|
11.08.2026 11:00 Uhr
Zwischen Januar und Juni 2026 haben mehr als 20.000 Kubaner in Brasilien Asyl beantragt – nach einem Rekordjahr 2025, in dem Migranten von der Insel erstmals Venezolaner als größte Antragstellergruppe ablösten.
Abbildung: Symbolbild
Mehr als 20.000 Kubaner beantragen in nur sechs Monaten Asyl in BrasilienZwischen Januar und Juni 2026 haben 20.372 kubanische Staatsbürger in Brasilien Asyl beantragt: Die Zahlen vom Observatorium für internationale Migration (OBMigra) des brasilianischen Justizministeriums reihen sich ein in eine Entwicklung, die sich seit Jahren beschleunigt: Bereits 2025 verzeichnete Brasilien mit über 41.000 kubanischen Asylanträgen einen historischen Höchstwert – und erstmals lösten Kubaner damit Venezolaner als größte Gruppe unter allen Asylsuchenden im Land ab. Von insgesamt 75.599 Anträgen entfielen 41.919, also rund 55 Prozent, auf kubanische Staatsangehörige, ein Anstieg von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Arbeit, Strom, ein würdiges Leben
Was Brasilien für viele Kubaner attraktiv macht, zeigt das Beispiel des 57-jährigen José Ramírez. Für ihn gebe es in seinem Alter kaum noch Auswanderungsalternativen, sagt er gegenüber dem Nachrichtenportal 14ymdio. Angezogen habe ihn vor allem, dass Brasilien Asylsuchenden eine Arbeitserlaubnis und Zugang zu staatlichen Sozialleistungen gewährt. Inzwischen arbeitet er als Hilfskraft in einem Klimaanlagenbetrieb in Volta Redonda, einer Stadt im Bundesstaat Rio de Janeiro, in der sich zahlreiche kubanische Migranten niedergelassen haben. Ramírez gehörte kürzlich zu einer Gruppe kubanischer Gläubiger, die sich dort zu einem Bibelkreis traf, um für ihre Heimat zu beten. Was ihm Brasilien biete, fasst er einfach zusammen: Freiheit, verlässlichen Strom, ausreichend Nahrung und einen würdigen Lohn.
Auch die Caritas-Mitarbeiterin Larissa Getirana sieht in der vergleichsweise offenen brasilianischen Migrationspolitik einen entscheidenden Faktor – gerade in einer Zeit, in der die USA unter Präsident Donald Trump und europäische Staaten ihre Grenzen zunehmend abriegeln. Anders als anderswo habe sich migrationsfeindliche Stimmung in Brasilien bislang nicht zu einer relevanten politischen Kraft entwickelt, betont sie gegenüber WuncNews. Hinter den nackten Zahlen steht eine humanitäre Notlage auf der Insel. Fehlende Treibstoffe, andauernde Stromausfälle und eine akute Medikamentenknappheit zählen zu den zentralen Gründen, warum immer mehr Kubaner das Land verlassen. Expertenführen den sprunghaften Anstieg der Antragszahlen unmittelbar auf die Versorgungskrise und die fortschreitende Verarmung der Bevölkerung infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs zurück. Der Weg über Roraima
Die meisten Kubaner erreichen Brasilien nicht direkt, sondern über einen beschwerlichen Landweg durch Guyana. Ein gemeinsamer Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dokumentiert einen deutlichen Anstieg kubanischer Einreisen über organisierte Schlepper-Netzwerke. Wichtigster Transitpunkt ist die Brücke Macuxis in Cantá, die von Guyana kommend nach Boa Vista im Bundesstaat Roraima führt. Mindestens 7.687 Kubaner haben dort inzwischen ihr Asylverfahren eingeleitet.
Viele kubanische Ärzte und Dozenten an der Universidade Federal de Roraima (UFRR) sind ursprünglich im Rahmen von Kooperationsabkommen zwischen der Hochschule und der kubanischen Regierung in den 1990er-Jahren ins Land gekommen. Diese migratorischen Verbindungen wirken bis heute nach und erleichtern nachfolgenden Generationen kubanischer Migranten den Weg. Brasilien als Durchgangsstation
Für viele Kubaner ist Brasilien nicht das eigentliche Ziel, sondern nur eine Zwischenstation. Laut dem IOM-Bericht reisten allein zwischen Januar und Oktober des Vorjahres rund 11.000 Kubaner über die brasilianische Grenze weiter nach Uruguay. Gleichzeitig hat Brasilien seine Politik an anderer Stelle verschärft: Seit 2024 ist es für einen Teil der Ankommenden nicht mehr möglich, direkt am wichtigsten internationalen Flughafen des Landes in São Paulo Asyl zu beantragen. Nach Einschätzung von Experten soll diese Maßnahme verhindern, dass Brasilien lediglich als Zwischenstation auf dem Weg in die USA missbraucht wird – und zugleich dem Kampf gegen Menschenhandel dienen.
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|


RSS-Feed