Neues aus Kuba
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Jorge Piñón analysiert die kritische Energieversorgung Kubas vor dem Hintergrund der jüngsten US-Maßnahmen. Der Experte des Energy Institute der Universität von Texas warnt: Ohne neue Tanker erreicht die Insel Mitte März die „Stunde Null“.
14.02.2026 09:20 Uhr
Abbildung: Symbolbild Jorge R. Piñón von der Universität Texas (Quelle: YouTube https://t1p.de/9878y)
Die Energieversorgung in Kuba ist akut bedroht. Jorge Piñón, 79-jähriger kubanischer Forscher am Kay Bailey Hutchison Energy Center der Universität von Texas in Austin und ehemaliger Manager bei Shell, Amoco Oil und BP, warnt vor einer drastischen Verschärfung der Situation. Der letzte Tanker mit Öl erreichte La Habana am 9. Januar 2026, doch weitere Lieferungen sind aufgrund der US-Sanktionen ausbleibend. „Die Lage in Kuba ist extrem kritisch“, sagt Piñón zur spanischen Tageszeitun g EL PAÍS
Kuba benötigt täglich rund 100.000 Barrel Öl, um Strom- und Kraftstoffversorgung aufrechtzuerhalten. Die eigene Produktion deckt lediglich 40.000 Barrel. Bis vor kurzem kamen die restlichen Mengen aus Venezuela, Mexiko und Russland. Mit der US-Intervention in Venezuela Anfang Januar sind diese Lieferketten unterbrochen. Piñón warnt: „Wenn wir bis Mitte März keinen Tanker sehen, hat Kuba die Stunde null erreicht.“ Das Land verfügt weder über strategische Reserven noch über die Kapazität, diese aufzubauen, wodurch die Versorgung unmittelbar bedroht ist. Mexiko hat bereits die Öl-Lieferungen eingestellt, reagiert aber mit humanitärer Hilfe in Form von Lebensmitteln an die 9,5 Millionen Einwohner. Besonders kritisch waren die von Mexiko gelieferten leichten Rohöle Olmeca und Istmo, die für Kubas veraltete Raffinerien geeignet waren. Schweres Öl wie das Maya-Öl konnte nicht verarbeitet werden. Pemex hatte zuletzt täglich rund 17.200 Barrel geliefert. Die Folgen der Energieknappheit sind bereits spürbar: 60 Prozent der Thermoelektrizitätswerke funktionieren nicht, vor allem wegen fehlender Wartung. Die Stromversorgung ist instabil, Wasserverteilung und Mobilität sind eingeschränkt, und die Versuche, erneuerbare Energien auszubauen, bleiben begrenzt und unterfinanziert. Kleine Solaranlagen liefern nur tagsüber Strom. Piñón betont, dass das elektrische System Kubas nicht kurzfristig stabilisiert werden kann – die Lösung werde Jahre dauern. Historisch war Kuba abhängig von ideologisch verbündeten Staaten wie der Sowjetunion und später Venezuela. Unter Chávez erhielt die Insel zwischen 2007 und 2015 fast 100.000 Barrel pro Tag. Die zentrale Planwirtschaft Kubas, die nach stalinistischem Vorbild funktioniert, verhindert jedoch eine flexible Reaktion auf die aktuelle Krise. Piñón kritisiert die mangelnde Reformbereitschaft und die ineffiziente Verwaltung der Energieversorgung. Der Experte selbst verließ Kuba 1960 im Alter von 14 Jahren während der Operation Peter Pan. Rückkehrbesuche zeigen ihm heute eine „bedrückende“ Situation. Die Aussicht auf politische Lösungen zwischen Washington und Havanna sei notwendig, doch die Lage verschärfe sich täglich. „Irgendwo muss ein Entgegenkommen erfolgen“, so Piñón.
Quelle: EL PAÌS (https://t1p.de/u7x93)
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