Neues aus Kuba
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Kuba steckt in einer tiefen Dauerkrise – verschärft durch neue US-Sanktionen unter Donald Trump. Das wirft die Frage auf, ob Unterstützung für die notleidende Bevölkerung möglich ist, ohne zugleich das autoritäre System in Havanna zu stabilisieren oder die Sanktionspolitik der USA indirekt zu verstärken.
19.02.2026 08:20 Uhr
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Kuba steht nach Einschätzung zahlreicher Beobachter am Rand eines umfassenden Staatsversagens. Der jüngste von US-Präsident Donald Trump verhängte verschärfte Erdöl-Boykott gegen die Insel hat die Lage weiter zugespitzt. Doch die Debatte über humanitäre Hilfe offenbart ein Dilemma: Wie kann die internationale Gemeinschaft die kubanische Bevölkerung unterstützen, ohne zugleich das autoritäre System in Havanna zu stabilisieren – oder sich der Strategie Washingtons anzuschließen, die auf maximale ökonomische Erstickung setzt?
„Fassungslosigkeit, Ohnmacht, Unsicherheit – und natürlich noch mehr Stress“, beschreibt der Historiker und Menschenrechtsaktivist Manuel Cuesta Morúa aus Havanna in einem Artikel der Deutschen Welle (DW) die Stimmung im Land. Die Meinungen über den Kurs der USA seien gespalten. Manche hofften, jeder Druck könne helfen, das politische System zu überwinden. Andere lehnten dies ab. Einig seien sich jedoch viele Kubaner in ihrer tiefen Unzufriedenheit mit der eigenen Regierung. Der im Exil lebende Journalist Abraham Jiménez Enoa bringt diese Ambivalenz auf eine zugespitzte Formel: „Nieder mit dem Castroismus! Und nieder mit Trump!“ Ein Ende des Regimes wäre für viele eine gute Nachricht, schreibt er sinngemäß, so DW Doch würde dieser Umbruch infolge einer „unmenschlichen Erstickungsstrategie“ Washingtons erfolgen, bliebe er überschattet – zumal die Sanktionen vor allem die Bevölkerung träfen, nicht die politischen Eliten. Dauerkrise vor der jüngsten Eskalation Schon vor der jüngsten Verschärfung aus Washington befand sich Kuba in einer multiplen Dauerkrise. Die Regierung macht traditionell das US-Embargo verantwortlich, Kritiker verweisen auf strukturelle Defizite des Wirtschaftsmodells und fehlenden politischen Pluralismus. Die Symptome sind offenkundig: Mangel an Treibstoff, Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Grundgütern. Gescheiterte Wirtschaftsreformen. Ständige Stromausfälle. Zunehmend marode Schulen und Krankenhäuser. Eine Rekordauswanderung, die auch qualifizierte Fachkräfte erfasst. Müllberge in den Straßen, die Anwohner teils selbst anzünden. Eine gleichzeitige Dengue- und Chikungunya-Welle mit tausenden Erkrankten. Berichte über fehlende Särge und Bestattungstransporte. Wachsende Wahlenthaltung, öffentliche Proteste und politische Repression. Für viele Kubaner war der staatliche Kontrollverlust bereits spürbar, bevor die jüngste US-Maßnahme die Gefahr eines völligen Stillstands heraufbeschwor. „Nicht alle wollen dieselben Veränderungen, aber alle wollen Veränderungen“, sagt Cuesta Morúa, der auch dem Rat für einen demokratischen Übergang in Kuba vorsteht, gegenüber DW. Selektive Solidarität und geopolitische Interessen Während Washington den Druck erhöht, haben sich andere Staaten zu Hilfsleistungen bereit erklärt. Neben Russland und China engagieren sich auch Regierungen aus Lateinamerika und Europa. Mexiko lieferte jüngst mit Militärschiffen hunderte Tonnen Hilfsgüter. Auch Chile und Spanien sagten Unterstützung zu. Zugleich sorgt die Ankündigung einer internationalen humanitären Flottille für Kontroversen – insbesondere unter Exilkubanern, denen die Rückkehr ins Land verwehrt werde. Organisiert wird die Initiative von der linksgerichteten Organisation Internacional Progresista, zu deren Beraterinnen auch Mariela Castro zählt, Tochter des früheren Staatschefs Raúl Castro. Die Politikanthropologin Hilda Landrove kritisiert, viele dieser Initiativen gingen mit einer „unkritischen Solidarität“ einher. Teile der internationalen Linken stilisierten Kuba weiterhin als zu verteidigende Revolution und blendeten die Mitverantwortung der Regierung für die interne Krise ebenso aus wie Menschenrechtsverletzungen und politische Gefangene. Auch Cuesta Morúa spricht von „selektiver Solidarität“. Die mythische Überhöhung des Systems verhindere eine realistische Analyse. Die Idee einer Flottille sei in diesem Kontext „halbwegs absurd“, argumentiert Landrove, da kein physischer Blockadezustand bestehe, der Hilfslieferungen verhindere – anders als etwa in Gaza. Die jüngsten mexikanischen Lieferungen belegten, dass Hilfsgüter die Insel durchaus erreichen könnten. In Chile wurde die Hilfszusage der linken Regierung von Präsident Gabriel Boric innenpolitisch angegriffen. Sein designierter Nachfolger José Antonio Kast warf ihm vor, einer Diktatur direkte Unterstützung zu gewähren. Boric wiederum regte eine Vermittlung durch den Papst an, um eine nachhaltige Lösung zu finden, die demokratische Fortschritte und Menschenrechte einschließt. Zwischen Regime und Sanktionen: Gibt es einen dritten Weg? Landrove erkennt bei vielen Unterstützern durchaus eine genuine Sorge um die humanitäre Lage – ebenso wie eine Kritik an der geopolitischen Ambition der USA, Lateinamerika als eigene Einflusszone gegenüber Russland und China zu behaupten. Gleichzeitig warnen beide Expertengleichzeitiger vor gleichzeitigen internem und externem Druck, vor einer „doppelten Asphyxie“: einerseits durch ein politisches System, das seinen historischen Zyklus überschritten habe, andererseits durch die von außen verschärfte wirtschaftliche Strangulierung. Selbst in Washington scheine man zu erkennen, dass ein völliges Unregierbar-Machen des Landes das autoritäre Ausnahme-Staat-Modell eher stabilisieren könnte. Tatsächlich kooperieren die USA offenbar mit der katholischen Kirche bei direkten humanitären Lieferungen. Laut Berichten erwägt Washington sogar Treibstofflieferungen, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Cuesta Morúa plädiert daher für eine doppelte Strategie: kurzfristige humanitäre Hilfe und zugleich internationaler Druck auf die kubanische Regierung, tiefgreifende Reformen einzuleiten, einen ernsthaften Dialog mit der Gesellschaft zu führen und eine Amnestie sowie die Entkriminalisierung von Dissens zu beschließen. Landrove formuliert es ähnlich: Humanitäre Hilfe könne akutes Leid lindern, sei aber keine strukturelle Lösung. Diese liege im Ende der Diktatur, in der Freilassung politischer Gefangener und im Ende der Repression. Viele Kubaner im In- und Ausland unterstützten seit Jahren genau diese Forderungen. Ihr Ziel sei nicht bloß eine temporäre Linderung von Mangel, sondern ein politischer Wandel, der die dauerhafte Abhängigkeit von externer Hilfe überwindet.
Quelle: DW (https://t1p.de/0fdxt)
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