Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Kuba hat am Mittwoch den fünften landesweiten Stromausfall innerhalb eines Jahren erlebt. Ursache war nach Angaben der Behörden eine Störung im Kraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas.
10.09.2025 16:34 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Kuba ist am Mittwoch erneut von einem vollständigen Zusammenbruch seines nationalen Stromnetzes getroffen worden. Es ist bereits der fünfte landesweite Blackout innerhalb eines Jahres – ein Symptom für die eskalierende Energiekrise, die das Land seit Mitte 2024 im Griff hat. Betroffen sind mehr als neun Millionen Menschen, die teils über 20 Stunden täglich ohne Elektrizität auskommen müssen.
Ursachen und offizielle Erklärungen Nach Angaben des Energieministeriums und der staatlichen Elektrizitätsunion (UNE) trat die Störung um 9:14 Uhr Ortszeit auf. Als Auslöser gilt eine „unerwartete Abschaltung“ der zentralen Thermoelektrischen Anlage Antonio Guiteras in Matanzas. Sie zählt zu den wichtigsten Kraftwerken des Landes, ist jedoch seit Jahren anfällig für Ausfälle. Nach Angaben staatlicher Medien konnten Flughäfen sowie zentrale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Wasserpumpen über Notfallsysteme weiterarbeiten. Noch am Mittwochmorgen (Ortszeit) begann das langsame Wiederhochfahren des Netzes, doch Experten warnen, dass die vollständige Wiederherstellung erneut Tage in Anspruch nehmen dürfte.Die Regierung erklärte, die Ursachen würden untersucht. Parallel dazu bemühen sich die Behörden, lebenswichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Wasserpumpen oder Flughäfen über Notstromsysteme zu versorgen. Für die Mehrheit der Bevölkerung blieb die Lage jedoch dramatisch. In Havanna, wo zwei Millionen Menschen leben, berichteten Bewohner von abrupt geschlossenen Arbeitsstätten und improvisierten Maßnahmen im Haushalt. „Wir haben keine andere Wahl, als zu warten“, erklärte eine Staatsangestellte resigniert. Wiederkehrende Blackouts Seit Oktober 2024 ist es das fünfte Mal, dass Kuba komplett ohne Strom dasteht. Damals fiel das Netz erstmals durch einen Defekt in der Guiteras-Anlage aus. Nur wenige Wochen später führte der Hurrikan Rafael zu einem erneuten Kollaps. Ende Dezember 2024 folgte ein dritter Ausfall, im März 2025 legte eine beschädigte Umspannstation das Netz lahm. Jedes Mal dauerte es mehrere Tage, bis die Versorgung wieder stabil war. Noch schwerer wiegen die alltäglichen Belastungen: Im Juli lag die durchschnittliche Dauer der Stromunterbrechungen bei 16 Stunden pro Tag, im August bei knapp 15 Stunden. In Santiago de Cuba, Holguín und Matanzas wurden Spitzenwerte von über 20 Stunden ohne Elektrizität erreicht. Strukturelle Probleme Die Ursachen sind vielschichtig, im Kern jedoch Ausdruck einer strukturellen Überlastung. Die kubanischen Thermokraftwerke gelten als veraltet, nach Jahrzehnten intensiver Nutzung und unzureichender Wartung. Investitionen sind seit Jahren ausgeblieben. Hinzu kommt ein chronischer Mangel an Devisen, der Importe von Treibstoff blockiert. Zwar setzte Havanna zwischenzeitlich auf schwimmende Kraftwerke, sogenannte „patanas“, doch deren Zahl ist von acht auf zwei geschrumpft – wegen unbezahlter Rechnungen. Zusammen liefern sie maximal 70 Megawatt, ein Bruchteil des nationalen Bedarfs. Die Regierung verweist auf die Auswirkungen der US-Sanktionen, die Energieimporte erschwerten. Unabhängige Fachleute betonen hingegen eine jahrzehntelange Unterfinanzierung des Sektors. Für eine grundlegende Sanierung des Stromnetzes wären laut Experten 8 bis 10 Milliarden US-Dollar nötig – Summen, die angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise außer Reichweite erscheinen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen Die Energiekrise wirkt sich massiv auf die kubanische Wirtschaft aus. Laut offiziellen Daten schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt 2024 um 1,1 Prozent; innerhalb der vergangenen fünf Jahre beträgt das Minus bereits 11 Prozent. Auch für 2025 erwartet die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) einen Rückgang. Darüber hinaus verschärfen die Stromausfälle soziale Spannungen. Sie beeinträchtigen nicht nur die Lebensmittelversorgung und den Transport, sondern verstärken auch den Unmut in der Bevölkerung. Bereits die großen Proteste vom Juli 2021 standen in engem Zusammenhang mit der Energiekrise. Auch jetzt berichten Anwohner von wachsendem Frust. „Das ist verrückt für alle“, sagte ein Bewohner Havannas, der erklärte, dass auf dem Land vielerorts wieder mit Holzkohle oder Feuerholz gekocht werde. Eine Krise ohne kurzfristige Lösung Die wiederholten Stromausfälle verdeutlichen, dass die kubanische Energiekrise längst zu einer systemischen Krise geworden ist. Weder Notlösungen wie Mietkraftwerke noch punktuelle Reparaturen an den maroden Anlagen bieten eine nachhaltige Perspektive. Solange das Land keine umfassenden Investitionen tätigen kann, bleibt das Stromnetz anfällig. Für die Bevölkerung bedeutet dies, dass Stromausfälle und Unsicherheit zum Alltag geworden sind. Dass der jüngste Blackout der fünfte in weniger als zwei Jahren ist, unterstreicht die Dimension der Krise. Ein Ende ist nicht in Sicht – und die Energieknappheit dürfte weiterhin zu den größten Belastungen für Wirtschaft und Gesellschaft auf der Karibikinsel zählen.
Quellen: Cubadebate (https://t1p.de/hztau),Juventud Rebelde (https://t1p.de/hihy9)
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |