Neues aus Kuba
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Kuba reagiert auf die Devisenkrise: Erstmals übernimmt eine ausländische Hotelkette ein staatliches Haus. Havanna hofft auf dringend benötigte Einnahmen, doch die Maßnahme ist vor allem ein Eingeständnis, dass die bisherigen milliardenschweren Tourismusinvestitionen kaum Wirkung zeigten.
23.10.2025 08:00 Uhr
Von außen wirkt es wie eine Öffnung, in Wahrheit ist es wohl ein Hilferuf. Die Nachricht, dass Kuba erstmals ein staatliches Hotel direkt an eine ausländische Kette verpachtet, mag nach wirtschaftlicher Reform aussehen – doch sie ist vor allem ein Zeichen der Not. Der Vertrag mit Iberostar über das Origin Laguna Azul in Varadero markiert eine neue Stufe der Verzweiflung: Der Staat, der jahrzehntelang jeden privaten Einfluss misstrauisch blockierte, überlässt jetzt ausländischen Betreibern nicht nur seine Betten, sondern auch ein Stück seiner Souveränität über die eigene Wirtschaft.
Die Erklärung ist so simpel wie bitter. Kuba steckt in einer Liquiditätskrise, die jeden Bereich des Landes erfasst. Die Regierung hat ihre Kreditwürdigkeit verspielt, ihre Devisenreserven sind weitgehend erschöpft, und selbst traditionelle Partner wie Spanien oder China warten auf ausstehende Zahlungen. Über 300 spanische Unternehmen, meist kleine Importeure, klagen über unbezahlte Rechnungen von rund 350 Millionen Euro. Nun soll also der Tourismus – das einstige Vorzeigeprojekt des sozialistischen Kuba – wieder die Rettung bringen. Nur: Diese Lokomotive steht längst still. Die Investitionen der letzten Jahre, oft auf Pump und selbst während der Pandemie fortgesetzt, haben kaum etwas eingebracht. Statt der 4,7 Millionen Touristen von 2018 werden 2025 wohl kaum 1,8 Millionen auf die Insel kommen – der schlechteste Wert seit Jahrzehnten. Die Auslastung der Hotels liegt bei mageren 21 Prozent. Ganze Hotelketten stehen leer, während das Land unter Stromausfällen, Treibstoffmangel und Versorgungschaos leidet. Ökonomen wie Pedro Monreal sprechen von der „sechsten Katastrophensaison in Folge“ für den kubanischen Tourismus. Doch Havanna hält trotzig am alten Narrativ fest: Der Tourismus sei weiterhin die Lokomotive der Wirtschaft. Das erinnert an eine Regierung, die lieber die Dampfpfeife putzt, statt zu merken, dass der Kessel längst kalt ist. Nun also der Strategiewechsel: Statt die Hotels selbst zu betreiben, vermietet der Staat sie an internationale Ketten. Aus Devisenmangel wird Vermieterlogik – Havanna kassiert Pacht, die Ausländer übernehmen das Risiko. Die Verträge, so hört man, werden diskret und ohne öffentliche Ausschreibung abgeschlossen, zunächst in Varadero, Havanna und auf den nördlichen Inseln. Doch wie attraktiv ist ein solches Angebot wirklich? Wer Kuba kennt, weiß, dass der Hotelbetrieb dort nicht nur an kaputten Aufzügen oder leeren Buffets scheitert, sondern an tiefer liegenden Strukturen: an ineffizienter Verwaltung, mangelnder Energieversorgung, schlechter Logistik. Kein Investor kann mit Servicequalität glänzen, wenn die Lichter ausgehen oder Flugverbindungen gestrichen werden. Reiseleiter beschreiben das Land als Schock für Erstbesucher: kaputte Straßen, leere Regale, Menschen ohne Arbeit, Sicherheitsprobleme. Kaum einer komme ein zweites Mal. Wenn dies das Fundament des neuen Geschäftsmodells ist, dann basiert es weniger auf Hoffnung als auf Verdrängung. Natürlich ist der Schritt pragmatisch. Kuba braucht dringend Devisen, um Lebensmittel und Treibstoff zu importieren. Der Tourismus bleibt eine der wenigen Einnahmequellen, die überhaupt noch in Bewegung sind. Aber hinter dem Pragmatismus steckt auch ein Eingeständnis: Die Regierung hat ihre eigenen Versprechen nicht einlösen können. Sie hat Milliarden in Hotelbeton gesteckt, während die Landwirtschaft vernachlässigt wurde, die Stromnetze verfielen und die Bevölkerung verarmte. Die Pachtverträge sind daher weniger ein Zeichen wirtschaftlicher Öffnung als ein Versuch, Zeit zu kaufen. Kuba will überleben – und verkauft, was noch geblieben ist: die Kontrolle über seine letzten halbwegs funktionierenden Devisenmaschinen. Vielleicht fließt so kurzfristig wieder Geld ins Land. Aber langfristig wird das Vertrauen der Investoren kaum zurückkehren, solange das System selbst unverändert bleibt. Denn wer nur das Dach vermietet, ohne die Fundamente zu sanieren, riskiert, dass am Ende das ganze Haus zusammenbricht. Autor: Leon Latozke
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