Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
US-Militärinterventionen in Kuba sind laut Historiker Rojas derzeit unwahrscheinlich. Stattdessen erhöht Washington den Druck durch ökonomische „Kollateraleffekte“. Kuba muss sich auf veränderte Beziehungen zu Venezuela einstellen, während Russland und China sich zurückhalten.
20.01.2026 07:00 Uhr
![]()
Nach den jüngsten Entwicklungen in Venezuela und dem militärischen Zugriff der USA auf Präsident Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 mehren sich Spekulationen über mögliche amerikanische Aktionen gegen Kuba. Der renommierte kubanische Historiker Rafael Rojas sieht jedoch keine Anzeichen für eine militärische Operation wie in Caracas. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur EFE erklärte Rojas, dass Washington vielmehr auf Druck durch „Kollateraleffekte“ setze, etwa die Unterbrechung von Öllieferungen aus Venezuela.
Der Experte für die intellektuelle sowie politische Geschichte Lateinamerikas, verwies auf die komplexe Lage in Havanna. Dort überschneiden sich derzeit Trauer über die 32 kubanischen Opfer des US-Angriffs auf Venezuela und die angespannten Reaktionen auf die Gefangennahme Maduros. „Es gibt eine Interpretation als Verrat zugunsten der Betrugsthese, andere sehen es als taktischen Rückschlag, um mit dem US-Präsidenten zu verhandeln“, erläuterte Rojas. Ein zentrales Element seiner Analyse betrifft die venezolanische Regierung unter Delcy Rodríguez. Rojas stellt einen Wandel im Regierungsstil fest: „Es ist nicht mehr der konfrontative Typ, den Maduro gegenüber den USA hatte. Diese Änderung spiegelt sich auch in der Beziehung zwischen dem neuen Venezuela und Kuba wider.“ Aussagen aus Caracas, die Kuba betreffen, seien deutlich kälter geworden, der antiimperialistische Ton habe nachgelassen. Gleichzeitig zeigten die jüngsten Schritte Venezuelas, dass weiterhin Verhandlungen im Gange seien. Dazu gehörten die Freilassung politischer Gefangener und das Angebot von bis zu 50 Millionen Barrel Öl an die USA. Rojas betont auch die Rolle enger politische und wirtschaftliche Partner Venezuelas wie Russland und China. Beide hätten sich bereits vor dem 3. Januar zurückgehalten: China aufgrund der Spannungen rund um Taiwan, Russland wegen des Kriegs in der Ukraine. Die Expertenmeinung deutet darauf hin, dass die USA durch gezielte Aktionen im Karibischen Meer und Pazifik die Aufmerksamkeit dieser Staaten umlenken konnten, ohne direkte Konfrontation auszulösen. Die kubanische Regierung verurteilte den US-Angriff auf Caracas als „inakzeptabel und barbarisch“ und bekräftigte ihre Solidarität mit dem venezolanischen Volk und der Regierung Maduros. Seit dem Jahr 2000 unterhalten Kuba und Venezuela ein enges politisches und wirtschaftliches Bündnis: Im Rahmen des Öl-für-Dienstleistungen-Abkommens erhielt Kuba venezolanisches Rohöl im Austausch für Fachkräfte, darunter Ärzte, Lehrer und – wie die Opfer des US-Angriffs zeigten – auch militärisches Personal. Die Analyse Rojas’ deutet darauf hin, dass Washington vor allem auf indirekten Druck setzt, um Kubas politische Position zu beeinflussen, ohne das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation einzugehen. Ein solcher Ansatz entspricht dem aktuellen US-Strategiekonzept, das auf wirtschaftliche und diplomatische Hebel setzt, statt auf offene militärische Intervention. Für Havanna bedeutet dies, dass die Kontrolle über strategische Ressourcen wie Öllieferungen künftig noch stärker in den Mittelpunkt der Beziehungen zu Venezuela und den USA rücken dürfte. Rojas warnt jedoch, die Lage nicht nur aus bilateraler Perspektive zu betrachten. „Die Entwicklungen zeigen, dass regionale und globale Akteure wie China, Russland und andere die strategische Balance beobachten und entsprechend reagieren. Kuba agiert in einem geopolitischen Spannungsfeld, das zunehmend von den USA geprägt wird, ohne dass ein direkter militärischer Konflikt wahrscheinlich ist.“ Insgesamt zeichnet sich nach Ansicht des Historikers ein Szenario ab, in dem Kuba vor allem durch ökonomische und diplomatische Maßnahmen unter Druck gesetzt wird. Die engen Bande zu Venezuela und die Rolle des Landes als logistischer und militärischer Unterstützer Maduros stehen dabei im Zentrum, während direkte Konfrontationen vermieden werden. Rojas’ Einschätzung legt nahe, dass Washington vorerst auf Strategie statt auf Schlagkraft setzt – ein Ansatz, der Kuba zwingt, seine politischen Allianzen und Ressourcen sorgfältig zu balancieren. Rafael Rojas ist ein renommierter kubanischer Historiker, spezialisiert auf die intellektuelle und politische Geschichte Lateinamerikas. Er lebt seit mehreren Jahrzehnten im Exil in Mexiko, lehrt am Centro de Estudios Históricos des Colegio de México und ist Autor preisgekrönter Werke zur kubanischen Revolution und Diaspora.
Quelle: 14ymedio (https://t1p.de/lh40m)
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |