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Kuba versinkt im Dunkeln: Mit dem Beginn des Sommers spitzt sich die Energiekrise weiter zu – Stromausfälle von bis zu 20 Stunden täglich lähmen das öffentliche Leben, lassen Kühlschränke ausfallen und Küchen kalt. Steigenden Temperaturen und eine aktiven Hurrikansaison stellen zusätzliche Herausforderungen.
Abbildung: Symbolbild von Micah Boswell auf Unsplash
Die Energiekrise in Kuba steuert zum Sommerbeginn 2025 auf einen neuen Tiefpunkt zu. Das nationale Stromversorgungssystem ist derart überlastet, dass immer häufiger bis zu 50 Prozent der maximalen Stromnachfrage nicht gedeckt werden können. In der Folge kommt es zu landesweiten Stromausfällen von durchschnittlich 18 bis 20 Stunden täglich – mit teils über 30 Stunden am Stück in besonders betroffenen Regionen. Das Ausmaß der Krise bezeichnete selbst Präsident Miguel Díaz-Canel als „kritisch“. Eine kurzfristige Entspannung ist nicht in Sicht.
Besonders dramatisch zeigt sich die Lage in der westlichen Provinz Pinar del Río. Dort sind Stromabschaltungen völlig unvorhersehbar, was den Alltag vieler Menschen massiv erschwert. Kochen wird in den frühen Morgenstunden erledigt – wenn überhaupt Strom vorhanden ist. Eine flächendeckende Planung der Stromausfälle existiert nicht mehr, auch der Einsatz von Solarpaneelen scheint bislang keine spürbare Entlastung zu bringen. Kontrollierter Stromausfall als Regierungsziel Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft Unión Eléctrica (UNE) bezifferte die durchschnittliche Dauer der Stromabschaltungen im Mai 2025 auf rund 18 Stunden pro Tag. In manchen Provinzen seien zeitweise bis zu 90 Prozent der Stromkreise gleichzeitig vom Netz genommen worden. Ziel sei es, den „Stromausfall wenigstens kontrollierbar“ zu gestalten, zitiert die Nachrichtenagentur EFE den UNE-Direktor Alfredo López, – ganz ohne Ausfälle könne man in absehbarer Zeit jedoch nicht rechnen. Der Energieminister Vicente de la O bekräftigte demnach, dass das Konzept der Regierung auf eine langfristige Sanierung des Stromsektors abzielt. Geplant ist eine Mischung aus weiterhin genutzten, veralteten Wärmekraftwerken, einem stärkeren Fokus auf Gasverstromung und dem Ausbau der Solarenergie. Mit chinesischer Unterstützung sollen bis 2031 rund 100 neue Solarparks errichtet werden, 16 davon sind bereits in Betrieb. Doch Fachleute zweifeln an der Wirksamkeit dieser Strategie. Kritik von Energieexperten: „Nur Flickwerk“ Der in den USA tätige Energieanalyst Jorge Piñón vom Institut für Energie der Universität Texas, selbst kubanischer Herkunft, bewertet die Maßnahmen als unzureichend. Das zugrundeliegende Problem sei strukturell und lasse sich nicht mit einzelnen Projekten oder technischen Ausbesserungen lösen. Die bestehende Infrastruktur, insbesondere die acht thermischen Kraftwerke, sei hoffnungslos veraltet und arbeite lediglich mit rund 40 Prozent ihrer nominalen Kapazität. Piñón zieht gegenüber EFE einen drastischen Vergleich: Die kubanischen Kraftwerke seien wie die legendären „Almendrones“, alte US-Autos, die seit Jahrzehnten auf Kuba fahren – egal wie viel Treibstoff man tankt, sie bleiben ineffizient. Auch die verteilten Notstromaggregate im Land leiden unter Wartungsmängeln und Treibstoffmangel, was ihre Verfügbarkeit weiter einschränkt. Um das Stromnetz umfassend zu modernisieren, wären Investitionen in Höhe von acht bis zehn Milliarden US-Dollar erforderlich, schätzt Piñón. Selbst die geplanten Solarparks stellen nach Ansicht des Experten keine nachhaltige Lösung dar – nicht zuletzt, weil sie ohne leistungsfähige Speicherbatterien konzipiert werden. Ohne diese könnten sie bei Nacht oder bewölktem Himmel keine stabile Versorgung gewährleisten. Es droht somit eine Fortsetzung der Stromausfälle, wenn auch mit vermeintlich „grüner“ Technik. US-Sanktionen und interne Defizite Die kubanische Regierung sieht die US-Sanktionen als Hauptursache der Energiekrise. Sie erschweren den Import von Treibstoff und Ersatzteilen erheblich. Piñón bestätigt, dass die Sanktionen durchaus ein Hindernis darstellen, sieht die Wurzeln der Misere aber tiefer: In einem über Jahrzehnte vernachlässigten System, in dem grundlegende Investitionen ausgeblieben sind. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Energiekrise sind gravierend. Produktionsausfälle, Versorgungsengpässe, eine erschwerte Nahrungsmittelzubereitung und der Ausfall von Klimaanlagen in der Sommerhitze belasten die Bevölkerung schwer. Auch kleinere Proteste in verschiedenen Landesteilen haben in den letzten Wochen zugenommen – eine Entwicklung, auf die die kubanische Führung bisher nicht öffentlich reagiert hat. Ein heißer, ungewisser Sommer Die Aussichten für den Sommer 2025 sind düster. Neben der bereits existierenden Überlastung des Systems drohen mit steigenden Temperaturen und einer aktiven Hurrikansaison zusätzliche Herausforderungen. Auch an Flüssiggas (LPG), das vielerorts zum Kochen verwendet wird, mangelt es. Die Kombination aus strukturellen Schwächen, veralteter Technik, fehlenden Devisen und geopolitischen Spannungen lässt kaum Raum für Optimismus. So bleibt am Beginn des kubanischen Sommers eine ernüchternde Bilanz: Eine Lösung der Energiekrise ist nicht in Sicht, die sozialen Spannungen nehmen zu – und das Vertrauen in staatliche Ankündigungen schwindet. Während sich die Regierung bemüht, mit internationalen Partnern wie China neue Projekte zu lancieren, bleibt die Realität für viele Kubanerinnen und Kubaner düster – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
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Text: Leon Latozke
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