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Die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina gerät zunehmend unter Druck durch die US-Blockade. Finanzielle Sanktionen, blockierte Überweisungen und digitale Einschränkungen erschweren die Arbeit der Agentur weltweit. Ein Gespräch mit der ehemaligen Vizepräsidentin der Agentur, wie sehr politische Maßnahmen inzwischen auch den Informationsfluss betreffen.
22.12.2025 13:00 Uhr
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Die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina steht seit ihrer Gründung in einem anhaltenden politischen und medialen Konflikt mit den Vereinigten Staaten. Ein Bericht von amerika21 nach einem Gespräch mit ehemaligen Vizepräsidentin Luisa María González zeigt die konkreten Auswirkungen der US-Blockade auf die Arbeit von Prensa Latina und ordnet die Entwicklung in einen historischen und geopolitischen Zusammenhang ein.
Prensa Latina wurde 1959 gegründet, aus der Idee heraus, internationale Nachrichten nicht länger aus der Perspektive US-amerikanischer Leitmedien, sondern aus Lateinamerika selbst zu berichten. Der Gründer Jorge Masetti formulierte den Anspruch der Agentur mit dem oft zitierten Satz, man sei „objektiv, aber nicht unparteiisch“. Gemeint war eine journalistische Praxis, die sich offen gegen die ideologische Dominanz westlicher Medien stellte und revolutionäre sowie antikoloniale Prozesse sichtbar machen wollte. Von Beginn an verstand sich Prensa Latina damit als Gegenentwurf zu einer aus Sicht Havannas imperial geprägten Medienordnung. Dieser Anspruch blieb nicht ohne Konsequenzen. Seit Jahrzehnten ist die Agentur Ziel politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen der USA. Während die Blockade Kubas häufig mit ökonomischen Argumenten begründet wird, beschreibt González deren gezielte Wirkung auf den Informationssektor. Sanktionen beträfen längst nicht mehr nur Handel und Finanzwesen, sondern zunehmend auch die mediale Infrastruktur. Server würden blockiert, Zahlungswege unterbrochen und digitale Inhalte eingeschränkt. Ziel sei es, kritische kubanische Stimmen international zu marginalisieren. Besonders gravierend seien die finanziellen Folgen. Wie González berichtet, warten Auslandskorrespondenten teils monatelang auf ihre Gehälter, weil internationale Überweisungen verzögert oder vollständig blockiert würden. Die Eröffnung offizieller Bankkonten im Ausland sei für Prensa Latina kaum noch möglich. Selbst in Drittstaaten, etwa in Europa, verweigerten Banken aus Furcht vor US-Sanktionen die Zusammenarbeit. Seit Kuba erneut auf der US-Liste der „terrorunterstützenden Staaten“ geführt wird, habe sich dieser Druck weiter verschärft. In der Praxis ist die Agentur daher gezwungen, auf private Konten einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückzugreifen. Doch auch diese würden überprüft, Zahlungen kämen oft nicht an oder seien mit umfangreichen bürokratischen Auflagen verbunden. Fragebögen zu Beschäftigungsverhältnissen und Forderungen nach sensiblen persönlichen Daten seien an der Tagesordnung. González spricht in diesem Zusammenhang von einer Blockade, die weniger spektakulär, aber äußerst wirkungsvoll sei, da sie den operativen Alltag systematisch lähme. Hinzu kommen die innerkubanischen Rahmenbedingungen. Stromausfälle, Transportprobleme und eine mangelhafte technische Ausstattung erschweren die Arbeit in der Zentrale in Havanna zusätzlich. Die materiellen Folgen der Blockade wirkten sich somit sowohl im Inland als auch international auf die journalistische Arbeit aus. Dennoch betont González, dass Prensa Latina weiterhin in über 35 Ländern präsent sei und aus einem Netzwerk von Korrespondenten berichte. Bereits in den 1950er Jahren, etwa beim Sturz der guatemaltekischen Regierung Árbenz oder später während des Putsches gegen Salvador Allende in Chile, spielten Medien eine zentrale Rolle bei der Legitimation politischer Interventionen. So wurde das Büro der Agentur von Pinochets Truppen gestürmt – eine gezielte Attacke auf die kritische Berichterstattung. Prensa Latina verstand sich von Anfang an als Teil einer Gegenöffentlichkeit, die diesen Mechanismen etwas entgegensetzen wollte. Entsprechend gehörten Repression, Schließungen von Auslandsbüros und die Verfolgung von Journalisten zur Geschichte der Agentur. Trotz dieser anhaltenden Einschränkungen publiziert Prensa Latina nach eigenen Angaben weiter in sieben Sprachen und veröffentlicht neben Agenturmeldungen auch eigene Printprodukte. Der Bericht macht deutlich, dass es dabei nicht nur um journalistische Arbeit, sondern um einen grundsätzlichen Konflikt um Deutungshoheit und Informationsfreiheit geht.
Quelle: amerika21 (https://t1p.de/hkeki)
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