Neues aus Kuba
Kuba in der Energiekrise: Verkauft Havanna venezolanisches Öl, während die Bevölkerung leidet?28/1/2026
Trotz massiver Stromausfälle und akuter Treibstoffknappheit soll Kuba einen Großteil des von Venezuela erhaltenen subventionierten Öls weiterverkauft haben. Nach US-Regierungsangaben gingen bis zu 60 Prozent der Lieferungen nach Asien, während die Bevölkerung unter Versorgungsengpässen leidet. Die US-Analysen werfen ein Schlaglicht auf die Rolle der Militärholding GAESA.
28.01.2026 11:30 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Trotz massiver Versorgungsengpässe und täglichen Stromabschaltungen hat die kubanische Regierung im vergangenen Jahr den Großteil des von Venezuela subventionierten Öls weiterverkauft. Das sollen Angaben eines hochrangigen US-Regierungsvertreters belegen, die dem Miami Herald vorliegen, erhielt Kuba von Ende 2024 bis Ende 2025 täglich rund 70.000 Barrel Rohöl und raffinierte Produkte im Wert von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar aus Caracas. Laut US-Informationen wurden etwa 40.000 Barrel täglich – rund 60 Prozent der Lieferungen – nach Asien weiterverkauft, vor allem vermutlich an China.
Die Enthüllungen heben einen Widerspruch hervor: Während die kubanische Bevölkerung unter stundenlangen Stromausfällen, Benzinrationierung und einem weitreichenden Mangel an Treibstoff leidet, werden gleichzeitig wertvolle Subventionen ins Ausland geleitet. Ein US-Vertreter kommentierte dies gegenüber dem Miami Herald: „Die illegitime kubanische Regierung priorisiert ausschließlich die Bereicherung ihres Apparates, während das kubanische Volk die Konsequenzen trägt.“ Die Recherchen stützen sich auf bislang nicht veröffentlichte Analysen der US-Regierung. Frühere investigative Berichte hatten bereits nahegelegt, dass die kubanische Militärholding GAESA über enorme liquide Mittel verfügt. Nach den vorliegenden Unterlagen verfügte GAESA im März 2024 über rund 18 Milliarden US-Dollar in liquiden Vermögenswerten, davon 14,5 Milliarden auf unbekannten Auslandskonten. Die Faktenlage über die tatsächlichen Öllieferungen war bislang unklar. Während US-Beamte von 70.000 Barrel pro Tag sprechen, geht der unabhängige Energieexperte Jorge Piñón von der University of Texas anhand öffentlicher Tankerdaten von lediglich etwa 30.000 Barrel täglich aus. Reuters veröffentlichte eine ähnliche Schätzung von 27.000 Barrel pro Tag, basierend auf Daten des venezolanischen Staatskonzerns PDVSA. Ein erheblicher Teil des Transports erfolgt über sanktionierte Schiffe der sogenannten „Dark Fleet“, die Standortsignale abschalten oder manipulieren, um Kontrollen zu umgehen. Historische Abhängigkeit von Venezuela Die subventionierte Ölversorgung Kubas durch Venezuela geht auf Vereinbarungen zwischen Hugo Chávez und Fidel Castro zurück und wurde unter Nicolás Maduro fortgeführt. Im Gegenzug entsandte Kuba Ärzte nach Venezuela, stellte Berater für das Militär und Sicherheitsapparate ab und unterstützte die venezolanische Regierung bei Software- und Telekommunikationsdiensten. Laut Recherchen der venezolanischen Investigativplattform Armando Info war die kubanische Universität für Informationswissenschaften an der Entwicklung des Systems beteiligt, das venezolanische Bürger für Wahlen registriert. Die Zusammenarbeit war eng: Während der US-Militäraktion im Januar 2026 zur Gefangennahme Maduros und seiner Frau Cilia Flores in Caracas berichtete kubanische Staatsmedien über den Einsatz kubanischer Offiziere zum Schutz des venezolanischen Präsidentenpaares. Insgesamt starben bei der Operation 32 Personen, weitere kubanische Offiziere wurden verletzt. Die US-Regierung bezeichnete die kubanische Einflussnahme auf Venezuela als eine Form der „Kolonialisierung“. Politische Konsequenzen und Blockadegedanken Die Ölbeziehungen zwischen Kuba und Venezuela scheinen sich mit dem Sturz Maduros und der neuen US-Politik drastisch zu verändern. Präsident Donald Trump erklärte öffentlich, Kuba werde künftig kein Öl mehr aus Venezuela erhalten. Gleichzeitig drängt die US-Regierung das Übergangskabinett Venezuelas unter Delcy Rodríguez, die Beziehungen zu Kuba und anderen Staaten, die als US-Gegner gelten, abzubrechen. Laut Berichten von Politico wird auch überlegt, eine vollständige Marineblockade zu verhängen, um Öltransporte zu stoppen. Ziel ist es, den wirtschaftlichen Druck auf die kubanische Regierung zu erhöhen, um eine politische Veränderung auf der Insel zu beschleunigen. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel betonte in einem Telefonat mit Rodríguez seine Solidarität mit der Bolivarischen Republik und bekräftigte die Absicht, die historische „Bruderschaft und Kooperation“ zwischen beiden Staaten fortzuführen. Weder Díaz-Canel noch Rodríguez gingen auf die brisante Frage der Öltransporte oder der kubanischen Helfer in Venezuela ein. Auswirkungen auf die kubanische Bevölkerung Die Unterbrechung der Ölversorgung hat unmittelbar zu einer schweren Energiekrise geführt. Über die gesamte Insel kommt es zu stundenlangen Stromausfällen, die in Städten wie Perico, Matanzas, bis zu 32 Stunden am Stück andauern. Die kubanische Stromgesellschaft meldet, dass neun Kraftwerkseinheiten entweder außer Betrieb sind oder sich in Wartung befinden. Auch die dezentrale Stromproduktion über kleine, netzgekoppelte Einheiten liegt nahezu brach, da der Diesel fehlt. Am Wochenende berichteten Bewohner von weitreichenden Stromabschaltungen, in Havanna war ein Großteil der Stadt betroffen, und über 60 Prozent des Landes sollten am Montagabend während der Spitzenlast erneut ohne Strom sein. Die Unterversorgung mit Benzin verschärft die Lage zusätzlich. Ohne Treibstoff kommt nicht nur der Verkehr nahezu zum Erliegen, sondern auch die Stromversorgung, da Dieselgeneratoren für Notstrom nicht betrieben werden können. Ökonomische und politische Implikationen Die Reselling-Praxis des kubanischen Regimes verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen internationalen Subventionen, staatlicher Kontrolle und der ökonomischen Realität vor Ort. Die Einnahmen aus dem Weiterverkauf des venezolanischen Öls fließen offensichtlich nicht in die Strominfrastruktur, die Gesundheitsversorgung oder andere Grundbedarfe der Bevölkerung. Stattdessen akkumuliert die militärische Führung erhebliche Vermögenswerte in Auslandskonten. Analysten warnen, dass die Kombination aus Ölblockade, interner Ressourcenknappheit und politischer Stagnation zu einer tiefgreifenden sozialen Krise führen könnte. Die kubanische Regierung steht vor der Herausforderung, sowohl die Stromversorgung zu stabilisieren als auch den wirtschaftlichen Druck durch die US-Sanktionen abzufedern. Gleichzeitig wird die politische Legitimität des Regimes zunehmend infrage gestellt, da die Bevölkerung die Auswirkungen der Energieknappheit direkt zu spüren bekommt. Die aktuelle Situation zeigt die Fragilität des kubanischen Wirtschaftsmodells, das stark auf venezolanische Subventionen angewiesen ist. Mit dem Ausbleiben dieser Lieferungen steht die Insel vor einem bislang nicht dagewesenen ökonomischen und sozialen Druck. Ob Kuba diesen Herausforderungen politisch und wirtschaftlich gewachsen ist, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.
Der Artikel wurde zuerst bei Mundus Novus 24 veröffentlicht.
Autor: Leon Latozke
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