Neues aus Kuba
|
Tausende Kubaner haben in Havanna den 65. Jahrestag der Proklamation des sozialistischen Charakters der Revolution begangen. Präsident Miguel Díaz-Canel betonte die Entschlossenheit, das revolutionäre Projekt gegen andauernde US-Bedrohungen und die Wirtschaftsblockade zu verteidigen.
Unter strahlend blauem Himmel versammelten sich am Donnerstag (16.) Tausende Kubaner auf der Plaza de la Revolución in Havanna. Anlass war der 65. Jahrestag der Proklamation des sozialistischen Charakters der Revolution, ein Gedenktag, der in diesem Jahr zugleich als Manifestation gegen die als erdrückend empfundene US-Politik diente. Die Kundgebung war eine sorgfältig choreografierte Machtdemonstration der Regierung, die in Zeiten einer tiefen Wirtschaftskrise und anhaltender Versorgungsengpässe die Einheit von Volk, Partei und Streitkräften beschwören wollte.
An der Spitze der Veranstaltung stand Präsident Miguel Díaz-Canel, umgeben von Mitgliedern des Politbüros der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) sowie hochrangigen Militärs. Die Teilnehmerschaft spiegelte die staatlich organisierte Mobilisierung wider: Neben Jugendverbänden und Studenten waren auch Arbeiterkollektive, Einheiten der Revolutionsarmee und des Innenministeriums sowie Veteranen der siegreichen Gefechte in der Schweinebucht von 1961 anwesend. Die Präsenz der Veteranen verlieh dem Akt einen historischen Ankerpunkt, der die aktuelle politische Linie in eine direkte Kontinuität zu den Ursprüngen der Revolution stellte ![]()
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Carácter socialista de la Revolución: 65 años de una proclamación. Rechte beim Uploadenden.
In seiner Rede griff Díaz-Canel fast wörtlich auf die Rhetorik des Revolutionsführers Fidel Castro zurück. Er zitierte dessen berühmte Worte vom 16. April 1961, in denen Castro den „unbeugsamen Geist“ der Kubaner als eigentlichen Grund für den „imperialistischen Hass“ der USA benannt hatte. „Was die Imperialisten uns nicht verzeihen können, ist, dass wir hier sind, unsere Würde, unsere Standhaftigkeit, unseren Mut“, so der Präsident, der die sozialistische Staatsform als unverhandelbaren Kern der nationalen Souveränität darstellte.
Der Fokus der Ansprache lag auf der Anklage der seit 1962 verhängten und bis heute andauernden US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade. Díaz-Canel bezeichnete sie als „multidimensionalen Krieg“ und als das größte Entwicklungshemmnis für das Land. Er verwies auf die Verschärfungen unter der Trump-Administration, die mit über 240 neuen Sanktionsmaßnahmen eine „extraterritoriale Energieblockade“ etabliert und Kuba erneut auf die Liste der sogenannten „Terrorismus unterstützenden Staaten“ gesetzt habe. Diese Politik, so der Tenor, ziele weiterhin darauf ab, durch gezielte Verknappung und Leidensdruck einen Regimewechsel zu erzwingen. Während Díaz-Canel betonte, Kuba wolle keinen Krieg und sei zu einem respektvollen Dialog mit den USA bereit, schwang in seiner Rede eine deutliche militärische Drohung mit. Er rief die Bevölkerung dazu auf, „bereit zu sein, im Ernstfall zu den Waffen zu greifen und zu kämpfen“. Diese Aussage muss vor dem Hintergrund einer seit Jahren zunehmend angespannten bilateralen Lage gesehen werden. Die kubanische Führung verweist regelmäßig auf eine angebliche Interventionsgefahr und nutzt diese Narrative, um innenpolitische Geschlossenheit zu mobilisieren und von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Der historische Kern des Gedenktags geht auf den 16. April 1961 zurück. Während der Trauerfeiern für Opfer von US-Bombenangriffen auf kubanische Luftwaffenstützpunkte – dem Vorspiel zur Invasion in der Schweinebucht – hatte Fidel Castro damals vor einer riesigen Menschenmenge erstmals öffentlich verkündet: „Das, was wir hier tun, ist eine sozialistische Revolution.“ Diese Proklamation, mitten in der akuten Bedrohungslage, markierte die endgültige ideologische und geopolitische Positionierung der jungen Revolution und ihre definitive Hinwendung zum sowjetischen Lager. Die nach drei Tagen folgende Niederlage der von der CIA unterstützten Invasion in der Schweinebucht wird bis heute als entscheidender Sieg der nationalen Souveränität mythologisiert. Die zentrale Veranstaltung in Havanna fand ihr landesweites Pendant in weiteren Kundgebungen in allen Provinzen. Sie dienten weniger der spontanen Meinungskundgabe als vielmehr der ritualisierten Bekräftigung des staatlichen Narrativs: dass Kuba trotz aller Widrigkeiten standhaft bleibt und sich weder äußerem Druck noch internen Herausforderungen beuge. In einer Phase, in der die wirtschaftliche Krise viele Kubaner zur Emigration treibt und sozialer Unmut spürbar ist, bleibt die Mobilisierung um historische Symbole und die Konfrontation mit dem „äußeren Feind“ ein zentrales Instrument der politischen Legitimationssicherung für die kubanische Führung.
Quelle: TeleSur (https://t1p.de/fu99f), Canal Caribe/YouTube (https://t1p.de/l2rw9)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |




RSS-Feed