Neues aus Kuba
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15.06.2026 10:00 Uhr
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Der therapeutische Impfstoffkandidat HEBERSaVax aus Kuba zeigt in klinischen Phase-II-Studien solide Ergebnisse. Das Mittel wirkt auf mehreren Ebenen: Es unterbricht die Blutversorgung des Tumors und reaktiviert gleichzeitig die körpereigene Immunantwort.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
In Kuba schreitet die medizinische Forschung auch inmitten einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise voran. Ein Team kubanischer Wissenschaftler hat die Ergebnisse klinischer Phase-II-Studien zu einem neuen, vielversprechenden Wirkstoff gegen Krebs veröffentlicht. Der Impfstoffkandidat mit dem Namen HEBERSaVax basiert auf dem Prinzip der aktiven Immuntherapie. Dabei wird das körpereigene Immunsystem gezielt angeregt, um Tumorzellen zu attackieren. Das Präparat richtet sich gegen verschiedene solide Tumorarten und wurde kürzlich in der renommierten Medizindatenbank Pubmed vorgestellt.
Die Leiterin des Projekts, Dr. Yanelys Morera Díaz, die auch Mitglied der Kubanischen Akademie der Wissenschaften ist, erläuterte den Wirkmechanismus während des letzten Expertentreffens zu Gesundheitsthemen unter Leitung des Staatsoberhaupts: HEBERSaVax greife gleich an mehreren Fronten in das Tumorgeschehen ein. Es stimuliere die Produktion spezifischer Antikörper, die den Blutfluss zum Tumor unterbrechen und ihm so die lebensnotwendige Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff abschnüren. Parallel dazu werde die geschwächte Immunantwort des Patienten wiederhergestellt, sodass der Körper die Krebszellen eigenständig abtöten kann. Die Studie habe alle regulatorischen Hürden genommen, von Tierversuchen bis zu den jetzt abgeschlossenen Tests an Menschen mit spezifischen Tumorarten. Besonders betonte Morera Díaz das hervorragende Sicherheitsprofil: Unerwünschte Nebenwirkungen seien selten und in der Regel gut verträglich. Dadurch könne das Präparat problemlos mit anderen Krebstherapien kombiniert werden, ohne deren Toxizität zu steigern. Viele Studienteilnehmer hätten eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität berichtet, einige sogar eine vollständige Rückbildung der Tumore, selbst in fortgeschrittenen Stadien. Der klinische Forscher und Internist Julio César Hernández Perera, ebenfalls Mitglied der Akademie der Wissenschaften, bestätigte diese Einschätzung. Er verwies auf das breite Anwendungsspektrum: Da HEBERSaVax an einem Protein ansetze, das auf vielen soliden Tumoren in erhöhter Menge vorkomme, sei der Einsatz bei einer Vielzahl von Krebserkrankungen denkbar. Klinisch validiert wurde der Wirkstoff bislang bei Dickdarmkrebs, Leberzellkarzinom, Eierstockkrebs und Nierenkrebs. Die Krebsforscherin Adriana Felinciano Pozo ergänzte, dass die subkutane Verabreichung – die Injektion unter die Haut – die praktische Handhabung in der klinischen Routine erheblich vereinfache. Sie sprach von „soliden Daten“ und der guten Kombinierbarkeit mit anderen Medikamenten. Die Planungen für die nächsten Entwicklungsphasen laufen bereits, um HEBERSaVax in das therapeutische Arsenal zu integrieren. Morera Díaz äußerte die Hoffnung, das Mittel künftig auch in der Primärversorgung einsetzen zu können. Gerade vor dem Hintergrund, dass Krebs weltweit eine der häufigsten Todesursachen ist, sehen die Forscher in ihrem Kandidaten ein erhebliches Potenzial. Die Fortschritte in der Onkologie überraschen Kenner der kubanischen Forschungslandschaft nicht. Der Grund liegt in einem seit den frühen Achtzigerjahren systematisch aufgebauten Biotechnologiesektor. Schon 1982 entstand das Zentrum für Biologische Forschung, 1986 folgte das renommierte Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB). 2012 wurden diese Einrichtungen mit Teilen der Pharmaindustrie zur staatlichen Unternehmensgruppe BioCubaFarma zusammengeschlossen, die heute als strategischer Wirtschaftszweig gilt. Dass Kuba dieses wissenschaftliche Kapital auch unter extremem Druck mobilisieren kann, zeigte sich zuletzt während der Covid-19-Pandemie. Aus der Sorge heraus, aufgrund des jahrzehntealten US-Embargos keine Impfstoffe beschaffen zu können, traf das Land Mitte 2020 die Entscheidung, selbst Vakzine zu entwickeln. Innerhalb eines Jahres brachte es mit Abdala den ersten in Lateinamerika zugelassenen Corona-Impfstoff auf den Markt. Insgesamt entwickelte Kuba in dieser Zeit fünf verschiedene Covid-Impfstoffe, darunter Soberana 2 und Mambisa, die in mehreren Ländern zugelassen wurden. Die nun vorgelegten Daten zu HEBERSaVax zeigen, dass dieses Know-how auch über die Pandemie hinaus in der Krebsforschung Früchte trägt.
Quelle: Granma (https://t1p.de/jn5wj), PubMed (https://t1p.de/ps34o)
Autor: Leon Latozke
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