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Das kubanische Online-Medium „La Hora de Cuba“ erhält den „Civil Rights Defenders Award“für den Einsatz für Pressefreiheit. Gründer Henry Constantin darf die Insel nicht verlassen, daher reiste Vizedirektorin Iris Mariño nach Stockholm.
Ein unabhängiges Online-Medium aus Kuba, das von den Behörden der Insel nicht als legales Presseorgan anerkannt wird, ist in Europa für seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit ausgezeichnet worden. „La Hora de Cuba“ erhielt den diesjährigen „Civil Rights Defenders Award“, verliehen von der gleichnamigen schwedischen Menschenrechtsorganisation. Den Preis, der am 18. Mai 2026 in Stockholm überreicht werden sollte, konnte jedoch der Gründer und Direktor des Mediums, Henry Constantin, nicht persönlich entgegennehmen: Er darf die Insel seit sieben Jahren nicht verlassen. Stattdessen reiste die stellvertretende Direktorin Iris Mariño nach Europa.
„La Hora de Cuba“ wurde 2013 von Constantin gegründet und gilt für die kubanische Regierung als illegales Medium. Die Redaktion arbeitet von der Insel aus, mit Korrespondenten in Camagüey, Havanna, Bayamo und Holguín. Die Zielsetzung des Portals ist es, die Menschen innerhalb Kubas zu erreichen. „Unser Hauptziel ist es, zum kubanischen Bürger zu gelangen, zu dem, der auf der Insel lebt“, wird Iris Mariño von der Deutschen Welle zitiert. Die Hauptquelle für die Berichterstattung ist demnach Facebook, da dieses soziale Netzwerk für Kubaner am zugänglichsten sei. Andere Plattformen wie Instagram seien weniger verbreitet, da sie zu viel Datenvolumen verbrauchten, das auf sechs Gigabyte pro Monat begrenzt sei. Der Arbeitsalltag des etwa 20-köpfigen Teams, zu dem Künstler, Fotografen, Schriftsteller und Schauspieler gehören, ist von enormen Entbehrungen geprägt. Iris Mariño beschreibt den täglichen Kampf um die grundlegende Infrastruktur: In ihrer Region gebe es Stromausfälle von bis zu 18 Stunden. „Dann schließe ich den Laptop an meine kleine Stromanlage mit Solarpanel an“, schildert sie. Zudem seien strenge Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, um die Kommunikation im Team zu gewährleisten. Grund dafür sei, dass die Arbeit der Gruppe nicht als „Journalismus“ akreditiert sei. Das Medium verfüge nur über einen einzigen ausgebildeten Journalisten; Henry Constantin selbst sei das Studium verwehrt geblieben. Laut Mariño wurde er seit der Gründung von „La Hora de Cuba“ etwa 80 Mal wegen angeblicher Agitation festgenommen. Pía Alvira, Direktorin des Lateinamerika-Departments von Civil Rights Defenders (CRD), erläutert gegenüber der Deutschen Welle die Bedeutung der Auszeichnung. Mit dem Preis wolle man die „mutige Arbeit aus dem Innern Kubas“ anerkennen und sichtbar machen, in einem Land mit einem sehr eingeschränkten zivilgesellschaftlichen Raum. „La Hora de Cuba“ sei eines von nur zwei unabhängigen Medien, die noch von der Insel aus arbeiteten. Der diesjährige Preis sei auf die Meinungsfreiheit fokussiert, ein Recht, das weltweit unter Druck gerate, so Alvira. Der Preis wird zudem an das georgische Medium „Netgazeti“ vergeben; zuvor hatte ihn aus Lateinamerika nur einmal die venezolanische Organisation „Foro Penal“ (2023) erhalten. Ein zentrales Element für das Überleben des Mediums ist die Unterstützung aus dem Ausland. Lucila Morales, eine aus Kuba stammende Kommunikationswissenschaftlerin, bezeichnete sich DW gegenüber als „Notrufzentrale“ des Mediums. Während der Proteste im Juli 2021, als sowohl Henry Constantin als auch Iris Mariño inhaftiert waren, habe sie die Berichterstattung aus den USA heraus koordiniert, nachdem ihr die Informationen per PDF übermittelt wurden. „Es ist praktisch unmöglich, dass ein unabhängiges Medium in Kuba ohne Unterstützung von außen existiert“, erklärt Pía Alvira. Eine Monetarisierung über Abonnements sei auf der Insel nicht möglich, da die Währungsumstellung und die wirtschaftlichen Beschränkungen dies verhinderten. Die Finanzierung erfolge daher über internationale Organisationen und Projekte sowie über die eigenen Erwerbstätigkeiten der Mitarbeiter. Lucila Morales beschreibt ihre Rolle als diejenige, die in Notfällen Geld für Transporte oder andere Ausgaben bereitstellt. „Die Arbeit, die sie leisten, ist sehr schwierig und riskant. Manchmal melden sie sich mehrere Tage nicht, und ich fürchte, dass etwas passiert ist“, so Morales. Die inhaltliche Ausrichtung von „La Hora de Cuba“ ist nach eigenen Angaben auf die prekäre Lage im Land fokussiert. In der Preiswoche habe man über 22 Femizide seit Jahresbeginn, das soziale Chaos und die humanitäre Krise berichtet. „Von der Fotografie aus gehen wir auf die Krankenhaussituation und die Müllansammlung ein. Wir befassen uns auch mit der Kindheit: Kinder, die anfangen, auf der Straße um Essen zu betteln“, beschreibt Iris Mariño die Themen. Sie betont, dass die humanitäre Krise in ihrer Region bereits seit Jahren andauere, unabhängig von den Auswirkungen der Energiekrise. Für Mariño ist die Auszeichnung eine Bestätigung ihres langen Einsatzes. „Es ist die Anerkennung für 13 Jahre Arbeit unter sehr harten Bedingungen, für unser Recht auf Meinungsfreiheit. Auch wenn Henry nicht hier sein kann, bedeutet dieser Preis, dass wir auf dem richtigen Weg sind, indem wir dem kubanischen Volk die Wahrheit sagen“, wird sie von der Deutschen Welle abschließend zitiert.
Quelle: Dw (https://is.gd/sIPLrK)
Autor: Leon Latozke
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