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16.08.2026 08:00 Uhr
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Fidel Castro warf ihm vor, Kuba mit Miami-Geld kaufen zu wollen. Heute schlägt Carlos Saladrigas einen Marshallplan für die Insel vor – und kritisiert Havanna und Washington gleichermaßen.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Carlos Saldrigas (2023) Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Carlos Saladrigas, Mitgründer und Vorsitzender der Cuba Study Group in Miami, verlangt von Washington ein radikal anderes Kubakonzept: Die USA sollten sämtliche Sanktionen per Dekret für zwei bis drei Jahre aussetzen und Kuba anschließend ein Wiederaufbauprogramm nach dem Vorbild des Marshallplans anbieten – mit sehr langfristigen, notfalls erlassbaren Krediten für Stromnetz, Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Ordnung. Das sagte der 78-Jährige der spanischen Tageszeitung EL PAÍS.
Saladrigas unterteilt den Weg in zwei Phasen. Zunächst eine Stabilisierungsperiode von drei bis maximal fünf Jahren, in der Steuersystem, Bankwesen und eine belastbare Währung aufgebaut werden müssten – eine Zeit, in der kaum jemand investiere und die Versorgung der Bevölkerung dennoch gesichert werden müsse. Erst danach seien freie Wahlen, eine neue Verfassung und ein offener, öffentlich geführter Verfassungsprozess möglich. Für die USA wäre das nach seiner Rechnung ein Geschäft, vergleichbar mit dem Nachkriegsengagement in Japan. Das im Juni von Präsident Miguel Díaz-Canel angekündigte Maßnahmenpaket hält Saladrigas für notwendig, aber verspätet. Ohne eine von der Politik unabhängige Justiz, ohne verfassungsrechtlich abgesicherte Öffnung und ohne ein Ende des Einparteienmonopols funktioniere keine der Reformen. Die Regierung wolle alles kontrollieren und sei deshalb selbst nicht in der Lage, den Wandel zu steuern. Die Maßnahmen, sagt er ohne Umschweife, seien zum Scheitern verurteilt. Die Glaubwürdigkeitsfrage stellt Saladrigas drastisch: Die kubanische Regierung habe den Vietnamesen – ihren privilegierten Partnern – im vergangenen Jahr sämtliche Devisenkonten eingefroren. Welche Glaubwürdigkeit eine solche Regierung noch haben könne, fragt er, und beantwortet es selbst: keine. Belege für den Vorgang nennt er nicht; seit Jahren klagen ausländische Unternehmen in Kuba darüber, wegen der Devisenknappheit nicht an ihre Guthaben zu kommen. „Kuba ist am Ende des Weges angelangt", sagt Saladrigas. Die Lage verschlechtere sich täglich. Aus eigener Kraft könne sich das Land nicht mehr erholen; die Fähigkeit dazu fehle. Nötig seien tiefgreifende, schnelle und dauerhafte Schritte zur Öffnung der Wirtschaft. Zugleich sieht Saladrigas die Sanktionen als Teil des Problems. Solange Kuba keine Marktwirtschaft gewesen sei, habe das Embargo das Land begrenzt, aber nicht erledigt. In dem Moment, in dem sich die Insel notgedrungen dem Markt öffne, wirke es tödlich, weil Investitionen und Geldzuflüsse ausblieben. Der Trump-Regierung wirft er fehlende Klarheit über ihre Erwartungen vor; die angekündigte Hilfe für eine hungernde Bevölkerung nennt er einen Tropfen auf den heißen Stein, während das vor rund einem halben Jahr verhängte Ölembargo wirke. Havanna wiederum versuche, mit möglichst wenig davonzukommen und die schwierigsten Fragen zu vertagen. Bei aller Kritik an Washington bleibt Saladrigas beim Grundsatz: Er schätze die kubanische Souveränität hoch, für sie sei viel Blut geflossen. Wenn Trump sage, er werde Präsident Kubas sein, treffe ihn das tief. Washington solle Kubas Probleme nicht lösen – das müssten die Kubaner selbst tun. Dass Druck auf eine Regierung ausgeübt werde, die sich Veränderungen verweigert habe, begrüße er allerdings. Barack Obama habe Havanna den Wandel auf dem Silbertablett serviert, die Chance sei nicht genutzt worden. Auf das Exil als Retter zu setzen, hält er nur begrenzt für realistisch. Die emotional stark gebundene und wirtschaftlich erfolgreichste Generation sei alt geworden, ihr Investitionshorizont kurz. Er verweist auf Venezuela: Kaum ein etablierter Exilant kehre zum Investieren zurück. Bleibe das Familienkapital der Überweisungen, das kleine Betriebe wachsen lassen könne – formelles Kapital dagegen komme erst bei stabiler Makroökonomie, funktionierendem Bankensystem und einklagbarem Eigentumsrecht. Der Ansatz sei ohnehin nicht, allein zu investieren, sondern gemeinsam mit Kubanern auf der Insel. Saladrigas, 1948 in Havanna geboren, kam 1961 als Kind im Rahmen der Operation Peter Pan allein nach Florida. Er gründete 1984 die Personaldienstleistungsfirma Vincam Group, die vor ihrem Verkauf im Jahr 2000 als größtes hispanisches Unternehmen ihrer Branche in den USA galt. Fidel Castro griff ihn 2008 in seinen „Reflexionen" an und unterstellte ihm, Kuba mit Miami-Geld übernehmen zu wollen. Erhaltenswert am kubanischen System findet er zwei Bereiche: Gesundheit und Bildung, zugänglich für die gesamte Bevölkerung. Kuba sei sehr effizient darin gewesen, Armut zu verwalten, und katastrophal darin, Wohlstand zu schaffen – ohne Wohlstand aber lasse sich Armut nicht beseitigen.
Quelle: EL PAÍS
Autor: Leon Latozke
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