Neues aus Kuba
Hotels dicht, Flüge rar: Kuba zählte im Mai lediglich 30.883 Touristen – Tourismussektor am Boden16/6/2026
16.06.2026 11:00 Uhr
Im Mai 2026 besuchten nur 30.883 Touristen Kuba – ein Minus von 58,4 % zum Vorjahr. Mehr als die Hälfte waren US-Amerikaner, vorwiegend aus der kubanischen Diaspora.
Der Kollaps des kubanischen Tourismussektors zeigt sich in immer drastischeren Zahlen: Im Mai verzeichnete die Karibikinsel gerade einmal 30.883 internationale Besucher – ein historischer Tiefstand, der das Ausmaß der Krise unterstreicht. Zwar waren dies 332 Gäste mehr als im katastrophalen April, doch der Gesamttrend bleibt verheerend. In den ersten fünf Monaten des Jahres reisten nur 359.491 Ausländer nach Kuba, ein Einbruch von 58,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei täuscht die Statistik: Die überwältigende Mehrheit der Ankünfte entfiel auf Januar, als mit 184.833 Touristen noch annähernd normale Werte erreicht wurden. Mit der Aussetzung der Treibstoffversorgung für internationale Flüge setzte dann ein radikaler Niedergang ein, der die Branche in eine beispiellose Existenzkrise stürzt.
.Die Ursachen der Misere sind vielfältig, aber der jüngste Schlag kam aus Washington. Die verschärften US-Sanktionen gegen den Militärkonzern GEASA, der über seine Tourismussparte Gaviota einen Großteil der Hotelinfrastruktur kontrolliert, haben zusammen mit der Energieblockade die Branche lahmgelegt. Viele Fluggesellschaften stellten ihre Verbindungen nach Kuba ein, als klar wurde, dass der Treibstoff für Rückflüge nicht mehr gesichert war. Besonders verheerend sind die Rückgänge aus dem kanadischen Markt. Die Beucherzahlen brachen zwischen März 2025 und März 2026 um 95,5 Prozent ein – von 98.714 auf nur noch 512 Besucher. Fast genauso dramatisch ist der Rückgang aus Russland: Waren im März 2025 noch 11.135 Russen nach Kuba gereist, waren es ein Jahr später gerade einmal 250.
Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als der russische Markt nach dem Überfall auf die Ukraine und den folgenden EU-Sanktionen gegen russische Flugzeuge lange als Rettungsanker für den kubanischen Tourismus galt. Nun ist auch diese Hoffnung zunichte, da russische Airlines ihre Flüge im Februar dieses Jahres komplett eingestellt haben. Insgesamt brachen die Besucherzahlen aus fast allen Herkunftsländern um 60 bis 70 Prozent ein. Die einzige Ausnahme bilden Reisende aus den USA – wobei es sich hier überwiegend um Angehörige der kubanischen Diaspora handelt. Im März kamen 11.256 Exilkubaner auf die Insel, was etwa der Hälfte des Vorjahreswertes entspricht. Hinzu kamen 5.243 US-Amerikaner. Ohne diese Gruppe wäre der Zusammenbruch noch dramatischer ausgefallen. Die amtliche Statistik für das erste Quartal des Jahres zeichnet ein erschreckendes Bild der wirtschaftlichen Verwüstung. Die durchschnittliche Zimmerauslastung betrug gerade einmal 13 Prozent – ein Wert, der weit unter den bereits kritischen Niveaus der Corona-Jahre liegt. Die Gesamtzahl der Übernachtungen halbierte sich von 3,6 auf 1,8 Millionen. Die Bruttoeinnahmen des Sektors brachen von 35 Milliarden auf rund 20 Milliarden kubanische Pesos ein, was nach dem inoffiziellen Wechselkurs einem Wert von etwa 52 Millionen US-Dollar entspricht. Noch alarmierender sind die Daten für die nachgelagerten Wirtschaftszweige. Die Gastronomie verzeichnete einen Umsatzrückgang von 19 auf 10 Milliarden Pesos, das Transportgewerbe von 5,7 auf 3,9 Milliarden. Der Einzelhandel verlor rund ein Viertel seines Umsatzes. Diese Zahlen zeigen: Der Tourismus war nicht nur eine Einnahmequelle für den Staat, sondern sicherte Hunderttausenden privaten Anbietern – von Restaurants über Kunsthandwerker bis zu einfachen Straßenverkäufern – das Überleben. Angesichts dieser Entwicklung wirken die am Freitag (12.) von Präsident Miguel Díaz-Canel angekündigten vagen Reformen, darunter die Einbeziehung „neuer Akteure“ in den Tourismussektor, wie verzweifelter Aktionismus. Konkret denkbar wäre eine Lockerung der Investitionsbedingungen für Exilkubaner, doch ähnliche Versuche waren in der Vergangenheit stets gescheitert. Beobachter spekulieren stattdessen über eine weitreichendere Lösung: Die Übernahme kubanischer Hotelanlagen durch US-amerikanische Unternehmen, wie sie von Washington seit langem angestrebt wird, könnte der letzte Ausweg sein, um die Branche zu retten. Wann und ob Havanna diese Kröte schlucken wird, bleibt jedoch ungewiss. Fest steht: Der touristische Niedergang hat Kuba in eine Talfahrt gestürzt, aus der es ohne tiefgreifende Veränderungen kaum einen Ausweg gibt.
Quelle: ONEI (https://t1p.de/r8xhu), 14ymedio (https://t1p.de/jnqej)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed