Neues aus Kuba
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29.05.2026 10:00 Uhr
Trotz eines drastischen Rückgangs der internationalen Touristen hat die kanadische Kette Blue Diamond drei Hotels in Varadero wiedereröffnet– und setzt auf Exil-Kubaner.
Die kanadische Hotelkette Blue Diamond hat trotz eines dramatischen Einbruchs der internationalen Touristenzahlen drei ihrer Resorts am Strand von Varadero wiedereröffnet. Wie die kubanische Nachrichtenagentur Havanatur und das offizielle Medium Sol de Cuba berichteten, nahm das Fünf-Sterne-Hotel Royalton Hicacos-Varadero am 22. Mai den Betrieb wieder auf. Es bietet All-Inclusive-Service, Zimmer mit Meerblick und Tauchprogramme. Zwei weitere Hotels der Kette kehrten am darauffolgenden Montag zurück: das Vier-Sterne-Hotel Resonance Musique, das sich mit Sportplätzen und thematischer Gastronomie an Gruppen und Familien richtet, sowie das ebenfalls vier Sterne zählende Resonance Blu Varadero mit direktem Strandzugang.
Die Wiedereröffnung erfolgt in einem äußerst schwierigen Umfeld für den kubanischen Tourismus. Die Zahl der internationalen Ankünfte brach in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 um 55,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein, wie offizielle Daten belegen. Bereits 2025 hatte die Insel mit nur 1,8 Millionen ausländischen Besuchern das schlechteste Ergebnis seit 2002 verbucht, die Jahre der Corona-Pandemie nicht mitgerechnet. Im ersten Halbjahr lag die Hotelauslastung bei lediglich 21,5 Prozent. Die wichtigsten Herkunftsmärkte Kanada und Russland schrumpften weiter: Aus Kanada kamen 2025 etwa 754.000 Gäste — ein Rückgang von 12,4 Prozent gegenüber 2024. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2018, während der Annäherung an die USA, besuchten 4,7 Millionen Touristen Kuba. Der Fachdienst Reportur spekuliert nun, dass die Wiedereröffnung der drei Hotels vor allem auf inländische Gäste abzielt. Tatsächlich deutet die Strategie des kubanischen Tourismusministeriums in eine andere Richtung: Lessner Gómez, Generaldirektor für Marketing im Ministerium, kündigte im April an, gezielt die im Ausland lebenden Kubaner ansprechen zu wollen. „Wir bereiten neue Anreize vor, um die Ankünfte von Kubanern mit Wohnsitz im Ausland zu steigern. Wir möchten diesen Markt stärken“, sagte Gómez in einem Interview mit Sol de Cuba. Das Ministerium habe intensiv daran gearbeitet, allen Kubanern im Ausland und ihren Familien die Reise zu erleichtern. Spezielle Programme in Havanna, Pinar del Río und Varadero böten nun Mietwagen und Hotelpakete, die auf die Bedürfnisse von Besuchern zugeschnitten seien, die ihre Familien auf der Insel treffen wollten. Bereits im Februar hatte die kritische Knappheit an Kerosin die kanadischen Fluggesellschaften, die den wichtigsten Markt für Kubas Strände bedienen, zur Aussetzung ihrer Flüge gezwungen. Damals begannen Blue Diamond und andere große ausländische Hotelketten, die meisten ihrer ohnehin nur schwach belegten Häuser zu schließen und die verbliebenen Ressourcen auf einzelne Standorte zu konzentrieren. Die nun erfolgte Teil-Wiedereröffnung in Varadero wirkt vor diesem Hintergrund wie ein zaghafter Versuch, in einer tiefgreifenden Krise wenigstens ein Minimum an Betrieb aufrechtzuerhalten und neue Kundengruppen zu erschließen. Ob die kubanoamerikanische Diaspora die Lücke füllen kann, die der Kollaps des internationalen Massentourismus gerissen hat, bleibt allerdings fraglich.
Quelle: Havanantur (https://t1p.de/0nd1g), Sol de Cuba (https://t1p.de/s4hcy), REPORTUR (https://t1p.de/p22tr)
Autor: Leon Latozke
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