Neues aus Kuba
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Kubas öffentliche Verkehrsmittel stehen vor dem Kollaps. Nach verschärften US-Sanktionen und drastischer Treibstoffrationierung bleiben Busse aus, Taxifahrer ohne Benzin und Pendler auf sich gestellt.
20.02.2026 18:30 Uhr
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: El racionamiento de de combustible en Cuba paraliza el transporte público y golpea la vida diaria von AGENCIA EFE. Bild von YouTube, Rechte beim Uploadenden.
In Havanna wird das Ausmaß der Transportkrise greifbar: Wer morgens zur Arbeit will, braucht Geduld – oder robuste Schuhe. Seit der drastischen Einschränkung der Treibstoffversorgung steht der öffentliche Verkehr auf der Karibikinsel faktisch am Rand des Zusammenbruchs. Auslöser ist der verschärfte Druck aus Vereinigte Staaten, das im Januar Staaten mit Zöllen drohte, sollten sie weiterhin Öl nach Kuba liefern.
Die Folgen dieser Maßnahme treffen eine Volkswirtschaft, die sich bereits seit Jahren in einer schweren Krise befindet. Die Regierung in Havanna reagierte mit einem Notfallplan: weniger Busse, strikte Treibstoffzuteilung, stärkere Kontrollen. Benzin und Diesel sind zur Mangelware geworden, die Preise auf dem informellen Markt explodieren. Alltag zwischen Wartebank und Fußmarsch Für viele Kubaner bedeutet das eine radikale Umstellung. Ein 35-jähriger Marktverkäufer legt, wie der Nachrichtenagentur EFE berichtet, inzwischen täglich rund 20 Kilometer zu Fuß zurück. Die Alternative – private Transportmittel oder Taxis – würde nach seinen Angaben etwa ein Sechstel seines Monatslohns verschlingen. Angesichts eines Durchschnittseinkommens von rund 6.000 Pesos ist das für die meisten untragbar. An den Haltestellen zeigt sich die neue Normalität: Entweder drängen sich Menschenmengen in der Hoffnung auf einen der seltenen Busse – oder die Bänke bleiben leer, weil viele aufgegeben haben. Ein 71-jähriger Rentner wartet stundenlang in der Mittagshitze auf eine „Guagua“, um zum Bahnhof zu gelangen. Seine Rente von 2.000 Pesos entspricht auf dem informellen Markt nur wenigen Dollar. „Es reicht weder zum Leben noch zum Fahren“, zitiert ihn EFE. Schwarzer Markt als Ventil – und Risiko Mit dem Ausbleiben regulärer Lieferungen sind zahlreiche Tankstellen geschlossen. Andere verkaufen nur noch gegen Devisen, verbunden mit digitalen Wartelisten, auf denen Fahrer teils monatelang auf eine Zuteilung von maximal 20 Litern hoffen. Diese Rationierung hat den Schwarzmarkt befeuert: Dort kostet ein Liter Benzin bis zur Hälfte eines durchschnittlichen Monatsgehalts. Die Folge ist eine ökonomische Schieflage im Kleinen. Taxifahrer berichten, sie stünden faktisch still. Ohne Treibstoff keine Einnahmen – und ohne Einnahmen kein Treibstoff. Ein Teufelskreis, der besonders ältere Selbstständige hart trifft. Manche weichen auf Fahrräder aus, um nicht in die Kostenfalle zu geraten. Andere erwägen die Emigration. Die Aussage, das Land sei „kaum noch bewohnbar“, fällt inzwischen offen. Elektrische Hoffnung mit begrenzter Reichweite Profiteure der Situation scheinen zunächst Betreiber elektrischer Dreiräder zu sein. Ihre Fahrzeuge benötigen keinen Benzinmotor, und in Zeiten leerer Straßen ist die Nachfrage hoch. Doch auch hier zeigt sich die strukturelle Verwundbarkeit des Systems: Häufige Stromausfälle verhindern eine zuverlässige Aufladung der Batterien. Ein Fahrer berichtet, er müsse seinen Einsatz genau planen, um genügend Restladung für den nächsten Tag zu sichern. Früher halfen private Generatoren – doch auch diese benötigen Diesel, der nun fehlt. So wird selbst der elektrische Verkehr indirekt von der Treibstoffknappheit erfasst. Ein Land im Krisenmodus Die aktuelle Lage verdeutlicht, wie stark Kubas Wirtschaft von externer Energieversorgung abhängt. Der neue Sanktionsdruck aus Washington wirkt wie ein Katalysator: Er beschleunigt Entwicklungen, die sich bereits seit Jahren abzeichnen. Fehlende Devisen, sinkende Produktivität und Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte bilden den Hintergrund, vor dem die Transportkrise nun eskaliert. Gleichzeitig zeigt sich eine gesellschaftliche Resilienz, die viele Beobachter als typisch kubanisch beschreiben würden. Eine 80-jährige Frau, seit Stunden allein an einer Haltestelle, bringt es nüchtern auf den Punkt: Man sei es gewohnt, mit Schwierigkeiten zu leben. Diese Gelassenheit ist Überlebensstrategie – und stiller Kommentar zur Dauerkrise. Ob die Maßnahmen der Regierung ausreichen, um die Mobilität zumindest teilweise wiederherzustellen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Ohne nachhaltige Lösung der Energiefrage droht der Stillstand zum Dauerzustand zu werden – mit weitreichenden Folgen für Wirtschaft, Alltag und soziale Stabilität auf der Insel.
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