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Eine neue Funktion auf der Plattform X zeigt die Länderstandorte von Accounts und macht deutlich, dass viele Profile, die angeblich direkt von der Insel berichten, tatsächlich aus anderen Ländern operieren.
05.12.2025 08:05 Uhr
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In den vergangenen Wochen hat in den USA eine Disskussion über die Authentizität von Medien und Influencern, die über Kuba berichten, Aufmerksamkeit erhalten. Ein kürzlich auf der Plattform X eingeführtes Feature, das die Länderstandorte von Accounts anzeigt, machte deutlich, dass zahlreiche Profile, die vorgaben, direkt aus Kuba zu berichten, tatsächlich von anderen Ländern aus agieren. Dies weist auf ein Netzwerk hin, das seit Jahrzehnten Einfluss auf die Darstellung Kubas in internationalen Medien nimmt – häufig unterstützt durch US-amerikanische Institutionen.
Historisch betrachtet ist Kuba eines der am intensivsten medial politisierten Themen in den Vereinigten Staaten. Seit der Gründung von Radio Martí 1985 berichten verschiedene Medien wie El Toque, CubaDecide oder CubaNet über Kuba, teilweise mit explizit kritischer Ausrichtung gegenüber der kubanischen Regierung. Während manche dieser Plattformen als unabhängige Medien erscheinen, werden sie vielfach durch staatlich finanzierte Organisationen wie die United States Agency for International Development (USAID), das National Endowment for Democracy (NED), das US-Außenministerium oder die Organization of American States (OAS) unterstützt. Über Jahrzehnte haben diese Institutionen in mehreren Ländern Lateinamerikas politische Kampagnen unterstützt, darunter auch Regierungsstürze in Bolivien 2019 und Versuche, die Regierung Venezuelas zu destabilisieren. Eine Analyse der Influencer, die angeblich aus Kuba berichten, zeigt, dass viele von ihnen tatsächlich aus den USA, Spanien, Mexiko oder anderen Ländern operieren. Die Accounts erlebten ihren Aufstieg zeitgleich mit Initiativen wie „Cuba Twitter“ (ZunZuneo), einem 2014 von USAID initiierten Netzwerk, das über 100 Millionen US-Dollar in die Schaffung eines sozialen Medienökosystems zur Verbreitung von Propaganda investierte. Die Absicht war, Unzufriedenheit in Kuba zu schüren und eine anti-staatliche Stimmung zu erzeugen. Auch Hilfsprogramme, etwa für AIDS-Prävention, wurden Berichten zufolge teilweise instrumentalisiert, um politische Unruhen zu fördern. Ein prominentes Beispiel ist Luz Escobar, deren Arbeit lange als unabhängige Berichterstattung galt. Escobar, die ursprünglich in Kuba aktiv war, wird nun in Spanien verortet. Statt die Diskrepanz offen zu kommunizieren, änderte sie lediglich die Formulierung ihres Profils auf „exiliert in Spanien“, während die Standortangabe weiterhin Kuba lautete. Ähnliche Muster zeigen sich bei Medien wie 14 y medio, El Toque oder CiberCuba: Sie geben einen kubanischen Standort an, operieren aber von außerhalb der Insel und erhalten teilweise direkte finanzielle Unterstützung aus den USA, beispielsweise über USAID oder NED-verbundene Stiftungen. Die Auswirkungen auf die Berichterstattung sind erheblich. Ein prägnantes Beispiel dafür sind die Proteste in Kuba am 11. Juli 2021. Ursprünglich als unpolitische Demonstrationen konzipiert, um internationale Hilfe nach US-Sanktionen für medizinische Lieferungen und Impfstoffe zu erbitten, wandelten sich die Proteste durch koordinierte Berichterstattung in sozialen Medien zu einer anti-staatlichen Bewegung. Zahlreiche kubanische Exilorganisationen in den USA sowie internationale Netzwerke verstärkten die Narrative, was in Gewalt auf der Insel mündete. Die jüngsten Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Berichte über Kuba aus externen Quellen kritisch zu hinterfragen. Kuba bleibt ein geopolitisch und medial hochsensibles Thema. Die Diskrepanz zwischen behauptetem Standort und tatsächlicher Herkunft von Medienaccounts sowie die finanziellen Verbindungen zu US-Institutionen zeigen, wie stark Informationsflüsse strategisch beeinflusst werden. Für die internationale Öffentlichkeit ist dies ein Hinweis darauf, dass die Berichterstattung über Kuba häufig politisch motiviert ist und nicht zwangsläufig die Realität auf der Insel abbildet.
Quelle: Medium
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