Neues aus Kuba
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Kaum hatte Kubas Stromnetz mit dem mühsamen Wiederaufbau begonnen, brach es erneut zusammen. Für das gesamte Land ist es bereits der siebte nationale Blackout in diesem Jahr – Wetterphänomene sollen erneut mitverantwortlich sein.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Kaum 24 Stunden nach dem jüngsten schweren Stromausfall ist das kubanische Elektroenergiesystem (Sistema eléctrico nacional - SEN) am Montagnachmittag erneut komplett kollabiert. Es ist bereits der siebte flächendeckende Netzausfall des Jahres 2026 und der zweite innerhalb eines Tages. Der staatliche Versorger Unión Eléctrica (UNE) machte "meteorologische Ereignisse" verantwortlich, die sich während des laufenden Wiederherstellungsprozesses auf bereits synchronisierte Generatoreinheiten ausgewirkt und diese vom Netz genommen hätten.
Rückschlag mitten im Wiederaufbau
Der jetzige Blackout hatte bereits am Sonntagabend um 22:43 Uhr Ortszeit begonnen. Am Montag konnte UNE nur einen Bruchteil der Versorgung zurückgewinnen: In Havanna waren zur Mittagszeit gerade einmal 29 von deutlich mehr Verteilerkreisen wieder am Netz, was rund 87.480 Kunden beziehungsweise etwa 14 Prozent der Hauptstadtbevölkerung versorgte. 19 Krankenhäuser sowie Teile der Wasserversorgung galten als vorrangig abgesichert.
Laut kubanischen Medien war zum Zeitpunkt des erneuten Zusammenbruchs mehrere Wärmekraftwerke kurz davor, wieder ans Netz synchronisiert zu werden – ein Prozess, der laut Netzbetreiber durch eine "Oszillation" zunichtegemacht wurde. Ein Ausfall am Wasserkraftwerk Hanabanilla in Villa Clara sorgte zusätzlich dafür, dass bereits wiederhergestellte Stromkreise – darunter mehrere Krankenhäuser wie das Cardiocentro, das onkologische Krankenhaus Celestino Hernández und das Militärkrankenhaus von Santa Clara – erneut ausfielen. Auch der Mobilfunkbetreiber Etecsa meldete Unterbrechungen, nachdem ein Notstromaggregat für zentrale Netzknoten versagte.
Der Wiederaufbau des kubanischen Netzes gilt als langwieriger, mehrstufiger Prozess: Zunächst müssen kleine "Inseln" mit einfach startbaren Quellen – Solar-, Wasserkraft- oder Dieselgeneratoren – versorgt und schrittweise miteinander verbunden werden, bevor die großen, aber störanfälligen Wärmekraftwerke wieder hochgefahren werden können. Das größte davon, das Kraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas, hatte am Montagmorgen einen Kaltstart begonnen, um sich in der Nacht zu synchronisieren – die Anlage ist in diesem Jahr bereits mehr als 20-mal ausgefallen.
Der Energieexperte Jorge Piñón von der University of Texas verwies gegenüber Medien darauf, dass die aktuelle Wetterlage – verbreitete Bewölkung über weiten Teilen Kubas – ein strukturelles Problem offenlege: Solarenergie ohne Speicher- oder ausreichende Übertragungsinfrastruktur könne die für den Wiederaufbau nötigen "Inseln" nur eingeschränkt stabilisieren. Strukturelle Krise, kein Einzelfall
Die Kaskade der Netzzusammenbrüche begann im März mit dem technischen Ausfall eines Hauptkraftwerks und verschärfte sich Anfang Mai dramatisch, als ein akuter Treibstoffmangel infolge des verschärften US-Ölembargos die Stromversorgung der gesamten Karibikinsel komplett lahmlegte. Mit der extremen Hochsommerhitze eskalierte die Krise im Juli vollends: Auf einen plötzlichen Netzkollaps am 6. Juli folgte innerhalb einer nur neuntägigen Phase eine Serie aus zwei weiteren verheerenden Blackouts, die die ohnehin erschöpfte Bevölkerung an den Rand der Belastungsgrenze brachten. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte das Drama am späten Sonntagabend des 2. August mit dem sechsten flächendeckenden Blackout des Jahres, gefolgt vom siebten Kollaps nur 24 Stunden später am 3. August, als das mühsam und provisorisch hochgefahrene System durch heftige Netzschwankungen sofort wieder in sich zusammenbrach und Millionen Menschen bei brütenden Temperaturen ohne Kühlung zurückließ.
Bereits am Freitag zuvor hatte eine Störung an der 220-kV-Übertragungsleitung zwischen Pinar del Río, Matanzas und Cienfuegos rund die Hälfte der Insel – etwa 4,5 Millionen Menschen – ohne Strom gelassen. Im März war es bereits zweimal, im Juli dreimal binnen acht Tagen zu landesweiten Totalausfällen gekommen. Seit Ende 2024 zählt Kuba insgesamt elf großflächige Netzzusammenbrüche.
Die kubanische Regierung bezeichnet die Lage des SEN selbst als "akut", "kritisch" und "extrem angespannt" – bedingt sowohl durch das US-Erdölembargo als auch durch ein technisch veraltetes Energiesystem. Kuba benötigt Schätzungen zufolge gut 100.000 Barrel Öl täglich, wovon nur rund 40.000 im Inland gefördert werden. Der letzte große Tanker mit russischem Rohöl, die sanktionierte Anatoli Kolodkin, hatte Ende März rund 730.000 Barrel nach Matanzas gebracht – genug, um den Bedarf gerade einmal zwei Wochen zu decken. Havanna macht Washington für die Krise verantwortlich, während die USA auf hausgemachtes Missmanagement verweisen. Die Energiekrise hat die Staatswirtschaft praktisch lahmgelegt: Für 2026 wird ein Rückgang von mindestens 6,5 Prozent erwartet, nach einem kumulierten Einbruch von über 15 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Autor: Leon Latozke
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