Neues aus Kuba
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Zwischen Januar und Mai 2025 importierte Kuba Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte im Wert von knapp 205 Millionen US-Dollar aus den Vereinigten Staaten – ein Anstieg von über 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Kuba hat in den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von rund 204,9 Millionen US-Dollar aus den Vereinigten Staaten eingeführt. Das geht aus aktuellen Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums hervor. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg von rund 16,6 Prozent.
Hauptposten der Importe bleibt wie in den Vorjahren Geflügelfleisch. Allein im Mai 2025 wurden Hähnchenprodukte im Wert von 15,7 Millionen US-Dollar eingeführt – das entspricht rund 42 Prozent des monatlichen Gesamtvolumens. Bereits im Januar waren die US-Ausfuhren von Geflügel nach Kuba im Vergleich zum Dezember 2024 sowohl im Wert als auch in der Menge deutlich gestiegen. Der durchschnittliche Preis für US-amerikanisches Hähnchenfleisch lag im Januar bei rund 1,28 US-Dollar pro Kilogramm. Die Ware ist für den kubanischen Markt damit vergleichsweise günstig und stellt für viele Haushalte eine der wenigen verfügbaren Proteinquellen dar. Neben dem Staat als traditionellem Hauptimporteur treten zunehmend auch privatwirtschaftliche Akteure auf – insbesondere sogenannte MIPYMES, also Mikro-, Klein- und Mittelunternehmen. Dies spiegelt die vorsichtige Öffnung des kubanischen Außenhandels unter Beibehaltung zentraler staatlicher Kontrolle wider. Neben Geflügel wurden auch weitere Grundnahrungsmittel importiert. Auffällig ist der hohe Wert von Milchpulverlieferungen im Mai 2025 – insgesamt 7,36 Millionen US-Dollar. Weitere Posten sind Reis (1,1 Mio. USD), Schweinefleisch (3,8 Mio. USD) und Kaffee (rund 480.000 USD). Auch medizinische Produkte wurden im Wert von 52.000 US-Dollar eingeführt. Diese Importstruktur dokumentiert eine weitgehende Abhängigkeit Kubas von externen Versorgungsquellen. Viele dieser Produkte wurden noch vor wenigen Jahrzehnten in nennenswertem Umfang im Land selbst produziert. Die aktuelle Situation ist hingegen Ausdruck einer anhaltenden Krise in der heimischen Landwirtschaft. Niedrige Erträge, mangelhafte Infrastruktur, eingeschränkter Zugang zu Betriebsmitteln sowie strukturelle Ineffizienzen gelten als zentrale Ursachen. Rechtlich ermöglicht werden die Importe durch den „Trade Sanctions Reform and Export Enhancement Act“ (TSREEA) aus dem Jahr 2000. Er erlaubt trotz des US-Embargos den Verkauf von landwirtschaftlichen und humanitären Gütern an Kuba. Seit Inkrafttreten der Regelung im Dezember 2001 summieren sich die US-Lebensmittelexporte auf insgesamt rund 7,9 Milliarden US-Dollar. Neben Lebensmitteln nimmt auch der Fahrzeughandel eine zunehmende Rolle ein. Zwischen Januar 2023 und Mai 2025 hat Kuba über 115 Millionen US-Dollar für den Import neuer und gebrauchter Fahrzeuge sowie Ersatzteile ausgegeben. Allein im laufenden Jahr beträgt der bisherige Wert über 20,5 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen US-Spenden im Umfang von 10,7 Millionen US-Dollar, unter anderem für humanitäre Hilfsgüter. Trotz des Umfangs dieser Lieferungen verweist die kubanische Regierung weiterhin auf die US-Sanktionen als Hauptursache für Versorgungsengpässe. Kritiker werfen ihr vor, die tatsächlichen Spielräume, die das US-Sanktionsrecht lässt, nicht ausreichend öffentlich zu machen und zugleich notwendige Reformen in der heimischen Landwirtschaft zu vernachlässigen. Die vorliegenden Zahlen belegen eine fortbestehende strukturelle Importabhängigkeit bei gleichzeitiger Reformträgheit im Agrarsektor. Ohne die legale Einfuhr von US-Lebensmitteln wäre die derzeitige Grundversorgung der Bevölkerung kaum aufrechtzuerhalten. Der wachsende Anteil privatwirtschaftlicher Akteure signalisiert zwar Bewegung im kubanischen Wirtschaftssystem, doch eine grundlegende Wende in der landwirtschaftlichen Eigenproduktion ist bislang nicht erkennbar.
Quelle: USDA United States Department of Agriculture (https://t1p.de/m23c6)
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Text: Leon Latozke
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