Neues aus Kuba
Aktuelle Nachrichten und Meldungen, Analysen und Hintergrundinformationen
|
Kuba hat die schlechteste Zuckerernte seit über 100 Jahren eingefahren: Die Produktion 2024/2025 blieb mit weniger als 150.000 Tonnen deutlich unter Plan und deckt weder den Eigenbedarf noch Exportverpflichtungen, etwa gegenüber China.
09.08.2025 07:16 Uhr
Die kubanische Zuckerernte 2024/2025 ist dramatisch eingebrochen und hat nach Berechnungen der Nachrichtenagentur EFE nicht einmal 150.000 Tonnen erreicht – weniger als die Hälfte des ohnehin bescheidenen Plans der Regierung und unter allen bisherigen unabhängigen Schätzungen. Damit verzeichnet Kuba die schlechteste Zuckerproduktion seit dem 19. Jahrhundert, als die Unabhängigkeitskriege gegen Spanien die Landwirtschaft lahmlegten. Zum Vergleich: Noch 1989 erntete das Land acht Millionen Tonnen und galt als größter Zuckerexporteur der Welt.
Zucker war über Jahrzehnte das Rückgrat der kubanischen Wirtschaft – wichtigster Exportartikel, Devisenbringer und kulturelles Symbol. Heute hingegen deckt die Produktion weder den Eigenbedarf noch die Versorgung der rumproduzierenden Industrie. Zudem kann Kuba erneut seine Lieferverpflichtungen gegenüber China nicht erfüllen. Für den ehemaligen Leiter eines heute stillgelegten Zuckerkombinats ist das Ergebnis schlicht ein „Desaster“. Nur noch ein Bruchteil der früheren Kapazität Der Einbruch ist auch das Ergebnis eines drastischen Schrumpfungsprozesses. Von einst 160 Zuckermühlen sind in dieser Saison nur noch 15 in Betrieb – weniger als zehn Prozent der früheren Kapazität. Zusammen planten sie knapp 280.000 Tonnen, realisiert wurden aber weit weniger. Zehn der 15 Werke – darunter die einst führenden „Antonio Guiteras“ (Las Tunas) und „Ciro Redondo“ (Ciego de Ávila) – lieferten zusammen nur 95.584 Tonnen. Die restlichen fünf sollten nach Plan 52.068 Tonnen beisteuern, erreichten jedoch größtenteils ihre Ziele nicht. Lediglich das Werk „Melanio Hernández“ erfüllte die Vorgaben. Einzelne Mühlen wie „Dos Ríos“ in Santiago de Cuba verfehlten ihre Pläne drastisch: Statt 20.811 Tonnen wurden nur 2.700 Tonnen geerntet. Strukturelle Ursachen und verschärfende Faktoren Die Ursachen für den Absturz sind vielfältig. Fachleute verweisen auf veraltete Technik, fehlende Investitionen, Material- und Treibstoffmangel, häufige Stromausfälle, Personalknappheit sowie klimatische Probleme. Viele Felder werden nicht optimal bepflanzt, ein Teil der Ernte verdirbt, weil sie nicht rechtzeitig verarbeitet werden kann. Ein pensionierter Branchenkenner berichtet, er habe beim Anblick der Ruinen „seines“ ehemaligen Kombinats geweint – und er stellt infrage, ob es unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch wirtschaftlich sei, Zucker im Land zu produzieren. Das strukturelle Problem reicht Jahrzehnte zurück. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende der sowjetischen Subventionen verlor Kuba seinen wichtigsten Absatzmarkt. Später folgten die US-Sanktionen, schwankende Weltmarktpreise und eine umstrittene Restrukturierung des Sektors zu Beginn des 21. Jahrhunderts, bei der zahlreiche Mühlen geschlossen wurden. Seitdem konnte sich die Industrie nicht erholen. Eine Krise unter vielen Die Zuckerkrise trifft das Land in einer ohnehin tiefen wirtschaftlichen und sozialen Misere. Seit 2020 ist das Bruttoinlandsprodukt um elf Prozent gesunken, ein weiterer Rückgang gilt als wahrscheinlich. Die schwache Zuckerproduktion reiht sich damit in eine Serie schwerer Probleme ein – von der Energieversorgung über die Lebensmittelproduktion bis hin zur Devisenknappheit. Einst Symbol nationalen Stolzes und Garant für wirtschaftliche Stabilität, ist der Zucker heute ein weiteres Beispiel für den anhaltenden Niedergang zentraler Industrien auf der Karibikinsel. Ohne grundlegende Reformen und massive Investitionen droht dieser Abwärtstrend unumkehrbar zu werden – mit gravierenden Folgen für Kubas Wirtschaft und seine traditionellen Exporte.
Anzeige (G2)
|
|
Letzte Meldungen
Text: Leon Latozke
Anzeige (G1)
(adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({});
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
|
|
| Anzeige (G3) |