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Kubas Hauptstadt Havanna steckt in einer schweren Versorgungskrise: Müllberge, Stromausfälle und Wassermangel prägen den Alltag. Präsident Miguel Díaz-Canel hat nun den Einsatz von Armee und Innenministerium angeordnet, um die drängendsten Probleme anzugehen. Während die Regierung organisatorische Schlagkraft demonstrieren will, wächst die Kritik an Missständen, die nicht allein auf die US-Sanktionen zurückzuführen seien.
06.10.2025 08:12 Uhr
Abbildung: Müll in Havannas Straßen. Screenshot eines Tagesschau-Videos auf Facebook
Kubas Hauptstadt Havanna steckt tief in einer Versorgungskrise, die Regierung greift nun zu außergewöhnlichen Mitteln. Präsident Miguel Díaz-Canel ordnete am Wochenende bei zwei Sondersitzungen des Provinzkomitees der Kommunistischen Partei (PCC) den Einsatz der Revolutionären Streitkräfte (FAR) und des Innenministeriums (Minint) an, um die massiven Probleme der Metropole bei Stromversorgung, Wasserversorgung und Müllabfuhr zu bewältigen. Arbeitsgruppen aus Militär, Regierung und Massenorganisationen sollen künftig Bürgerbeschwerden direkt bearbeiten. Vor allem in dicht besiedelten Bezirken wie Centro Habana sollen Soldaten die überlasteten Kommunalbetriebe unterstützen. Jedem Stadtteil wurde ein Ministerium zur Koordination zugeteilt. Vizeministerpräsidentin Inés María Chapman betonte, dass die FAR dort helfen werde, wo die Lage besonders kritisch sei. An den Krisensitzungen nahmen neben Díaz-Canel auch Premierminister Manuel Marrero Cruz, Verteidigungsminister Álvaro López Miera und der Organisationssekretär der PCC, Roberto Morales Ojeda, teil. Die Präsenz der gesamten politischen Spitze verdeutlicht die Dringlichkeit.
Im Mittelpunkt der Maßnahmen stehen drei Versorgungsbereiche. Beim Strom fordert Díaz-Canel die strikte Einhaltung rotierender Abschaltpläne. Selbst wer über genügend Geld verfügt, dürfe in Zeiten der Engpässe nicht mehr verbrauchen, als die Pläne vorsehen. Bei der Wasserversorgung sollen besonders betroffene Gebiete Vorrang haben. Offiziellen Angaben zufolge haben derzeit rund 248.000 Einwohner Havannas keinen Zugang zu Leitungswasser. Grund ist der Mangel an Strom, Treibstoff und Ersatzteilen für Pumpstationen. Am gravierendsten zeigt sich die Krise jedoch bei der Müllentsorgung. Nur 474 Fahrzeuge sind im Einsatz, deutlich weniger als vor Beginn der aktuellen Wirtschaftskrise. Ersatzteile können wegen Devisenmangels kaum importiert werden, Treibstoff bleibt knapp. Infolge starker Regenfälle hatten sich zuletzt ganze Straßen in Müllflüsse verwandelt. Anwohner veröffentlichten Bilder von schwimmenden Containern und verschmutztem Wasser in Hauseingängen. Die staatliche Journalistin Ana Teresa Badía kritisierte öffentlich eine „galoppierende institutionelle Gleichgültigkeit“ und erklärte, nicht alles könne auf die US-Blockade geschoben werden. Der Präsident ordnete strenge Kontrollsysteme für die Treibstoffverteilung an. Dort seien wiederholt Unregelmäßigkeiten aufgetreten. Künftig sollen Ministerien und Behörden jede Tankstelle und jede Versorgungsstelle überwachen. Auch bei der Wasserverteilung sollen neue Kontrollpunkte eingerichtet werden. Gleichzeitig mahnte Díaz-Canel, die Bevölkerung habe zwar das Recht auf Beschwerden, Proteste müssten jedoch „anständig, zivilisiert und ohne Störung“ erfolgen. Straßenblockaden und öffentliches Topfschlagen, mit denen Havanna-Bewohner in den vergangenen Wochen gegen Missstände protestierten, kritisierte er scharf. Bereits während der Sonderperiode der 1990er Jahre hatte Kuba das Militär zur Bewältigung ziviler Krisen eingesetzt. Auch diesmal soll die Armee nicht mit Sondervollmachten, sondern mit organisatorischer Schlagkraft eingreifen. Auf den Treffen betonten führende Funktionäre die Notwendigkeit, knappe Ressourcen effizienter zu nutzen. Premier Marrero sprach von einem strengen Kontrollsystem bei Transportmitteln und Treibstoff. Roberto Morales Ojeda mahnte, es brauche viele Menschen, die handeln und Situationen verändern. Mehrere Funktionäre forderten zudem, die Bevölkerung stärker einzubinden und durch Transparenz Vertrauen zurückzugewinnen. Díaz-Canel selbst rief zum Durchhalten auf. „Wir werden den Kampf gewinnen“, erklärte der Präsident und sprach von einem langen, schwierigen, aber nicht unmöglichen Weg, die Hauptstadt wieder aufzurichten. Havanna sei zwar in einer prekären Lage, doch man müsse sich von Passivität befreien und Schritt für Schritt die Stadt stabilisieren. Damit versucht die Regierung, die Bevölkerung hinter sich zu versammeln, während Stromausfälle, Wasserknappheit und Müllberge den Alltag der Habaneros weiterhin prägen.
Quellen: Granma (https://t1p.de/8p6lk), Tagesschau/Facebook (https://t1p.de/v0c8s)
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Text: Leon Latozke
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