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Kuba steht vor einer historischen Energiekrise: Treibstoffmangel bedroht Stromversorgung, Transport und medizinische Versorgung. Doch selbst traditionelle Verbündete wie Russland, China oder Mexiko belieben zurückhaltend und leisten nur begrenzte Hilfe.
20.02.2026 09:40 Uhr
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Die Krise in Kuba verschärft sich durch die Blockadepolitik der USA dramatisch. Die USA kontrollieren mittlerweile die Ölexporte aus Venezuelas, bisher Hauptölquelle der Karibikinse, und setzen potenzielle Lieferanten Kubas unter Druck. Infolge dessen steht Kuba vor der schwersten Krise seit der Revolution von 1959, die die Energieversorgung und damit das tägliche Leben von Millionen Kubanerinnen und Kubanern bedroht. Das Land produziert nur die Hälfte des benötigten Stroms selbst, und die Benzin- und Dieselreserven neigen sich dem Ende zu. Besonders prekär ist die Lage für Schwangere: Nach offiziellen Angaben sind 32.000 Frauen von akuter Unterversorgung betroffen.
Ein Artikel der NZZ beleuchtet den Beistand, den Kuba durch traditionell verbündete Länder erfährt, und kommt zu den Schluss, dass Kubas Hoffnung auf Unterstützung durch die einstigen Bruderländer bislang weitgehend enttäuscht wurde. Russland, das im Oktober 2025 ein Militärabkommen mit Havanna unterzeichnet hatte, äußerte zwar prinzipielle Hilfsbereitschaft, zog jedoch die Zusagen für Öl zurück. Als Grund nennt der Kreml demnach die drohenden amerikanischen Sanktionen, die bereits zu Beschlagnahmungen russischer Tanker im Atlantik und Indischen Ozean geführt haben. Brasilien, traditionell ein Unterstützer Kubas, reagiert zurückhaltend. Gewerkschaften der brasilianischen Ölindustrie fordern Präsident Lula da Silva auf, Treibstoff zu liefern, doch dieser wartet zunächst auf ein Treffen mit Donald Trump im März 2026. China zeigt sich rhetorisch hilfsbereit, konkrete Lieferungen bleiben jedoch aus. Andere frühere Bruderstaaten wie Angola, Moçambique und Algerien schweigen, betont die NZZ. Vietnam konnte lediglich 250 Tonnen Reis bereitstellen, und Chile sowie Spanien liefern symbolische Beträge in Höhe von rund einer Million Dollar bzw. Euro. Mexiko, das 2025 noch täglich etwa 10.000 Barrel Öl nach Kuba lieferte, musste geplante Lieferungen im Januar 2026 absagen, verhandelt aber derzeit über eine Wiederaufnahme als Teil humanitärer Hilfe. Immerhin wurden Anfang Februar 2026 800 Tonnen Lebensmittel geliefert. Um die internationale Aufmerksamkeit zu erhöhen, vergleicht die kubanische Regierung die Situation auf der Insel mit dem Gazastreifen. Karikaturen und Social-Media-Beiträge sollen den Eindruck erwecken, dass Kuba unter einem gezielten Angriff durch die USA leidet, weiß der NZZ-Artikel und verweist auf Historiker wie den Kubaner Rafael Roja, die in diesen Kampagnen nur begrenzte Wirkungsehen , da die internationale Legitimität Kubas durch autoritäre Strukturen, Unterdrückung von Opposition und restriktive Maßnahmen seit 2021 stark geschwächt ist. Darüber hinaus zeigen sich weitere Auswirkungen der US-Sanktionspolitik: Nicaragua beendet die Visafreiheit für Kubaner, eine wichtige Ausreisemöglichkeit wird geschlossen. Guatemala kündigt das Abkommen über den Einsatz kubanischer Ärzte, zuvor hatten auch Paraguay, die Bahamas und Guyana ähnliche Schritte unternommen. Diese Maßnahmen entziehen Kuba dringend benötigte Devisen, während Armut und Elend auf den Straßen der Hauptstadt deutlich sichtbar werden. Die aktuelle Situation offenbart die wachsende Isolation Kubas: Die traditionellen Unterstützerstaaten zeigen sich opportunistisch und vermeiden Konflikte mit Washington. Kuba steht damit vor einer der größten Herausforderungen seit dem Ende der Sowjetunion und dem Verlust Venezuelas als Öllieferant. Die Inselregierung versucht, durch internationale Solidaritätskampagnen Druck zu erzeugen, stößt jedoch auf das begrenzte Engagement selbst ehemaliger Verbündeter. Experten gehen davon aus, dass der Druck aus den USA, kombiniert mit interner wirtschaftlicher Schwäche, Havanna zu weiteren Zugeständnissen und diplomatischen Kompromissen zwingen könnte. Insgesamt zeigt sich, dass Kubas einstige Bruderländer in der Praxis vor allem auf die Wahrung eigener Interessen achten. Das Land sieht sich zunehmend auf sich allein gestellt – und die sozialen, ökonomischen und humanitären Herausforderungen nehmen rapide zu.
Quelle: NZZ (https://t1p.de/zco19)
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