Neues aus Kuba
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31.05.2026 08:00 Uhr
Blue Diamond Resorts zieht sich aus Kuba zurück. Die bisher von der kanadischen Kette betriebenen Hotels gehen in die Verwaltung von Gaviota über, das zum Militärkonglomerat GAESA gehört.
Abbildung: Havannas Hotel Inglaterra, das bisher von Blue Diamond Resorts geführt wurde, ist nun in den Händen von Gaviota (Bildquelle: Callelinea, Hotel Inglaterra, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0)
Die kanadische Hotelkette Blue Diamond Resorts hat sich überraschend mit sofortiger Wirkung aus dem kubanischen Markt zurückgezogen – ein Schritt, der die ohnehin angeschlagene Tourismusbranche des Inselstaates weiter erschüttert. Ein offizielles Kommuniqué des Reiseveranstalters Sudameria Travel bestätigte am Samstag (30.) , dass alle Reservierungen, Buchungen und Koordinationen ab sofort von den jeweiligen Hotelbesitzern oder den lokalen Betreibergesellschaften übernommen werden. Die Zukunft der betroffenen Anlagen liegt nun in den Händen von Gaviota, einem Unternehmen des militärischen Konglomerats Gaesa, das direkt den kubanischen Streitkräften untersteht. In Havanna bestätigte das Personal mehrerer ehemaligen Blue-Diamond-Hotels, darunter der Royalton Habana Paseo del Prado, das Inglaterra und das Regis Mystique, die Übergabe. Allerdings konnte das Regis Mystique nicht bestätigen, ob das Haus überhaupt geöffnet bleibt – ein Indiz für die chaotischen Zustände.
Betroffen sind sämtliche Marken der kanadischen Gruppe, die bislang auf Kuba operierten: Blue Diamond Resorts, Royalton, Memories, Starfish, Mystique und Resonance. Die offiziellen Websites von Blue Diamond Resorts, Memories Resorts und Royalton Resorts in Kuba sind mittlerweile nicht mehr erreichbar. Die Entscheidung sei auf die „aktuellen Bedingungen des kubanischen Tourismusmarktes und die anhaltenden betrieblichen Einschränkungen“ zurückzuführen, so das Unternehmen – insbesondere logistische Herausforderungen und Versorgungsprobleme. Auffällig ist das Timing: Die vollständige Abwicklung erfolgt nur drei Wochen, nachdem die USA das Militärkonglomerat Gaesa mit Wirtschaftssanktionen belegt und explizit vor Geschäften mit sanktionierten Einrichtungen gewarnt hatte. Zwar erwähnt Blue Diamond in seiner Stellungnahme die US-Sanktionen nicht, doch der zeitliche Zusammenhang ist kaum zu übersehen. Die kanadische Kette war bis zuletzt eine der wenigen konstant wachsenden Player im kubanischen Hotelmarkt gewesen. Seit der Pandemie hatte sie ihre Präsenz massiv ausgebaut, vor allem durch Verträge mit Gaviota, Cubanacán und Gran Caribe. Besonders bemerkenswert war die exklusive Managementverantwortung für das gesamte Touristenresort Cayo Largo del Sur – eine Position, die keinem anderen ausländischen Unternehmen in Kuba je zugestanden wurde. Zuletzt standen Verhandlungen an, um noch mehr Anlagen zu übernehmen und den spanischen Riesen Meliá zu überholen, der mit 34 Hotels und 14.000 Betten der größte ausländische Betreiber der Insel ist. Nun ist das Wachstum abrupt beendet. Noch vor kurzem hatte Blue Diamond drei Hotels in Varadero – Royalton Hicacos Resort, Resonance Musique und Resonance Blue Varadero – wiedereröffnet, offenbar um in der Sommersaison vor allem kubanoamerikanische und nationale Gäste anzuziehen. Diese Anlagen bleiben zwar geöffnet, aber nicht mehr unter kanadischem Management. Der Rückzug folgt zudem unmittelbar auf die Aussetzung der Flugprogramme von Sunwing Vacations Group, dem Mutterkonzern von Blue Diamond. Wegen Treibstoffmangels auf Kuba cancelte die Fluggesellschaft Mitte April sämtliche Sommerflüge ab Kanada nach Varadero und Cayo Coco, und zwar vom 20. Juni bis 9. Oktober. Das bedeutete de facto das Aus für die Hauptsaison. Kanada ist traditionell der wichtigste Quellmarkt für Kubas Tourismus. Im vergangenen Jahr reisten rund 754.000 Kanadier auf die Insel, ein Rückgang von 12,4 Prozent im Vergleich zu 2024. Der Abwärtstrend hat sich 2026 noch verschärft: Von Januar bis April brach die Zahl der ausländischen Besucher um 55,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. Die anhaltende Energiekrise mit stundenlangen Stromausfällen, der Mangel an Grundversorgungsgütern und die eingeschränkte Luftanbindung zwingen zahlreiche Hotelketten zu Schließungen oder Konzentration auf wenige Häuser. Parallel zu dieser Entwicklung mehren sich in Branchenkreisen Hinweise, dass die spanische Kette Iberostar massivem Druck aus Washington ausgesetzt ist, ihre Aktivitäten auf Kuba zu beenden – ebenfalls aus Angst vor US-Sanktionen. Sollte sich dieser Schritt bestätigen, stünde Kubas ohnehin notleidendem Tourismussektor ein weiterer schwerer Schlag bevor. Die Insel, die einst als Paradies für Pauschalurlauber galt, sieht sich zunehmend isoliert – nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. Der Exodus ausländischer Betreiber ist ein deutliches Signal, dass sich das Geschäft mit dem kubanischen Tourismus für internationale Konzerne nicht mehr rechnet. Die militärische GAESA übernimmt nun die Zügel – aber fraglich ist, ob es ohne die kanadische Managementkompetenz und die kanadischen Gäste die leeren Betten füllen kann.
Quelle: 14ymedio (https://t1p.de/9yfk1)
Autor: Leon Latozke
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