichen Milliardenbetrugs verhaftet wurde, über ein Firmengeflecht am staatlichen Habanos-Konzern beteiligt. Die Branche treibe zudem ein Bericht über Zwangsarbeit in der kubanischen Tabakproduktion um. Die Zeitung selbst hatte im Herbst 2025 über Vorwürfe einer NGO berichtet, wonach zehntausende Strafgefangene auf Kuba unter Zwang Zigarren rollen müssten. Der kubanische Staat habe damals erstmals einräumen müssen, dass Gefangene an der Produktion beteiligt seien. Der Bericht zeichnet das Bild eines hochprofitablen, aber zunehmend prekären Geschäfts, das für das kriselnde Regime in Havanna zu einem der letzten finanziellen Rettungsanker geworden ist. Während internationale Sammler und Händler auf dem „Festival del Habano“ – das diesen Februar aufgrund der Energiekrise abgesagt wurde – für limitierte Humidore Millionenbeträge zahlen, fließen aus dem strukturierten Vertrieb in Europa, mit der Schweiz als Drehscheibe, kontinuierlich dringend benötigte Devisen in den karibischem Inselsstaat. Die exklusiven Dokumente, so die NZZ am Sonntag, beleuchten damit, wie stark das Schweizer Handels- und Finanzsystem mit einem Regime verflochten ist, das international wegen systematischer Menschenrechtsverletzungen kritisiert wird. Quelle: NZZ (https://t1p.de/n91ih)
Autor: Leon Latozke
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