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Kuba erlebt seit rund einem Jahr eine beispiellose Energiekrise. Tägliche Stromausfälle von bis zu 20 Stunden, mehrere landesweite Blackouts und technische Defekte in den Kraftwerken behindern den Alltag der Bevölkerung und die Wirtschaft massiv. Trotz Solarprojekten bleibt die Versorgung unsicher.
23.08.2025 23:30 Uhr
Kuba kämpft schon seit vielen Jahren immer wieder mit Stromausfällen, deren Häufigkeit und Ausmaß jedoch stark schwankten. Vor August 2024 traten Unterbrechungen auf, sie waren aber lokal begrenzt und selten landesweit spürbar. Die Energiekrise der letzten zwölf Monate stellt eine neue Dimension dar: Tägliche Stromausfälle von bis zu 20 Stunden, mehrere landesweite Blackouts und andauernde technische Probleme belasten Bevölkerung und Wirtschaft auf bisher unbekannte Weise. Die Intensität und Regelmäßigkeit dieser Krise machen sie zur schwersten Energiesituation der letzten Jahre.
in letzten zwölf Monaten sind auf der Karibikinsel Stromausfälle von im Mittel 20 Stunden pro Tag zur Norm geworden, begleitet von vier landesweiten Blackouts, zahlreichen technischen Störungen und einer weitgehend zum Erliegen gekommenen Wirtschaft. Die Bevölkerung zeigt zunehmende Erschöpfung und Frustration angesichts der prekären Lage, Experten sehen nur schwer einen Ausweg aus der Krise. In Havanna dauern die Stromunterbrechungen in der Regel zwischen vier und zehn Stunden täglich. In anderen Landesteilen überschreiten sie häufig 20 Stunden, was einen normalen Alltag in Haushalten, Büros und Fabriken unmöglich macht. Die Kubaner sind gezwungen, sich nach Energiefenster frühmorgens zu richten, um zu kochen, Wäsche zu bügeln, Wasser zu füllen oder Elektrofahrzeuge und Handys aufzuladen. Lebensmittel können in Kühlschränken nicht gelagert werden, bürokratische und bankbezogene Prozesse werden erheblich behindert. Die staatliche Unión Eléctrica (UNE) des kubanischen Energieministeriums (MINEM) meldete, dass im Mai die durchschnittliche Dauer der Stromausfälle landesweit 18 Stunden betrug. Einzelne Orte waren sogar bis zu 38 Stunden ohne Strom. Der 12. Februar markierte einen besonders gravierenden Vorfall: Bei maximaler Nachfrage war mehr als die Hälfte des Landes gleichzeitig ohne Strom. Vier nationale Blackouts innerhalb eines Jahres haben gezeigt, dass die Energieversorgung des Landes extrem instabil ist. Nur einer der Ausfälle war auf äußere Faktoren, wie den Hurrikan Helene, zurückzuführen; die übrigen drei ereigneten sich aufgrund struktureller Mängel des nationalen Energiesystems (SEN). Die sieben thermoelektrischen Kraftwerke Kubas, das Rückgrat des SEN, sind häufig wegen Wartung oder technischer Defekte außer Betrieb. Viele Anlagen leiden unter jahrzehntelanger Nutzung ohne ausreichende Investitionen. Früher standen der Küste acht schwimmende Kraftwerke („patanas“) zur Verfügung – eine teure, aber kurzfristig wirksame Lösung. Derzeit ist nur noch eines aktiv, nachdem ein weiteres aufgrund ausbleibender Zahlungen den Hafen von Havanna verlassen hat. Die Ursachen der Energiekrise sind vielschichtig: Zum einen sind die thermischen Kraftwerke in schlechtem Zustand, zum anderen mangelt es an Devisen, um den Import von Brennstoffen für die landesweit verteilten Generatoren zu finanzieren. Laut UNE entfallen 66 Prozent der Stromausfälle auf diese zweite Ursache. Frühere Versprechen, die Ausfälle bis Juli zu reduzieren, wurden nicht eingehalten. Experten schätzen, dass eine vollständige Sanierung des SEN Investitionen von 8 bis 10 Milliarden US-Dollar erfordern würde, eine Summe, die Kuba nicht aufbringen kann. Die kubanische Regierung weist jegliche Verantwortung für die langjährige Vernachlässigung der Energieinfrastruktur von sich und betont stattdessen die Auswirkungen der US-Sanktionen, die nach offizieller Darstellung zu einer „energetischen Erstickung“ der Insel führten. Als langfristige Lösung setzt Kuba auf Solarenergie. Mit chinesischer Unterstützung wurden 92 Solarkraftwerke auf der Insel geplant, mit einer Gesamtleistung von rund 2.000 Megawatt. Bisher sind etwa 25 Anlagen in Betrieb und mit dem SEN verbunden. Experten weisen jedoch darauf hin, dass Solarparks allein nicht ausreichen, um die bestehende Produktionslücke zu schließen. Neben zusätzlichen Photovoltaik-Anlagen wären insbesondere große Batteriespeicher notwendig, um Strom auch nachts bereitzustellen. Das Minem betont, dass thermoelektrische Kraftwerke weiterhin die Basis der Stromversorgung bilden werden. Angesichts des fortbestehenden Mangels an Infrastruktur und Kapital bleibt die Energiekrise ein ungelöstes, drängendes Problem, das das tägliche Leben und die wirtschaftliche Stabilität Kubas massiv beeinträchtigt. Die vergangenen zwölf Monate haben eindrücklich gezeigt, wie stark die Energieprobleme den Alltag der Kubaner prägen: Lebensmittel verderben in den Kühlschränken, berufliche und private Abläufe werden unterbrochen, und die Bevölkerung muss täglich mit Unsicherheit und Einschränkungen leben. Trotz der Solaroffensive ist in den kommenden Jahren kein Ende der Krise in Sicht – ein Zustand, der sowohl die sozialen als auch die wirtschaftlichen Perspektiven Kubas belastet.
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Text: Leon Latozke
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