Neues aus Kuba
|
Die Inflation auf Kubas staatlich regulierter Markt ist im November 2025 leicht gesunken und liegt bei 14,95 Prozent. Damit bricht eine monatelange Aufwärtstendenz, Ökonomen warnen jedoch, dass die reale Inflation, die auch den informellen Markt umfasst, deutlich höher liegen dürfte.
10.12.2025 10:15 Uhr
![]()
Die Inflation auf dem formellen Markt Kubas ist im November 2025 leicht zurückgegangen. Die offizielle Inflationsrate, veröffentlicht von der Nationalen Statistik- und Informationsbehörde (ONEI), sank auf 14,95 Prozent gegenüber 15,41 Prozent im Oktober. Damit wurde eine monatelange Aufwärtstendenz unterbrochen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Rückgang besonders markant: Im November 2024 lag die Inflationsrate noch bei 27 Prozent. Die monatliche Preissteigerung gegenüber Oktober betrug 1,01 Prozent, während die kumulierte Steigerung seit Jahresbeginn bei 13,07 Prozent lag.
Ein Blick auf die verschiedenen Konsumkategorien zeigt deutliche Unterschiede. Die höchsten Zuwächse im Jahresvergleich verzeichneten Alkohol und Tabakwaren mit 87,95 Prozent. Es folgen Gastronomie und Hotels mit 23 Prozent, Bildung mit 16,4 Prozent, Wohnungsdienstleistungen mit 14,39 Prozent, Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke mit 14,43 Prozent, Möbel und Haushaltsartikel mit 13,07 Prozent sowie diverse Güter und Dienstleistungen mit 13 Prozent. Am niedrigsten blieb die Inflation im Bereich Kommunikation (0,48 Prozent), trotz eines deutlichen Preissprungs für Mobilfunkrecharge im Mai, der zu Protesten und Kontroversen führte. Ökonomische Schätzungen gehen davon aus, dass die realen Preissteigerungen – die neben dem formellen auch den gut besetzten informellen Markt berücksichtigen – deutlich höher liegen. Der kubanische Wirtschaftswissenschaftler Pavel Vidal schätzt die Inflation für 2025 auf etwa 70 Prozent. Offizielle Statistiken zeigen, dass die Inflation seit 2020 die Preise auf der Insel mehr als verdreifacht hat: Das Verbraucherpreisindex (VPI) lag 2021 bei über 77 Prozent, 2022 bei 39,07 Prozent, 2023 bei 31,34 Prozent und 2024 bei 24,88 Prozent. Die Wirtschaft Kubas steckt seit über fünf Jahren in einer tiefgreifenden Krise. Grundlegende Güter wie Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff sind knapp, die Energieversorgung instabil und die alltäglichen Stromausfälle langwierig. Gleichzeitig belasten eine hohe Inflation, eine schrumpfende Wirtschaft, die wachsende Nutzung des US-Dollars und strukturelle Defizite die nationale Ökonomie. Offiziellen Angaben zufolge schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024 um 1,1 Prozent, was die kumulierte Fünfjahreskontraktion auf rund elf Prozent bringt. Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) prognostiziert für 2025 ebenfalls ein negatives Wachstum. Die Ursachen für die anhaltende Krise sind vielfältig: Die Covid-19-Pandemie belastete die ohnehin fragile Wirtschaft schwer, die US-Sanktionen unter den Regierungen Trump und Biden verschärften die Probleme, und nationale Wirtschafts- und Währungspolitiken konnten die strukturellen Defizite nicht ausgleichen. Die Folgen sind spürbar: Neben einer steigenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung zeigen sich soziale Spannungen in Form ungewöhnlicher Proteste und einer bislang beispiellosen Migrationswelle. Trotz des leichten Rückgangs der offiziellen Inflationsrate bleibt die wirtschaftliche Lage in Kuba angespannt. Für die Bevölkerung sind die steigenden Preise im Alltag weiterhin spürbar, und die strukturellen Herausforderungen der kubanischen Wirtschaft bestehen unverändert fort. Die jüngste Entwicklung auf dem formellen Markt bietet daher nur eine begrenzte Entlastung inmitten einer langanhaltenden Krise.
Quelle: Swissinfo/EFE (https://t1p.de/yf3ik)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed