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30.06.2026 08:00 Uhr
Die digitale Infrastruktur Kubas gerät unter Druck: In Havanna verschwinden öffentliche WLAN-Zonen, die seit 2015 vielen Kubanern den ersten Zugang zum globalen Internet ermöglichten. Parallel berichten Bewohner von einer immer löchrigeren Mobilfunkabdeckung.
Kubas ohnehin fragiles Datennetz verschlechtert sich offenbar weiter. Nach Berichten aus Havanna baut der staatliche Telekommunikationskonzern ETECSA derzeit öffentliche WLAN-Zonen in mehreren Stadtteilen ab – ohne offizielle Ankündigung oder Begründung. Betroffen sind unter anderem Parks in Centro Habana, etwa an der Kreuzung Galiano/San Rafael, die seit der Einführung öffentlicher Hotspots ab 2015 für viele Kubaner der erste Zugang zum globalen Internet überhaupt waren.
ETECSA hatte ab Juli 2015 schrittweise WLAN-Punkte in Parks und auf Plätzen eingerichtet, nachdem private Internetanschlüsse jahrzehntelang nahezu unmöglich waren. 2018 folgte mobiles Internet (3G, später 4G) für Mobiltelefone, was den charakteristischen Anblick gefüllter Parks mit auf Bildschirme starrenden Menschen zunächst etwas relativierte, da viele Nutzer seither direkt über ihre SIM-Karte online gehen konnten. Der jetzige Abbau der WLAN-Infrastruktur trifft daher vor allem jene, die sich keine durchgängig funktionierende mobile Datenverbindung leisten können oder wollen – mobile Datenpakete gehören bei einem Durchschnittslohn von umgerechnet wenigen Dollar pro Monat zu den teuersten der Region. Parallel dazu klagen Bewohner und Reisende über eine zunehmend löchrige Mobilfunkabdeckung, insbesondere in dicht besiedelten Vierteln wie Centro Habana. Beobachter verweisen auf mehrere mögliche Faktoren: anhaltende Engpässe bei Ersatzteilen und Wartung infolge des US-Embargos, die chronische Stromkrise des Landes mit täglichen, mehrstündigen Abschaltungen, die auch Sendemasten und Netzknoten betreffen, sowie finanzielle Engpässe bei ETECSA selbst. Die Internetkrise reiht sich ein in eine allgemeine Versorgungskrise: Parallel zu Berichten über tagelange Wasserausfälle in einzelnen Vierteln Havannas und eine spürbare Verknappung von Waren in staatlichen, dollarisierten Geschäften zeigt sich ein Bild fortschreitenden infrastrukturellen Verfalls. Die kubanische Regierung hatte zuletzt im Rahmen eines im Juni 2026 von der Nationalversammlung verabschiedeten Pakets von 176 Wirtschaftsreformmaßnahmen Verbesserungen angekündigt, zu denen jedoch bislang keine spezifischen, überprüfbaren Maßnahmen zur Internetinfrastruktur gehören. Im Stadtbild kompensieren informelle Verkehrsmittel zunehmend den Mangel an funktionierendem öffentlichen Nahverkehr: Neben den traditionellen "almendrones" – den US-amerikanischen Oldtimern aus den 1950er-Jahren, die als Sammeltaxis dienen – haben sich motorisierte Dreiräder (Triciclos) als Transportmittel etabliert.
Quelle: 14ymedio (https://t1p.de/aq4rc)
Autor: Leon Latozke
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