Neues aus Kuba
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Nach der Zuspitzung der Lage in Venezuela wächst in Lateinamerika die Sorge vor einer neuen Phase US-amerikanischer Machtpolitik. Lateinamerika-Experte Christian Cwik warnt in einem Interview vor wachsendem wirtschaftlichem und geopolitischem Druck auf die Karibik – insbesondere auf Kuba.
31.01.2026 06:30 Uhr
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In Lateinamerika wächst die Sorge vor einer neuen Phase aggressiver US-Außenpolitik unter Präsident Donald Trump. Auslöser ist die angespannte Lage in Venezuela, die nach Einschätzung des Lateinamerika-Experten Christian Cwik als Signal für weitere Staaten in der Region verstanden werden müsse. In einem Interview mit der der Kleinen Zeitung zeichnet Cwik das Bild einer geopolitisch hochvolatilen Situation, in der insbesondere Kuba als potenziell nächstes Ziel unter erhöhtem Druck steht.
Cwik beschreibt das Verhältnis zwischen Venezuela und den USA derzeit als widersprüchlich und schwer kalkulierbar. Zwar gebe es Anzeichen einer wirtschaftlichen Annäherung, vor allem im Energiesektor, doch sei diese von starken Machtasymmetrien geprägt. Der erneute Verkauf venezolanischen Erdöls an die USA erinnere in seiner Struktur eher an koloniale Abhängigkeiten als an eine gleichberechtigte Partnerschaft. Gleichzeitig sende die venezolanische Führung widersprüchliche Signale: Während sie öffentlich auf Souveränität poche, deuteten informelle Gespräche mit Washington auf Zugeständnisse hin. Welche Abmachungen tatsächlich bestehen, sei bislang nicht verlässlich belegt. Eine Schlüsselrolle spielt demnach das schwere Erdöl aus dem Orinoco-Gürtel. Der staatliche Konzern PDVSA habe bestätigt, dass über Lieferungen an die USA verhandelt werde. Diese Gespräche seien jedoch an harte politische Bedingungen geknüpft. Washington verlange unter anderem, dass Venezuela seine Beziehungen zu China, Russland, Iran und Kuba zurückfahre. Genau hier verläuft aus Sicht des Experten die geopolitische Bruchlinie. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick zunehmend auf andere Länder der Region. Cwik sieht vor allem Kuba als "besonders gefährdet" an – sowohl politisch als auch symbolisch. Auch Panama rücke wegen seiner strategischen Bedeutung für den Panamakanal stärker in den Fokus der USA. Insgesamt nehme der militärische und geopolitische Druck in der Karibik spürbar zu. Kuba gilt dabei als historisch aufgeladenes Ziel amerikanischer Politik. Seit mehr als sechs Jahrzehnten versuchen die USA, das politische System der Insel durch Sanktionen und Isolation zu schwächen. Trump habe bereits Anfang Januar offen erklärt, Kuba werde „fallen“. Seine Annahme: Das System sei wirtschaftlich und gesellschaftlich so angeschlagen, dass ein Zusammenbruch ohne militärisches Eingreifen möglich sei. Stattdessen setze Washington auf eine Strategie des maximalen wirtschaftlichen Drucks. Konkret äußert sich dieser Druck laut Cwik in einer weiteren Verschärfung der Blockade und im Versuch, Kubas verbliebene Partnerstaaten zum Rückzug zu bewegen. Besonders brisant sei die Drohung gegenüber Mexiko, seine Erdöllieferungen nach Kuba einzustellen. Für die ohnehin angeschlagene kubanische Wirtschaft wäre dies ein schwerer Schlag. Ziel sei weniger eine militärische Intervention als vielmehr eine „moderne Belagerung“, die das Land wirtschaftlich ersticken solle. Ein militärisches Eingreifen hält Cwik derzeit für eher unwahrscheinlich. Trumps Rhetorik deute vielmehr auf eine Strategie der Isolation und des indirekten Zwangs hin. Kuba habe dabei vor allem symbolische Bedeutung: Als einer der letzten kommunistischen Staaten der westlichen Hemisphäre stehe die Insel für einen ideologischen Gegenpol zu den USA. Ein hartes Vorgehen gegen Havanna sende daher ein starkes politisches Signal – sowohl an das eigene Publikum als auch international. Hinzu kommen innenpolitische und persönliche Motive. Cwik verweist auf zentrale Figuren im Umfeld Trumps, etwa Außenminister Marco Rubio, dessen familiäre Wurzeln in Kuba liegen. Dies könne der Politik gegenüber Havanna eine zusätzliche emotionale Komponente verleihen. Die wirtschaftliche Lage auf der Insel beschreibt Cwik als dramatisch. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion befinde sich Kuba in einer Dauerkrise, die sich seit der Corona-Pandemie weiter verschärft habe. Der Einbruch des Tourismus und die wieder verschärften US-Sanktionen hätten das Land hart getroffen. Dennoch betont der Experte die Anpassungsfähigkeit der kubanischen Bevölkerung, die über Jahrzehnte gelernt habe, mit Mangel und Druck umzugehen. Ob diese Resilienz auch einer weiteren Zuspitzung standhält, bleibt jedoch offen.
Quelle: Kleine Zeitung (https://t1p.de/ndhyn)
Autor: Leon Latozke
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