Kaum erhältlich auf Kuba: Joint Venture eröffnet Fachmarkt für Baustoffe und Solartechnik in Havanna4/7/2026
04.07.2026 09:00 Uhr
Werkzeug, Zement, Solarpanels: Auf der Insel praktisch nirgends erhältlich. Ein chinesisch-kubanisches Joint Venture will das mit einer neuen Filiale in Havanna ändern.
Abbildung: Quelle: Cubadebate
Kubas Wirtschaft befindet sich in einer Phase tiefgreifender Reformen. Erst Ende Juni verabschiedete die Nationalversammlung ein Paket von 176 Maßnahmen, das ausländisches Kapital – sowohl von internationalen Investoren als auch von im Ausland lebenden Kubanern – stärker an die heimische Wirtschaft binden soll. Ein Vorhaben, das in diesen Kontext passt, nimmt derzeit in Havanna konkrete Formen an: Das Unternehmen SUMAI S.A. bereitet die Eröffnung einer Filiale im Stadtteil Vedado vor.
Rechtlich handelt es sich um einen Präzedenzfall. SUMAI wurde im Januar 2025 als erstes gemischtwirtschaftliches Handelsunternehmen zwischen Kuba und China vorgestellt und ist der Plattform für Investitionen und Handel mit Lateinamerika (Plataforma de Inversión y Comercio para América Latina - PICLA) zugeordnet. Damit steht das Unternehmen exemplarisch für einen Kurs, den die kubanische Regierung bereits seit 2022 verfolgt: die schrittweise Öffnung des Groß- und Einzelhandels für ausländisches Kapital, einem Sektor, der jahrzehntelang staatlich kontrolliert war. Ökonomisch zielt das Vorhaben auf eine strukturelle Schwachstelle der kubanischen Konsumgüterversorgung. Fachgeschäfte für Baumaterial oder Elektronik existieren auf der Insel kaum in nennenswerter Zahl; wer Zement, Werkzeug oder Ersatzteile für Haushaltsgeräte benötigt, ist überwiegend auf Onlinehandel, informelle Netzwerke oder Importe über Drittpersonen angewiesen. Ein Geschäft mit tatsächlich verfügbarer Lagerware wäre insofern keine bloße Ergänzung, sondern würde eine Versorgungslücke betreffen, die den Alltag vieler Haushalte unmittelbar berührt. Konkret soll die Filiale in einem ehemaligen Gebäude der Kaufhauskette „Ten Cents" an der Kreuzung von Calle 23 und Calle 10 entstehen. Nach Angaben von Cubadebate ist noch kein Eröffnungstermin festgelegt. Geplant ist ein Sortiment aus Ausrüstung für erneuerbare Energien, Baumaterialien, Eisenwaren, Haushaltsgeräten, Lebensmitteln sowie Büro- und Schulbedarf, wobei sowohl Groß- als auch Einzelhandelskunden bedient werden sollen. Bezahlt wird ausschließlich in US-Dollar, bar oder mit zugelassener Karte; gesonderte Konditionen für Großabnehmer wurden angekündigt, aber inhaltlich noch nicht spezifiziert. Dass ein Teil des Angebots auf erneuerbare Energien entfällt, ist keine zufällige Randnotiz. In einer vorangegangenen Pilotphase in der Provinz Camagüey hatte SUMAI bereits monokristalline Solarmodule mit 590 Watt Leistung vertrieben – ein Segment, das angesichts anhaltender landesweiter Stromausfälle auf entsprechende Nachfrage trifft. Die Erfahrungen aus Camagüey dürften mit dazu beigetragen haben, dass das Unternehmen nun eine Expansion in mehrere Provinzen plant und dabei auch die Schaffung direkter und indirekter Arbeitsplätze in Aussicht stellt. Damit bleibt SUMAI ein Vorhaben mit doppelter Bedeutung: als konkretes Angebot gegen den Warenmangel und als Testfall dafür, wie belastbar Kubas neue Investitionsoffenheit in der Praxis ist. Ob das Modell tatsächlich zu einem breiteren Netz an Fachgeschäften führt oder ein Einzelfall bleibt, lässt sich erst beurteilen, wenn über Vedado hinaus weitere Filialen eröffnen.
Quelle: Cubadebate (https://t1p.de/etzhd)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|


RSS-Feed