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Am Mittwoch fiel in Kuba erneut landesweit der Strom aus, nachdem das Öl-Kraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas ausgefallen war. Woran liegt es, dass dieser Ausfall einen landesweiten Blackout nach sich zog und warum dauerte es viele Stunden, bis wieder größere Teile des Landes versorgt wurden?
12.09.2025 10:26 Uhr
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Am 10. September 2025 kam es in Kuba erneut zu einem vollständigen Netzzusammenbruch, der landesweit für Stunden keinen Strom lieferte. Das Öl-Kraftwerk Antonio Guiteras (Matanzas) fiel aus und das labile nationale Stromnetz (SEN) kollabierte. Das Kraftwerk – seit 1988 das größtes auf der Insel – hat eine installierte Leistung von etwa 317 MW und versorgt normalerweise große Teile Zentral- und Westkuba. Es gilt als Dreh- und Angelpunkt im überalterten Stromsystem. In den letzten Jahren produzierten seine Blöcke mangels Instandhaltung oft deutlich weniger An diesem Morgen fiel „unerwartet“ ein Block aus, vermutlich infolge einer technischen Störung oder eines Ausfalls von Anlagenkomponente. Die kubanische Energiebehörde UNE meldete daraufhin um 9:14 Uhr Ortszeit einen „totalen Zusammenbruch“ des Netzes.
Kuba hat praktisch keine nennenswerten Reservekraftwerke oder vernetzte Nachbarn, die bei solch einem Ausfall einspringen könnten. Hinzu kommt, dass viele Kraftwerke sowie Leitungen über 40 Jahre alt und technisch marode sind. Schon in den Monaten davor kam es immer wieder zu großflächigen Abschaltungen wegen technischer Mängel, Treibstoffmangel oder Havarien. Die Regierung führt die Probleme zwar u. a. auf das US-Embargo zurück, Experten verweisen aber vor allem auf veraltete Technik, fehlende Ersatzteile und mangelhafte Wartung. Insgesamt war das Netz aufgrund chronischem Produktionsdefizit und veralteter Ausrüstung extrem anfällig: Schon ein einziger Großblockausfall wie im Fall Guiteras reichte aus, um das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch komplett zu zerstören und hatte fatale Folgen: Der plötzlichen Verlust von Hunderten MW führte zu einer Neuverteilung des Stromflusses auf den verbleibenden Leitungen, was eine starken Frequenz- oder Spannungsabfall nach sich zieht. Kommt es dadurch zu Überlastungen, schalten Schutzvorrichtungen automatisch ab, um Ausrüstungsschäden zu verhindern. Diese Abschaltungen wiederum können weitere Kraftwerke ins Ungleichgewicht bringen. Da im Kuba kaum Reserve vorhanden war, konnten die verbleibenden Kraftwerke die ausgefallene Leistung nicht ausgleichen. So schalteten sich nacheinander weitere Anlagen ab, bis das gesamte Netz „komplett getrennt“ war. Man spricht von einem kaskadierenden Stromausfall: Ein initiales Ereignis zieht eine Kettenreaktion nach sich. Anders als bei kleinräumigen, geplanten Lastabschaltungen (Rollabschaltungen), wie sie Kuba seit Monaten stattfinden, waren hier die Abschaltungen unkontrolliert: Innerhalb von Minuten fiel in ganz Kuba der Strom aus. Technische Hürden beim Wiederanlauf Einmal vollständiger Blackout, ist die Wiederinbetriebnahme technisch aufwändig. Ohne externes Netz können große Wärmekraftwerke nicht einfach neu hochgefahren werden: Sie benötigen zum Anlauf selbst erhebliche Energie. Deshalb setzt man auf sogenannte Schwarzstart-Anlagen, die auch ohne Netzzugang anfahren können. Im Idealfall sind dies z.B. Wasserkraftwerke oder Gasturbinen mit Dieselantrieb, die aus Akkumulatoren oder eigenen Notstromaggregaten gestartet werden können. Die kubanische UNE bezeichnete den Netzneustart als „langsamen, aber sicheren“ Prozess. Technisch erfordert er vor allem viel Koordination und Zeit: Jede Aktivierungsstufe muss vorsichtig erfolgen, damit nicht erneut Überlastungen oder instabiler Frequenzbetrieb auftreten. Problempunkte sind etwa Beschränkungen bei der verfügbaren Turbinen-Dampfmenge, Dieselvorräte für die Anfahren von Gasturbinen sowie die genauen Abstimmungen im Teilnetz. Kubanische Netzexperten wiesen auch darauf hin, dass beim Zusammentreffen von alter Schalttechnik und abgenutzten Generatoren häufig unerwartete Mängel zutage treten, sobald man mit Wartungsarbeiten oder Inbetriebnahmen beginnt. Daher betont die UNE, dass der Wiederaufbau des Netzes technisch äußerst aufwändig ist. Ohne speziell schwarzstartfähige Anlagen und eingeübte Notfallpläne dauert der komplette Wiederanlauf eines landesweiten Netzes viele Stunden bis Tage: Sieben Stunden nach dem Blackout watren erst rund zehn Prozent der Stromversorgung wieder hergestellt, vorwiegend in Form sogenannter Mikrosysteme, die die lokale Stromversorgung kritischer Infrastruktur, wie Krankenhäuser, sicherstellen sollen. Bis Mitternacht konnten einige Großkraftwerke, wie das in Nuevitas oder Mariel, wieder mit dem nationalen Stromnetz synchronisiert werden. Am nächsten Morgen um 6 Uhr waren wieder 1000 MW Leistung am Netz. Um 8:30 Uhr konnte man knapp 80 % von der Hauptstadt Havanna wieder mit Strom versorgen. Um 13:30 Uhr, also nach über 28 Stunden, wurde der Wiederanschluss sämtlicher Provinzen an das nationale Stromnetz vermeldet.
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Text: Leon Latozke
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