Kuba-Geschäft unter Druck: Spanischer Handelskonzern setzt auf Lobbyisten aus Trumps Umfeld1/9/2026
01.09.2026 09:00 Uhr
Trotz verschärfter US-Sanktionen gegen Kuba plant der spanische Konzern Vima World, seinen Umsatz bis 2026 auf 250 Millionen Dollar zu verdoppeln – gestützt auch auf Lobbyarbeit in Washington.
Abbildung: Lobbyvertrag mit Continental Strategy: Sichert Vima sein Kuba-Geschäft ab?
Während zahlreiche ausländische Unternehmen angesichts der verschärften US-Sanktionen ihr Kuba-Geschäft zurückfahren, geht der spanische Lebensmittelkonzern Vima World den entgegengesetzten Weg: Das Unternehmen hat sich professionelle Lobbyarbeit in Washington gesichert – durch eine Kanzlei mit besten Verbindungen in die Trump-Administration.
Ein Vertrag mitten in der Sanktionswelle
Wie aus einem am 24. Juli in Kraft getretenen und im August offiziell registrierten Eintrag nach dem Lobbying Disclosure Act hervorgeht, hat Vima World S.L. die Washingtoner Kanzlei Continental Strategy LLC mit einem auf 30.000 US-Dollar bezifferten Mandat beauftragt. Themenfelder sind Handel, Lebensmittelindustrie und Außenbeziehungen; als konkretes Anliegen nennt der Eintrag die Suche nach "Projektmöglichkeiten in Lateinamerika". Bekannt wurde der Vorgang durch das US-Cuba Trade and Economic Council.
Vima ist seit den 1990er-Jahren im kubanischen Markt aktiv und hat die Insel zu einer seiner wichtigsten Handelsplattformen gemacht. Die spanische Tochtergesellschaft Corporación Alimentaria Vima mit Sitz in A Coruña setzte 2024 rund 106 Millionen Euro um, davon etwa 49 Millionen über die 2025 gegründete Tochter Vima Caribe im Kuba-Geschäft. Über die Filiale Vima USA exportiert der Konzern zudem – gestützt auf Ausnahmeregelungen des Trade Sanctions Reform and Export Enhancement Act von 2000 – Agrar- und Lebensmittelprodukte aus New York und Miami in Richtung Cuba.
Für die Vertretung gegenüber der US-Regierung setzt Vima auf ein Netzwerk mit unmittelbarem Zugang zur politischen Führung: Gegründet und geleitet wird Continental Strategy von Carlos Trujillo, kubanischstämmiger Ex-Botschafter der USA bei der Organisation Amerikanischer Staaten unter der ersten Trump-Administration. Als weiterer Lobbyist für das Mandat registriert ist Francisco Petrirena sowie Eric Farnsworth, der zwei Jahrzehnte das Washingtoner Büro der Americas Society/Council of the Americas leitete und zuvor im Weißen Haus, Außenministerium und der US-Handelsvertretung tätig war.
Zum weiteren Personal der Kanzlei zählen Alberto Martínez, jahrelanger Stabschef des heutigen Außenministers Marco Rubio im US-Senat, John Barsa, kommissarischer USAID-Chef während Trumps erster Amtszeit mit Zuständigkeit für Lateinamerika, sowie Katie Wiles, Tochter der amtierenden Stabschefin des Weißen Hauses, Susie Wiles. Ein Geschäft im Schatten von GAESA
Sichtbar ist die Marke Vima in Kuba vor allem in dollarisierten Läden, die von Unternehmen des Militärkonglomerats GAESA verwaltet werden. Unter kubanischen Verbrauchern gilt Vima Berichten zufolge als Anbieter mit schwacher Produktqualität bei hohen Preisen. Der Lobbyvertrag fällt in eine Phase verschärften US-Drucks: Seit Mai 2026 verhängte Washington mehrere Sanktionsrunden gegen kubanische Institutionen und Unternehmen – beginnend mit GAESA selbst, flankiert von der am 1. Mai unterzeichneten Executive Order 14404. Spanische Hotelkonzerne wie Meliá und Iberostar mussten sich aus dem Management mehrerer Häuser zurückziehen, der kanadische Bergbaukonzern Sherritt International verließ nach über drei Jahrzehnten die Insel und verhandelt über den Verkauf von Anteilen an Investoren aus dem Trump-nahen Milieu.
Gegründet wurde die Vima im Januar 1994 auf den British Virgin Islands – laut Unternehmensangaben deshalb, weil die kubanische Investitionsregulierung es damals nicht erlaubte, Firmen mit ausländischem Kapital direkt auf der Insel zu registrieren. Man wich daher auf den nächstgelegenen Standort mit Handelsbeziehungen zu Kuba aus. Firmengründer Víctor Moro Suárez, Sohn eines Politikers der spanischen Transición, lebte 25 Jahre auf der Insel und stand bis 2014 der Vereinigung spanischer Unternehmer in Kuba vor; sein Name tauchte später in den Panama Papers auf, was das Unternehmen als "zufällig" bezeichnete. Seit 2023 führt sein Sohn Víctor Moro Morros-Sarda die Geschäfte, im selben Jahr verlegte die Gruppe ihren Sitz von Panama nach Spanien.
Trotz des Rückzugs zahlreicher Wettbewerber rechnet Vima für 2026 mit einem Umsatz von 250 Millionen US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie 2024 – und plant, diesen Wert binnen fünf Jahren durch Expansion in Europa und Afrika erneut zu verdoppeln. Ob die Lobbyarbeit in Washington auch dem Schutz des Kuba-Geschäfts vor weiteren Sanktionen dienen soll, lässt der offizielle Registereintrag offen.
Autor: Leon Latozke
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