Neues aus Kuba
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Zwei Tage nach dem Durchzug des Hurrikans Melissa bleiben Millionen Kubaner im Osten des Landes ohne Strom und Kommunikation. Besonders entlang des Flusses Cauto laufen weiterhin Evakuierungen.
31.10.2025 23:30 Uhr
Abbildung: YouTube-Video
Zwei Tage nach dem Durchzug des Hurrikans Melissa konzentrieren sich die kubanischen Behörden weiterhin auf die Evakuierung gefährdeter Gemeinden im Osten des Landes. Besonders besorgniserregend ist die Situation entlang des Cauto, des längsten Flusses Kubas, sowie seiner Hauptstaumauer. Dort laufen „dringende“ Evakuierungsmaßnahmen, um bis zu 7.000 Menschen aus den besonders gefährdeten Gebieten zu retten. Bis zum Mittag wurden bereits rund 2.000 Personen in das nahe gelegene Jobabo in der Provinz Las Tunas gebracht. Die Behörden warnen, dass das Hochwasser erst 72 Stunden nach Ende der Regenfälle seinen Höchststand erreichen wird, wodurch die Gefahr weiterhin extrem hoch bleibt.
In den Gemeinden Río Cauto und Cauto Cristo, die von massiven Überschwemmungen betroffen sind, gilt nach wie vor der Alarmzustand. In den übrigen Teilen des Ostens hat die Zivile Verteidigung die Phase „Erholung“ ausgerufen. Die Überschwemmungen resultieren aus einer Kombination intensiver Niederschläge, dem Abfluss von Stauseen, Erdrutschen in der Sierra Maestra und der Sturmflut an der Mündung des Cauto, alles Folgen des Hurrikans Melissa. Melissa hatte am Mittwoch den äußersten Osten Kubas als Hurrikan der Kategorie 3 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h und stellenweise bis zu 400 Millimetern Niederschlag überquert. Die betroffenen Gebiete sind nur teilweise erreichbar, sodass viele Menschen doppelt isoliert sind – sowohl durch das Wasser als auch durch den Ausfall von Strom- und Kommunikationsleitungen. Die schwersten Überschwemmungen traten in Bayamo, Jiguaní, Cauto Cristo, Contramaestre, Cauto, Cacocum, Urbano Noris und Yara auf. Hunderte Menschen mussten gerettet und evakuiert werden. Nach Angaben der staatlichen Elektrizitätsunion sind rund 3,5 Millionen Menschen, überwiegend in den fünf östlichen Provinzen, weiterhin ohne Strom. Zwar blieben die Hauptkraftwerke der Region unversehrt, doch die Stromleitungen wurden durch umgestürzte Masten und abgerissene Kabel stark beschädigt. Ihre Reparatur wird insbesondere in abgelegenen Gebieten mehrere Tage in Anspruch nehmen. Auch die Telekommunikation ist stark beeinträchtigt. Laut dem Ministerium für Telekommunikation sind etwa 75 % der Mobilfunkleitungen in der Region ausgefallen. Die staatliche Telefongesellschaft Etecsa begann zwar mit der Reparatur beschädigter Glasfaserkabel, doch viele Funkstationen bleiben aufgrund der Schäden und fehlender Stromversorgung offline. Die kubanische Regierung hat bisher keine vollständige Schadensbilanz veröffentlicht, deutet aber an, dass sowohl Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäuser und Straßen als auch private Häuser und landwirtschaftliche Anlagen betroffen sind. Offiziell wurden bislang keine Todesopfer bestätigt. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Betroffenen auf rund 700.000 Menschen – etwa 20 % der Bevölkerung in den betroffenen Provinzen – die in den kommenden drei Monaten auf grundlegende Hilfe angewiesen sein werden. Mehrere internationale Hilfsorganisationen sammeln Mittel zur Unterstützung der Betroffenen. Melissa trifft Kuba in einer ohnehin prekären Lage. Das Land befindet sich seit über fünf Jahren in einer tiefgreifenden Krise mit Engpässen bei Lebensmitteln, Medikamenten und Kraftstoff, hoher Inflation, regelmäßigen Stromausfällen, wirtschaftlicher Schrumpfung, teilweiser Dolarisierung und massiver Migration. Hinzu kommt die Gefahr, dass die Überschwemmungen durch den Hurrikan die Ausbreitung von Krankheiten wie Dengue, Oropouche und Chikungunya begünstigen. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften wie auch die kubanische Bishofskonferenz haben vor diesem Hintergrund dringend zur Unterstützung aufgerufen.
Quelle: EFE (https://t1p.de/70y55)
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