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In der Ciénaga de Zapata kämpfen kubanische Biologen um den Erhalt des Manjuarí, eines urzeitlichen Fisches, der seit 2020 als vom Aussterben bedroht gilt. Jahrzehntelange Ausbeutung und der Verlust seines Lebensraums und die Einführung invasiver Arten haben den Kubanische Knochenhecht an den Rand des Verschwindens gebracht.
25.11.2025 09:34 Uhr
Kubanische Wissenschaftler kämpfen um das Überleben eines „Fossils“
In der entlegenen Ciénaga de Zapata, dem größten zusammenhängenden Feuchtgebiet der Karibik, läuft ein Wettlauf gegen die Zeit. Kubanische Biologen versuchen, den Manjuarí (Atractosteus tristoechus) vor dem Verschwinden zu bewahren. Die urtümliche Fischart, deren evolutionäre Wurzeln mehr als 140 Millionen Jahre zurückreichen, gilt seit 2020 als „vom Aussterben bedroht“. Jahrzehntelange Übernutzung, ein rapide schrumpfender Lebensraum und vor allem die Einführung einer invasiven Art haben den Bestand des Kubanischen Knochefisches drastisch dezimiert. Der Wendepunkt begann 1999, als die Regierung den afrikanischen Froschwels (Clarias batrachus) für die Aquakultur einführte. Der robuste Räuber verbreitete sich unkontrolliert in Flüssen, Seen und sogar unterirdischen Wassersystemen. Die Folge: ein massiver Druck auf endemische Arten, darunter den Manjuarí, der in den Sümpfen und Flussläufen Westkubas sein letztes Rückzugsgebiet hat. Die Froschwels gilt heute als eine der Hauptursachen für die ökologische Destabilisierung im Feuchtgebiet. Vor diesem Hintergrund startete Parkbiologe Andrés Hurtado ein Projekt, das inzwischen als letzte Hoffnung für die Art gilt. In einer kleinen, isolierten Aufzuchtstation am Rand der Ciénaga hat sein Team eine Methode entwickelt, den scheuen Fisch zu reproduzieren und Jungtiere auszuwildern. Die Arbeit erfolgt unter schwierigen Bedingungen: Mückenplagen, Materialknappheit und die abgelegene Lage erschweren den Fortschritt. Die Nachzucht selbst ist komplex – die Larven sind nur wenige Zentimeter groß, dunkel gefärbt und verschwinden unmittelbar nach dem Aussetzen in dichten Mangrovenwurzeln. Eine präzise Bestandsaufnahme ist kaum möglich. Doch gelegentliche Sichtungen durch Fischer deuten darauf hin, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen. In Gebieten, in denen der Manjuarí jahrelang nicht mehr gesehen wurde, melden Bewohner wieder einzelne Exemplare. Für Hurtado und sein Team sind das ermutigende, aber fragile Signale. Denn der Bestand bleibt extrem verletzlich. Neben dem invasiven Froschwels bedrohen weiterhin Habitatverluste und eine zunehmend instabile Umwelt das Überleben der Art. Für kubanische Forscher steht mehr auf dem Spiel als der Schutz eines seltenen Fisches. Der Manjuarí gilt als biologisches Relikt und einzigartiges Symbol der Inselbiodiversität. Sein möglicher Verlust wäre nicht nur ein ökologischer Rückschlag, sondern auch ein kultureller – ein weiterer Hinweis auf den kritischen Zustand vieler endemischer Arten im Land. Umweltexperten fordern daher mehr institutionelle Unterstützung und strengere Maßnahmen gegen invasive Spezies. Die Zeit drängt. Die Ciénaga de Zapata, eine von der UNESCO geschützte Biosphärenreserve, bleibt das letzte stabile Refugium des Manjuarí. Doch ohne konsequente Schutzpolitik droht selbst dieses Ökosystem an einen Punkt zu gelangen, an dem ein lebendes Fossil endgültig verschwindet.
Quelle: REUTERS (https://t1p.de/t44xy)
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