Neues aus Kuba
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27.02.2026 08:50 Uhr
Mehr als 100 kubanische Ärzte verlassen Honduras. Die Regierung kündigt Untersuchungen an, auch wegen möglicher Spionagevorwürfe. Havanna spricht von Verleumdung. Havanna weist dies entschieden zurück und spricht von einer gezielten Verleumdungskampagne.
Abbildung: Symbolbild (Bildquelle: No machine-readable author provided. Perrona assumed (based on copyright claims), Honduras, CC BY-SA 3.0)
Die Regierung von Honduras hat in dieser Woche das bilaterale Abkommen zur Entsendung kubanischer Mediziner beendet und damit eine 25 Jahre währende Phase enger gesundheitspolitischer Kooperation vorerst abgeschlossen. Der neue Präsident Nasry Asfura ließ mitteilen, es handle sich um eine außenpolitische Entscheidung. Parallel kündigten Vertreter seiner konservativen Partei eine Untersuchung der Brigade an – mit dem Ziel zu klären, ob es sich bei allen Entsandten tatsächlich um medizinisches Personal gehandelt habe.
Die Maßnahme betrifft mehr als hundert kubanische Fachkräfte, die in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen eines unter der früheren Präsidentin Xiomara Castro geschlossenen Vertrags tätig waren. Besonders im Fokus steht die augenärztliche Versorgung. Fünf spezialisierte Kliniken hatten kostenfreie Eingriffe für einkommensschwache Patienten angeboten. Die Einrichtungen sollen nach Angaben der Regierung nicht geschlossen, sondern künftig von honduranischen Ärzten betrieben werden. Der kubanische Botschafter in Tegucigalpa, Juan Loforte, reagierte mit scharfer Kritik. Er sprach am Freitag (27.) von einer „Kampagne der Verleumdung“ gegen eine „würdige und aufopferungsvolle“ Mission. In sozialen Netzwerken verwies er auf die Bilanz der vergangenen Jahrzehnte: Mehr als 30 Millionen Konsultationen, zehntausende chirurgische Eingriffe und rund 80.000 Augenoperationen seien durchgeführt worden. Zudem hätten 1.640 Honduraner ihr Medizinstudium kostenfrei an kubanischen Universitäten absolviert. Für Havanna ist dies Beleg einer nachhaltigen Partnerschaft mit struktureller Wirkung. Auslöser der politischen Eskalation sind Vorwürfe aus dem Umfeld der Regierungspartei. Die Vizepräsidentin des Nationalkongresses, Johana Bermúdez, erklärte öffentlich, man habe nie mit Sicherheit gewusst, ob es sich bei den Entsandten ausschließlich um Ärzte, Pflegekräfte oder möglicherweise auch um „Spione“ gehandelt habe. Solche Aussagen wertete Loforte als bewusste Diffamierung. Elektromedizinische Ingenieure seien zu „Elektrikern“, Fachärzte zu „Kommunikatoren“ umetikettiert worden. Die kubanische Seite sieht darin eine Strategie, die Legitimität der Mission grundsätzlich infrage zu stellen. Der innenpolitische Konflikt wird von geopolitischen Spannungen überlagert. Havanna macht ein „ungesundes Narrativ“ der Vereinigten Staaten verantwortlich. Tatsächlich hatte Washington in der Vergangenheit wiederholt Druck auf Regierungen ausgeübt, medizinische Kooperationsprogramme mit Kuba zu beenden. Im Juni vergangenen Jahres wurden Visa für honduranische Funktionäre im Zusammenhang mit dem Ärzteprogramm entzogen. Die US-Regierung wirft Kuba vor, seine Mediziner unter restriktiven Vertragsbedingungen ins Ausland zu entsenden und einen Großteil der Vergütungen einzubehalten. In Honduras selbst verweisen Kritiker auf finanzielle Aspekte. Nach Angaben der Ärztekammer habe der Staat pro entsandtem Arzt rund 2.000 Dollar monatlich an Kuba überwiesen sowie Unterkunft, Verpflegung und Transport gestellt. Zudem sei die ordnungsgemäße Akkreditierung nicht immer transparent gewesen. Die Regierung prüft nun, ob ausländische oder einheimische Ärzte unter Einhaltung der nationalen Regularien neu verpflichtet werden können. Gleichzeitig regt sich Widerstand gegen das Ende der Kooperation. Die Parlamentsfraktion der linken Partei Libre bekräftigte bei einem Treffen mit Botschafter Loforte ihre Dankbarkeit für die kubanische Unterstützung, die bis in die Zeit nach dem Hurrikan Fifi 1974 zurückreiche. Die Abgeordnete Nidia Castillo würdigte insbesondere das augenärztliche Programm, das tausenden Bedürftigen Operationen bei Katarakt und Pterygium ermöglicht habe. Eine Beendigung „aus politischen Gründen“ sei schmerzhaft für die Bevölkerung. Auch frühere Regierungsmitglieder wie Ricardo Salgado sprechen von ideologisch motivierter Polemik. Er sieht in den Vorwürfen gegen die Brigade den Versuch, eine souveräne bilaterale Beziehung zu diskreditieren, die vielen Menschen erstmals Zugang zu medizinischer Versorgung verschafft habe. Die kubanischen Ärzte bereiten unterdessen ihre Abreise vor. In San José de Colinas verabschiedeten sich Mediziner von Patienten mit den Worten, man habe gearbeitet, um zu helfen, und hoffe auf eine Rückkehr. Nach Angaben von Unterstützern wird ein Charterflug für Anfang März koordiniert. Der Fall Honduras reiht sich in eine Serie ähnlicher Entscheidungen in Guatemala, Antigua und Barbuda, Guyana sowie St. Vincent und die Grenadinen ein. Für Kuba ist der Export medizinischer Dienstleistungen sowohl außenpolitisches Instrument als auch ökonomische Einnahmequelle. Für die Partnerländer bedeutet die Kooperation häufig eine kurzfristige Entlastung überlasteter Gesundheitssysteme. Mit dem jetzigen Schritt wird dieses Modell erneut zum Gegenstand strategischer Auseinandersetzungen.
Quelle: Havanna Times (https://t1p.de/ec08u)
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