Neues aus Kuba
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Der kubanische Tourismussektor steckt in einer tiefen Krise. Im ersten Halbjahr 2025 sank die Hotelauslastung auf nur noch 21,5 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser Entwicklung setzt die Regierung weiter auf milliardenschwere Investitionen in Hotels
25.08.2025 23:00 Uhr
Abbildung: Das Hotel Iberostar Selection Habana, im Volksmund als Torre K bekannt. Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Die jüngsten Daten der kubanischen Statistikbehörde ONEI zeichnen ein düsteres Bild für den Tourismussektor der Insel. Im ersten Halbjahr 2025 sank die durchschnittliche Hotelauslastung auf nur noch 21,5 Prozent – fast sieben Punkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit bestätigt sich der anhaltende Niedergang einer Branche, die jahrzehntelang als Rückgrat der kubanischen Wirtschaft galt.
Nach offiziellen Angaben reisten zwischen Januar und Juni 981.856 ausländische Besucher nach Kuba, ein Rückgang um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Aufenthaltsdauer verringerte sich: Statt durchschnittlich 6,1 Nächten wie 2024 verbrachten die Urlauber nur noch 5,8 Nächte auf der Insel. Insgesamt wurden 5,53 Millionen Übernachtungen gezählt – ein Minus von fast 28 Prozent. Die Einnahmen der touristischen Einrichtungen sanken um gut 20 Prozent auf umgerechnet rund 56 Milliarden Pesos. Dabei bleibt unklar, welcher Wechselkurs in der offiziellen Statistik zugrunde gelegt wurde. Während für staatliche Unternehmen weiterhin der Kurs von 1 US-Dollar = 24 Pesos gilt, liegt der Wert des Dollars auf dem informellen Markt mittlerweile über 400 Pesos. Die Ursachen des Einbruchs sind vielfältig: Die schwere Wirtschaftskrise, anhaltende Energieengpässe, eingeschränkte Flugverbindungen und die seit Jahren verschärften US-Sanktionen belasten das Geschäft. Zugleich hat die Konkurrenz in der Karibik – allen voran Punta Cana in der Dominikanischen Republik und Cancún in Mexiko – nach der Pandemie neue Besucherrekorde erreicht. Kuba hingegen entfernt sich immer weiter von den Spitzenwerten der Jahre 2018 und 2019, als mehr als vier Millionen Gäste die Insel besuchten. 2024 waren es nur noch 2,2 Millionen. Besonders schmerzhaft ist der Absturz für die Regierung, die auf den Tourismus als eine der wichtigsten Devisenquellen setzt. Neben Dienstleistungen und Geldüberweisungen aus dem Ausland gehört er traditionell zu den zentralen Stützen des Staatshaushalts. Das offizielle Ziel von 2,6 Millionen Besuchern für 2025 erscheint angesichts der aktuellen Entwicklung kaum erreichbar. Trotz der schwachen Zahlen hält die Regierung an milliardenschweren Investitionen im Tourismussektor fest. Schon 2024 floss mehr als ein Drittel der gesamten nationalen Investitionen in den Bau und Ausbau von Hotels und touristischen Infrastrukturen. Der Ökonom Pedro Monreal spricht von „milliardenfachen Fehlinvestitionen“ und verweist darauf, dass die Ressourcen dringend in andere Bereiche der Wirtschaft wie Landwirtschaft oder Industrie, aber auch in Gesundheit und Bildung gelenkt werden müssten. Monreal sieht in der Strategie eine „chronische Deformation der nationalen Investitionspolitik“. Sie stehe im Widerspruch zum offiziellen Diskurs, die wirtschaftlichen „Verzerrungen“ korrigieren zu wollen. Während neue Hotelkomplexe entstehen, bleiben Lebensmittelknappheit, Inflation und Energieausfälle ungelöst. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage ist unübersehbar: Während moderne Hotelanlagen mit niedriger Auslastung kämpfen, sinken gleichzeitig die Deviseneinnahmen, die dringend zur Stabilisierung der Wirtschaft benötigt würden. Die Hoffnung der Regierung, den Tourismus als Motor für Wachstum und als Puffer gegen die Krise nutzen zu können, droht damit endgültig zu scheitern.
Quelle: ONEI (https://t1p.de/2pprv), Pedro Monreal/X (https://t1p.de/1jrxo)
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