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Die kubanische Regierung hat die Verfügbarkeit von Fremdwährungskonten für ausländische Unternehmen und diplomatische Missionen massiv eingeschränkt. Die verschärft die ohnehin schwere Liquiditätskrise des Landes und erschüttert das Vertrauen internationaler Investoren.
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Die kubanische Regierung hat ausländische Unternehmen und diplomatische Vertretungen darüber informiert, dass bereits auf der Insel deponierte Fremdwährungen vorerst weder abgehoben noch ins Ausland transferiert werden können. Wie die Nachrichtenagentur EFE meldet, ist damit ein im Frühjahr 2025 zunächst in kleinem Umfang getesteter Mechanismus nun auf die gesamte Auslandswirtschaft ausgeweitet worden – ein Schritt, der international für erhebliche Irritation sorgt.
Für Investoren ist die Maßnahme ein schwerer Schlag. Ökonom Mauricio de Miranda spricht von einem erneuten Vertrauensverlust gegenüber der kubanischen Finanzpolitik. Er erinnert daran, dass kubanische Privatkunden seit Jahren ähnliche Erfahrungen mit blockierten Dollar-Konten machen. Dass ein Staat Fremdwährung „nutzt“, auf die er eigentlich nur treuhänderisch zugreifen dürfte, wertet er als strukturelles Problem eines Bankensektors ohne ausreichende Liquidität. Zwar bietet die Regierung ausländischen Firmen nun sogenannte „reale“ Konten an, die – anders als bestehende – Überweisungen und Abhebungen ermöglichen sollen. Doch Berichte über Schwierigkeiten auch mit diesen neuen Konten schüren Zweifel an der tatsächlichen Verfügbarkeit von Devisen. De Miranda rät deshalb dringend davon ab, auf dieses Modell zu setzen. Die Maßnahmen seien Teil des Regierungsprogramms zur „Korrektur von Verzerrungen“ in der Wirtschaft – konkrete Mechanismen oder Lösungen bleiben jedoch offen.
Mehr zum Thema: Kuba: Keine Abhebungen und Auslandstransfers mehr möglich - Regierung friert Konten ausländischer Unternehmen ein
Besonders heikel ist die Ausweitung der Einschränkungen auf diplomatische Missionen. Zwar müssen Botschaften keine „realen“ Konten eröffnen, die Regierung legte ihnen jedoch eine nicht näher definierte „Stichtagsregelung“ vor. Nur Gelder, die nach diesem Stichtag eingezahlt werden, sollen frei verfügbar sein. Angesichts wachsender Schwierigkeiten beim Zugang zu ihren Mitteln verlagern laut EFE zahlreiche Botschaften ihre Finanzströme bereits ins Ausland. Der kürzlich angekündigte Abzug der belgischen Botschaft gilt als weiteres Indiz für die angespannte Lage.
Hintergrund der drastischen Maßnahmen ist die massive Liquiditätskrise des kubanischen Bankensystems. Während Unternehmen an ihre eigenen Devisen kaum herankommen, hält die Regierung den offiziellen Kurs für juristische Personen weiterhin bei 24 Pesos pro Dollar – weit entfernt vom informellen Markt, auf dem der Dollar inzwischen mehr als 430 Pesos kostet. Diese Diskrepanz untergräbt jedes ökonomische Kalkül internationaler Akteure. De Miranda spricht offen von „Diebstahl“, wenn hinterlegte Devisen nicht mehr verfügbar sind. Das eigentliche Problem liege nicht bei externen Sanktionen, sondern bei der selbstverschuldeten Erosion des Vertrauens in die kubanischen Finanzinstitutionen. Auch die Ökonomin Rafaela Cruz warnt, dass das Einfrieren von Kapital eine der gravierendsten Maßnahmen sei, zu der ein Staat greifen könne. Dass die Regierung diesen Schritt wählt, deutet ihrer Einschätzung nach auf einen Zustand „zwischen Bankrott und Panik“ hin. Mit der Blockade ausländischer Devisen verschafft sich der Staat kurzfristig Luft – langfristig jedoch droht eine noch stärkere finanzielle Austrocknung. Denn ohne verlässliche Möglichkeit zur Kapitalrückführung werden weder Investoren noch diplomatische Partner bereit sein, neue Projekte einzugehen. Der Schritt offenbart nicht nur das Ausmaß der Devisenknappheit, sondern markiert einen weiteren Punkt in der fortschreitenden Isolation des Landes: Ohne Vertrauen in den Finanzsektor wird es weder Investitionen geben noch die wirtschaftliche Erholung, auf die die Regierung hofft.
Quelle: El Toque (https://t1p.de/ck78t)
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Text: Leon Latozke
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