Neues aus Kuba
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25.06.2026 09:00 Uhr
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Die kubanische Regierung hat Jonathan David Muir Burgos (16) aus der Haft entlassen. Er galt als jüngster politischer Gefangener des Landes, nachdem er bei Protesten gegen Stromausfälle und Hunger festgenommen wurde.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Wie die spanische Tageszeitung EL PAÍS berichtet, hat die kubanische Regierung am Mittwoch (24.) den 16-jährigen Jonathan David Muir Burgos aus dem Hochsicherheitsgefängnis Canaleta in Ciego de Ávila entlassen. Der Jugendliche galt als der jüngste politische Gefangene in Kuba. Muir Burgos war nach den Protesten vom 13. März in der Stadt Morón festgenommen und des „Sabotage“-Delikts beschuldigt worden. Nach mehr als drei Monaten Haft kam er nun frei. Menschenrechtsorganisationen bestätigten die Freilassung, zeigen sich jedoch tief besorgt über die anhaltende Repression.
Der Fall des Jugendlichen offenbart nach Darstellung von EL PAÍS eine alarmierende Suituation im heutigen Kuba: die systematische Kriminalisierung Minderjähriger, die an sozialen Protesten teilnehmen. Muir Burgos wurde festgenommen, nachdem er sich den Demonstrationen im März in Morón angeschlossen hatte. Diese waren durch anhaltende Stromausfälle und eine grassierende Lebensmittelknappheit ausgelöst worden – Ausdruck der schwersten Wirtschaftskrise der Insel seit drei Jahrzehnten. Die prominente Menschenrechtsanwältin Laritza Diversent, Gründerin der Organisation Cubalex, die die Menschenrechtssituation auf der Insel überwacht, erklärte gegenüber EL PAÌS, man habe vier Minderjährige identifiziert, die aufgrund ihrer Teilnahme an den Protesten in Morón in Haft säßen – unter ihnen Jonathan. Die Freilassung von Muir Burgos wird von Menschenrechtsverteidigern mit größter Zurückhaltung aufgenommen. Diversent, die im Exil in den USA lebt, warnt, dieser Schritt bedeute keineswegs das Ende der repressiven Politik des kubanischen Regimes gegen Bürgerproteste. Vielmehr handele es sich um eine wiederkehrende Taktik des politischen Überlebens und der strafrechtlichen Entspannung. Die Anwältin betont, dass die größte Besorgnis weiterhin der Verwundbarkeit Minderjähriger in der aktuellen Welle sozialer Unzufriedenheit gelte: „Es ist wichtig, gerade im Kontext der Proteste gegen die Verschlechterung der Lebensbedingungen, zu sehen, dass es oft die Minderjährigen sind, die sich äußern, und dass der Staat reagiert, ohne die rechtlichen und sozialen Besonderheiten dieser Jugendlichen zu berücksichtigen“, so Diversent. Die Verhaftung von Muir war demnach kein Einzelfall, sondern Teil eines Bestrafungsmusters, das sich seit den historischen Protesten vom 11. Juli 2021 (11-J) verfestigt hat. Seitdem setze die Regierung von Miguel Díaz-Canel die Justiz gezielt ein, um soziale Unzufriedenheit durch exemplarische Urteile zu ersticken – und erreiche dabei auch Jugendliche. Laut dem 2022 reformierten kubanischen Strafgesetzbuch sind Personen ab 16 Jahren strafmündig. Organisationen wie das Kubanische Menschenrechtsobservatorium (OCDH) und Justicia 11J dokumentieren, dass Hunderte Minderjährige Haftbefehlen oder Internierungsstrafen ausgesetzt waren, was internationale Übereinkünfte zum Schutz der Kinderrechte verletze. Die Direktorin von Cubalex besteht gegenüber EL PAÍS darauf, dass die Entlassung von Muir Burgos aus dem Gefängnis Canaleta weder als Akt der Gerechtigkeit noch als endgültige Erleichterung zu werten sei. Sie bevorzuge den technischen Begriff der „Haftentlassung“ anstelle von „Freiheit“, da der Jugendliche weiterhin der Strafgewalt des Staates unterliege. „Es hat noch keine Gerichtsverhandlung gegeben, aber sie können die Untersuchungshaft in eine Kaution oder eine in einer Akte festgehaltene Verpflichtung umgewandelt haben, was bedeutet, dass der Minderjährige weiterhin von den Polizeibehörden in seiner Gemeinde kontrolliert wird – und das ist manchmal viel kontraproduktiver, weil es zu ständigen Vorladungen und Drohungen führt“, so Diversent. Sie warnt vor den irreversiblen psychischen Schäden und der sozialen Stigmatisierung, die diese Schikane bei einem Jugendlichen hinterlasse. Der Fall erhält eine diplomatische Dimension von hoher Sensibilität, da er inmitten diskreter, aber komplexer bilateraler Verhandlungen zwischen Havanna und Washington stattfinde. Die US-Administration besteht auf der Freilassung der mehr als tausend politischen Gefangenen auf der Insel. Die USA haben zudem die Sanktionen und die wirtschaftliche Erstickung sder Insel verschärft, um einen Kurswechsel der kubanischen Regierung zu erzwingen. Diversent sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Haftentlassungen und dem inneren Druck auf der Insel sowie den diplomatischen Bemühen Kubas, in Zeiten höchster Spannung Signale nach Washington zu senden. „Alle Haftentlassungen, die wir 2025, 2026 gesehen haben, erfolgten unter Druck“, stellt die Anwältin klar. Die Regierung stehe vor einer schweren Krise der Überbelegung der Gefängnisse und nutze die Inhaftierten als Verhandlungsmasse. Die Freilassungen zielten darauf, den USA zu signalisieren: „Sehen Sie, wir ändern unsere Position. Denn Minderjährige im Gefängnis zu halten, ist schon ziemlich hässlich.“
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/vh5h4)
Autor: Leon Latozke
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